Amokfahrt in Münster "Erschütternde Berichte"

Nordrhein-Westfalens Opferschutzbeauftragte sprach in den vergangenen Tagen mit vielen Betroffenen der Amokfahrt in Münster. Ob auch die Eltern des mutmaßlichen Täters ein Gesprächsangebot bekommen, ist noch offen.

Elisabeth Auchter-Mainz
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Elisabeth Auchter-Mainz


Die Opfer der Amokfahrt von Münster können über eine Härtefallklausel Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz erhalten. Das sagte die nordrhein-westfälische Opferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz.

Die Härtefallklausel sei notwendig, weil das Gesetz Gewalttaten, die mithilfe von Kraftfahrzeugen begangen werden, eigentlich nicht einbeziehe. Dies habe sich bereits 2016 beim Terroranschlag mit einem Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche als Problem erwiesen, sagte Auchter-Mainz.

Die Opferschutzbeauftragte kündigte an, allen Menschen, die von der Münsteraner Amokfahrt betroffen sind, ein Gespräch anzubieten. Bislang habe sie etwa 50 Verletzte, Angehörige und andere Hilfesuchende auf ihrer Liste.

Nach den ersten Gesprächen sagte die 66-Jährige bei einer Pressekonferenz: "Hinter jedem Kontakt steckt ein Schicksal. Wir haben teilweise erschütternde Berichte gehört." Sie verzichtete auf weitere Details, um die Opfer zu schützen.

"Wir mussten zuhören. Wir haben zugehört."

Die Angehörigen der beiden Todesopfer hätten das Gesprächsangebot bislang noch nicht angenommen. Ob Auchter-Mainz auch mit den Eltern des Amokfahrers sprechen wird, ist noch offen: "Das haben wir noch nicht entschieden, haben aber darüber schon nachgedacht", sagte sie.

Sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen verstünden sich als Lotsen, die Kriminalitätsopfern unbürokratisch den Weg zu Hilfsangeboten wiesen, sagte Auchter-Mainz. Das könne die Opferschutzorganisation Weißer Ring sein, eine Trauma-Ambulanz oder Unterstützung bei Ansprüchen nach dem Opferentschädigungsgesetz. Viele wollten aber zunächst einfach reden: "Wir mussten zuhören. Wir haben zugehört."

Am vergangenen Samstag war der 48-jährige Jens R. mit einem Campingbus in der Innenstadt von Münster in eine Menschenmenge gefahren und hatte sich anschließend erschossen. Eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann starben, mehr als 20 Menschen wurden verletzt.

bbr/dpa

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