Toulouse Polizei erhöht Druck auf den Mann in der Falle

Die Eliteeinheiten der Polizei in Toulouse wollen Mohammed Merah zur Aufgabe zwingen. Am späten Abend waren nahe der Wohnung des mutmaßlichen Serientäters drei Explosionen zu hören. Man wolle ihn einschüchtern, sagte der französische Innenminister. Der Zugriff habe jedoch noch nicht begonnen.

AFP

Hamburg - Mit einer Taktik der Drohgebärden versuchen die Einsatzkräfte in Toulouse offenbar, den mutmaßlichen Serientäter Mohammed Merah zur Aufgabe zu bewegen. Seit fast 24 Stunden hat sich der Bewaffnete in seiner Wohnung in der Rue du Sergent Vigné verschanzt. Nach 23 Uhr am Mittwochabend waren dort drei Explosionen zu hören gewesen, Augenzeugen sahen mehrere orangefarbene Lichtblitze.

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Jean-Pierre Havrin, bestätigte zunächst, dass die Eliteeinheiten der Polizei mit der Erstürmung von Merahs Wohnung begonnen hätten.

Der französische Innenminister Claude Guéant ließ jedoch inzwischen mitteilen, es handele sich um eine Einschüchterungstaktik der Einsatzkräfte - man wolle Merah zermürben, er solle sich stellen. "Es handelt sich um Maßnahmen, die den Bewaffneten einschüchtern sollen", sagte Ministeriumssprecher Pierre-Henry Brandet. "Er scheint seine Meinung geändert zu haben und sich nicht ergeben zu wollen." Die Erstürmung der Wohnung habe jedoch noch nicht begonnen.

Michel Valet, Sprecher der Staatsanwalt von Toulouse, sagte der Nachrichtenagentur AP: "Ich kann nicht bestätigen, dass der Zugriff begonnen hat. So einfach ist das nicht. Wir warten."

Die Nachrichtenagentur dapd berichtete, die Polizei habe die Fensterläden vor einem Fenster des belagerten Hauses gesprengt, der französische TV-Sender BFM-TV meldete laut Deutscher Presse-Agentur, bei den Explosionen sollen Tür und Fenster der Wohnung aufgesprengt worden sein.

Um 1.40 Uhr am Donnerstagmorgen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters erneut von einer Explosion und Schüssen in der Rue du Sergent Vigné.

Bekenntnis gegenüber TV-Redakteurin

Seit kurz nach 3 Uhr am Mittwochmorgen harrt Merah in seiner Wohnung aus. Zuvor hatten Elitepolizisten das Haus im Osten der Stadt umstellt. Ihr Versuch, die Wohnung zu stürmen und Merah zu überwältigen, scheiterte. Der 24-jährige, schwer bewaffnete Mann schoss durch die Tür und verletzte mehrere Beamte.

Die Taten, mit denen Merah in Verbindung gebracht wird und zu denen er sich mittlerweile der Polizei gegenüber bekannt haben soll, haben Frankreich in den vergangenen Wochen erschüttert.

Merah soll am 11. März mit einem Motorrad auf eine Gruppe junger Fallschirmjäger in Toulouse zu gefahren sein und das Feuer eröffnet haben, ein Soldat starb. Am 15. März trafen Kugeln aus der gleichen Waffe zwei weitere Fallschirmjäger in Montauban, 50 Kilometer entfernt. Am 19. März raste ein schwarz gekleideter Motorradfahrer vor die jüdische Ozar-Hatorah-Schule in Toulouse und schoss um sich, drei Kinder und ein Lehrer starben.

