Belagerung in Toulouse Verdächtiger soll neue Mordattacken geplant haben

Seit dem frühen Morgen verschanzt sich der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse in seiner Wohnung - jetzt werden neue Details über Mohammed Merah bekannt. Der 24-Jährige plante nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitere Angriffe auf Polizei und Soldaten.

AFP

Toulouse - Mohammed Merah ist in die Enge getrieben, aber noch nicht gefasst: Seit mehr als zwölf Stunden liefert sich der mutmaßliche Attentäter der Angriffe auf drei französische Soldaten und vier Personen vor einer jüdischen Schule einen Showdown mit der Polizei. Der 24-Jährige hat sich in seiner Wohnung im Haus Nummer 17 in der Rue du Sergent Vigné in Toulouse verschanzt.

Inzwischen haben sich mehrere Dutzend Schaulustige eingefunden. Näher als etwa 60 Meter kommen sie und die Journalisten vor Ort nicht an das Gebäude heran, in dem sich Merah verschanzt hat. Er schoss drei Polizisten an, die ihn in den frühen Morgenstunden festnehmen wollten. Laut einem Polizisten sollen mehr als 50 Schüsse gefallen sein. Dennoch sagte eine Nachbarin SPIEGEL ONLINE, sie habe von der Schießerei nichts mitbekommen. "Ich bin um 10 Uhr aufgewacht, habe aus dem Fenster geschaut und mich gewundert, warum so viele Polizisten hier sind."

Die Einsatzkräfte haben das Gebiet abgesperrt, Mannschaftswagen der Polizei, Krankenwagen und Feuerwehrautos sind in unmittelbarer Nähe geparkt. Es herrscht eine Atmosphäre angespannter Ruhe. Sicherheitskräfte eskortieren Anwohner zu ihren Wohnungen, ab und zu fährt ein Polizeifahrzeug in die abgesperrte Zone im Viertel Cotê Pavée.

Es ist ein stilles Kräftemessen zwischen Merah und der Polizei. Seine Ankündigung, sich um 14.30 Uhr stellen zu wollen, machte er nicht wahr. Zwischenzeitlich brach er den Kontakt zu den Ermittlern ab. Die Spezialeinheit Raid bereitete sich darauf vor, die Wohnung zu stürmen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press unter Berufung auf einen ranghohen Polizisten. Bereits am späten Vormittag hatten Einsatzkräfte das fünfstöckige Gebäude evakuiert und die Bewohner über das Dach und Feuerwehrleitern in Sicherheit gebracht.

"Er hatte vor, an diesem Morgen zu töten"

Allmählich fügen sich die Informationen über Merah zu einem Bild. Merah ist Franzose, hat aber algerische Wurzeln. Der 24-Jährige soll laut einem Nachbarn unauffällig in dem Mietshaus gewohnt haben. "Das sind sehr kleine und sehr billige Wohnungen", sagte eine Anwohnerin SPIEGEL ONLINE. Die Wohnung ist Teil eines Komplexes aus zwei großen Wohnblöcken, die von kleineren Einfamilienhäusern umgeben sind. Wenige hundert Meter entfernt ist eine Kaserne.

Offenbar hatte Merah für Mittwoch einen Anschlag auf weiteren Soldaten geplant. Die Vorsitzende des Rates jüdischer Einrichtungen in der Region, Nicole Yardeni, sagte nach einem Gespräch mit Präsident Nicolas Sarkozy, der Staatschef habe von einer weiteren geplanten Gewalttat am Mittwochmorgen gesprochen. "Er hatte vor, an diesem Morgen zu töten", schilderte Yardeni ihre Informationen zu den Plänen des Attentäters, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Die französische Staatsanwaltschaft bestätigte diese Information am Nachmittag. Zudem habe der Mann Polizisten erschießen wollen, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins. Merah habe im Gespräch mit Polizisten bedauert, nicht noch mehr Menschen getötet zu haben. Molins zufolge hat der mutmaßliche Attentäter gesagt, er sei für die tödlichen Schüsse auf die Soldaten und die Personen vor der jüdischen Schule verantwortlich.

Dem Staatsanwalt zufolge wird wird noch ein Kleinwagen gesucht, der wahrscheinlich Waffen und Sprengstoff enthalte. Ein Motorroller sei ebenso wie eine Kamera gefunden worden. Der Täter, der die tödlichen Schüsse auf die Soldaten und die Personen vor der jüdischen Schule abgegeben hatte, trug eine Kamera bei sich.

