Münsterland: 18-jähriger Amokläufer verteilte Bomben im Schulgebäude

Der Amoklauf in der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten hätte beinahe in einer Katastrophe geendet. Der 18-jährige Täter hatte vor seinem Tod scharfe Rohrbomben im Schulhaus verteilt und mehrere Menschen mit Schüssen verletzt.

Emsdetten - Der Täter ist tot, das Gebäude geräumt, die Schüler in Sicherheit, so ein Polizeisprecher. Nach Angaben der Polizei hat sich der Mann selbst gerichtet.

Im Internet ist ein Abschiedsbrief aufgetaucht, den die Polizei für authentisch hält. "Das einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin", heißt es in dem Text, in dem die Geschwister-Scholl-Schule mit der Abkürzung GSS genannt wird.

"Ich verabscheue Menschen", steht auf der Internetseite. Dort posiert der junge Mann auf Fotos mit Waffen, darunter auch einer Maschinenpistole. Der Brief schließt mit den Worten: "Ich bin weg..."

An der Leiche des Täters im ersten Obergeschoss der Schule befinden sich laut Polizei Sprengsätze, die von Spezialisten entschärft werden sollen. Die eingesetzten Polizisten kämen "wegen des Sprengstoffs derzeit nicht an die Leiche heran", sagte ein Sprecher. Vier Rohrbomben, die der junge Mann im Gebäude angebracht hatte, sind nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bereits entschärft. Die Polizei sucht jedoch nach weiteren Sprengsätzen - auch an einem Fahrzeug vor der Schule, das dem mutmaßlichen Täter gehörte.

Als der Täter den Schulhof betrat, sagten die Schüler auf dem Schulhof einander: "Pass auf, der geht gleich in die Schule und bringt alle um." Der Täter habe einen knielangen schwarzen Mantel getragen, der von innen rot gefüttert gewesen sei, berichten Schüler, die ihn auf dem Schulhof gesehen haben. Sein Gesicht sei mit einer schwarzen Maske verhüllt gewesen. Der Täter trug einen Sprengstoffgürtel.

Bei dem Täter handelt es sich um einen ehemaligen Schüler, der im vorigen Jahr seinen Abschluss an der Geschwister-Scholl-Schule gemacht hat. Während seiner Schullaufbahn ist er drei Mal sitzengeblieben. Im Ort galt der 18-Jährige als unberechenbar. Er habe häufiger Drohungen ausgestoßen und Mädchen eingeschüchtert. "Ihr Modepüppchen seid als erstes dran", soll er nach Angaben von Eltern gesagt haben, deren Kinder er bedroht habe. Damals habe man die Äußerungen nicht ernst genommen.

Über sein Motiv ist bislang nichts bekannt. Er hatte mindestens eine Handfeuerwaffe und eine Gaspistole bei sich. Morgen hätte in Rheine ein Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes gegen ihn beginnen sollen. Die Polizei hat das Gelände rund um das Einfamilienhaus, in dem die Eltern des mutmaßlichen Täters leben, abgesperrt.

Ein Schüler, der den Täter kannte, berichtet, es sei ein Einzelgänger gewesen, der den ganzen Tag mit Computerspielen verbracht habe. Erste Informationen von SPIEGEL ONLINE, denen zufolge der Schüler seine ehemalige Schule vor Jahren bereits als Szenario für ein populäres Ballerspiel am Computer nachbaute, sind bislang nicht bestätigt.

SPIEGEL ONLINE

Insgesamt wurden acht Personen verletzt. Der vermummte Täter drang gegen 9.30 Uhr in die Schule ein. Der Täter hat bereits vor dem Betreten der Schule um sich geschossen, berichten Schüler. Kurz darauf kam es zu einer Auseinandersetzung mit einer Lehrerin, der der Maskierte nach Informationen von SPIEGEL ONLINE mit der Gaspistole ins Gesicht schoss. Dem Hausmeister der Schule, der ihr zur Hilfe eilen wollte, schoss der Mann mit der anderen Waffe in den Bauch. Das Opfer wurde in die Universitätsklinik in Münster eingeliefert und schwebt in Lebensgefahr. Unter den Verletzten sind auch mehrere Polizisten. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, erlitten die Beamten Verletzungen durch starke Rauchentwicklung in dem Schulgebäude.

Eine Spezialeinheit der Polizei hatte zunächst versucht, den maskierten Täter zur Ruhe zu bringen, war später dann aber in das Gebäude eingedrungen. Reporter vor Ort berichten von chaotischen Zuständen. Am Ortseingang sei ein Wagen des Sondereinsatzkommandos in einen Unfall verwickelt gewesen. Vor der Schule hat sich eine Gruppe von erschrockenen Eltern und Schülern versammelt. Viele davon seien in Tränen aufgelöst.

ffr/dpa/AP/AFP/Reuters/ddp

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