Eine Redakteurin des französischen TV-Sender France 24, Ebba Kalondo, berichtete mittlerweile von einem Telefongespräch, das sie mit Merah führte - kurz bevor die Belagerung seiner Wohnung durch die Polizei begann. Demnach rief Merah bei dem Sender an, um sich zu den Taten zu bekennen. Sie habe sofort das Gefühl gehabt, dass dieses Bekenntnis authentisch sei, sagte Kalondo. Merah habe präzise Angaben zu den Taten gemacht, sein Französisch sei überaus elegant gewesen, er sprach sehr höflich und redete sie durchgehend mit "Madame" an.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Merah sich als Angehöriger des Terrornetzwerks al-Qaida bezeichnete, zweimal in Afghanistan und in Pakistan gewesen sei. Er sei in Pakistan in einem Terrorcamp in Waziristan ausgebildet worden. Im vergangenen November soll er wegen eines Aufenthalts in Pakistan vom französischen Geheimdienst vernommen worden sein.

Laut Staatsanwaltschaft weist der mutmaßliche Attentäter "ein untypisches Profil salafistischer Selbstradikalisierung" auf. Er sei mit eigenen Mitteln und nicht über die bekannten Netzwerke nach Afghanistan gekommen. Auch nach Pakistan reiste er angeblich als Tourist ein.

ulz/dpa/Reuters/AFP/dpa/dapd/AP

insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Walter Sobchak 22.03.2012
1. (Hat der Beitrag promoviert, dass er einen Titel führen darf?)
natuerlich mal wieder Geheimdienstverbindungen. Dieser ganze Anti-Terror Kampf ist doch Nonsense. "The Power Of Nightmares", zu sehen bei archive.org, hat das schon vor Jahren ganz gut auf den Punkt gebracht. Alles hausgemacht um den boesen Kommunismus zu ersetzen.
multi_io 22.03.2012
2. ..nicht.
Auf CNN sagen sie gerade, der Sturm hat NICHT begonnen. Die Explosionen waren Polizeimaßnahmen, um ihn einzuschüchtern.
valthiel 22.03.2012
3.
Zitat von sysopAPIn Toulouse hat der Zugriff auf den mutmaßlichen Serientäter Mohammed Merah begonnen. Vor dem Haus sind am späten Abend drei Explosion zu hören gewesen. Die Polizei hatte das Gebäude seit dem frühen Morgen umstellt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822783,00.html
Ich versteh den Artikel nicht, so ein Zugriff ist doch innerhalb von einigen Sekunden erledigt, selbst wenn es ein ganzes Haus mit mehreren Tätern wäre, wäre es nur eine Frage von Minuten. Zum Zeitpunkt als der Spiegel vom Begin erfuhr, muss der Zugriff doch also schon erfolgt sein, oder wie soll ich mir das sonst vorstellen? Oder ist der Zugriff nur in absehbarer Zeit geplant gewesen? Das wiederum würde die Polizei aber doch nicht veröffentlichen, da es den Täter warnt. Steh ich auf dem Schlauch oder ist der Artikel wirklich so sinnlos?
FStreit 22.03.2012
4.
Zitat von sysopAPIn Toulouse hat der Zugriff auf den mutmaßlichen Serientäter Mohammed Merah begonnen. Vor dem Haus sind am späten Abend drei Explosion zu hören gewesen. Die Polizei hatte das Gebäude seit dem frühen Morgen umstellt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822783,00.html
Damit dürfte die Wiederwahl von Sarkozys gesichert sein , Zeitpunkt für diesen "Terroranschlag" ist natürlich rein zufällig
cclxbln 22.03.2012
5. Statt die Ereignisse 'en detail' breitzutreten, ...
... liegt die Aufgabe und Verantwortung der Presse darin, ganz laut und deutlich der Welt zu sagen, dass das Erschießen von Kindern etwas absolut Unehrenhaftes ist und keine Religion ihre Mitglieder dazu aufruft oder sie dafür würdigt. Kinder in den Kopf zu schießen - die kindliche Physiognomie löst aggressionshemmende Emotionen in uns aus - ist für adäquat fühlende Menschen unvorstellbar. Die Botschaft an die Menschen muss sein, solches Verhalten ist krank und kein Gott, kein Allah, kein Jehova, kein Buddha billigt solcherlei Verhalten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.