Massenmord im KZ Stutthof Prozess gegen früheren SS-Wachmann steht vor dem Aus

Johann R. soll am Massenmord im KZ Stutthof beteiligt gewesen sein. Im Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann in Münster wird aber wohl kein Urteil mehr fallen. Grund dafür ist die Expertise eines Mediziners.

Angeklagter im Landgericht Münster (Archivbild)
DPA

Angeklagter im Landgericht Münster (Archivbild)


Der früheren SS-Wachmann Johann R. wird sich wegen seiner Beteiligung am Holocaust wohl keinem deutschen Gericht mehr stellen müssen. Der 95-jährige Angeklagte ist weiterhin nicht verhandlungsfähig. Das sei das Ergebnis einer medizinischen Begutachtung des Mannes, teilte das Landgericht Münster mit.

R. hatte sich in Münster im vergangenen Jahr wegen seiner Rolle als SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof in den Vierzigerjahren verantworten müssen. Insbesondere aufgrund einer schweren Herzerkrankung und damit einhergehender Einschränkungen sei er nicht mehr in der Lage, einem Strafprozess in angemessenem Maße zu folgen, heißt es nun. Mit einer endgültigen Entscheidung der Kammer ist dem Gericht zufolge Mitte März 2019 zu rechnen.

Der Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann war bereits Mitte Dezember vorerst geplatzt. Wegen einer schweren Herz- und Nierenerkrankung des Angeklagten hatte das Gericht das Verfahren ausgesetzt - schon damals war klar, dass es wohl kein Urteil mehr in diesem Fall geben würde (mehr darüber erfahren Sie hier).

Der 95-jährige Angeklagte ist seit November verhandlungsunfähig und liegt im Krankenhaus. Der vom Gericht bestellte medizinische Gutachter hatte bereits am achten Verhandlungstag den Gesundheitszustand des Angeklagten geschildert, der sich in den vergangenen Wochen verschlechtert hatte. Es sei zwar möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, dass sich der Mann wieder erhole, sagte der Mediziner.

Die Anklage wirft dem Mann aus dem westfälischen Kreis Borken Beihilfe zum Mord in Hunderten Fällen in dem deutschen Konzentrationslager bei Danzig von 1942 bis 1944 vor. Nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralen Stelle in Ludwigsburg starben bis Kriegsende 65.000 Menschen im KZ Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen.

mxw

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