"Rache für die palästinensischen Kinder"

Merah war schon lange im Visier des französischen Geheimdienstes, teilte Innenminister Claude Guéant mit. Ermittler hatten bei dem mutmaßlichen Attentäter fundamentalistische Einstellungen erkannt. Merah hat laut Guéant gesagt, er gehöre zum Terrornetzwerk al-Qaida. Behördenangaben zufolge soll er in Afghanistan und Pakistan gewesen sein.

Trotz seines jungen Alters war der Tatverdächtige bereits mehrfach straffällig geworden, sagte Guéant. "Dieser Mann hat bereits mehrere Straftaten auf französischem Boden begangen, einige mit Gewalt." Guéant beschrieb Merah als Menschen, der Beziehungen zu Personen aus dem radikalen muslimischen Salafisten-Gruppen zugegeben hat. "Sein Profil entspricht dem eines sehr entschlossenen Menschen (...). Er spricht viel und betont seine Überzeugungen", so Guéant. Auch Merahs direktes familiäres Umfeld steht im Verdacht, mit den radikalen Überzeugungen des jungen Mannes sympathisiert zu haben.

Den Behörden sei bekannt, dass er einige Zeit in Afghanistan und Pakistan verbracht habe. Der mutmaßliche Täter wolle "Rache für die palästinensischen Kinder nehmen", die im Nahen Osten getötet worden seien. Darüber hinaus sei er wütend wegen der französischen Militäreinsätze im Ausland. Zu den tödlichen Schüssen auf drei französische Soldaten habe er sich aber weniger explizit geäußert. Die Männer waren muslimischer und französisch-karibischer Herkunft. Der Verdächtige erklärte jedoch laut Guéant, dies habe bei seinen Taten keine Rolle gespielt.

ulz/dpa/AP

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hubertrudnick1 21.03.2012
1. Durchgeknallt
Zitat von sysopAPIm Nervenkrieg gegen die Polizei zeigt Mohammed Merah Ausdauer: Seit dem frühen Morgen verschanzt sich der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse vor einem Großaufgebot an Einsatzkräften. Inzwischen werden neue Details über den 24-Jährigen bekannt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822843,00.html
Mir kommt es vor als sei es ein durchgeknallter Typ, der imgrunde vom Leben noch keine rechte Vorstellung hat und sich von anderen radikalisieren liess. Verstand kann bei diesen Typen nicht viel vorhanden sein, es sind viel mehr meistens junge Menschen die ihren eigenen Weg nicht gefunden haben. HR
Wahrheitsfinder 21.03.2012
2. Serienmörder?
Wie kommt es eigentlich, dass man den Täter diesmal als "Serienmörder" und nicht als Attentäter oder Terroristen bezeichnet? Serienmörder ist für mich definitiv der falsche Begriff, denn die Taten hatten einen politisch-religiösen Hintergrund. Man könnte glatt meinen, die Presse versucht bereits die Taten herunterzuspielen und als nicht-islamistisch geprägt einzustufen. Es handelte sich hier wieder um klaren Terrorismus aus einer bestimmten Richtung und nicht um einen "Serienmörder"!
gute_frage 21.03.2012
3. Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Zitat von sysopAPIm Nervenkrieg gegen die Polizei zeigt Mohammed Merah Ausdauer: Seit dem frühen Morgen verschanzt sich der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse vor einem Großaufgebot an Einsatzkräften. Inzwischen werden neue Details über den 24-Jährigen bekannt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822843,00.html
Ein wildes Tier, das keine Menschlichkeit und keine Gnade kennt und einfach weil es ihm gefällt, wehrlose Kinder tötet, aber für sich selbst das Recht auf Leben in Anspruch nehmen will ? Welche Verbrechen haben diese Kinder begangen ? Wieviel Menschen haben diese Kinder getötet ? Ich sehe hier nur einen menschenverachtenden, gnadenlosen, kaltblütigen Mörder, der wohl wahnsinnig stolz auf sich ist und als Held gefeiert werden möchte. Wer so ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht, wird hoffentlich mit der gleichen, von ihm vorgegebenen, Maßstab der Unmenschlichkeit bedacht und entsprechend behandelt. Da fallen einem plötzlich praktische Verwendungsmöglichkeiten für einen mittelalterlichen Pranger ein. Ist es angesichts solcher Taten verwunderlich, wenn man aus Freude am Leben und dem Bedürfnis auch weiterhin am Leben zu bleiben, sehr sorgfältig überlegt, über welche Straßen man künftig gehen will, wer einem da begegnen könnte und wem man aus dem Weg gehen sollte ?
theodorheuss 21.03.2012
4. Was für einen
Zitat von hubertrudnick1Mir kommt es vor als sei es ein durchgeknallter Typ, der imgrunde vom Leben noch keine rechte Vorstellung hat und sich von anderen radikalisieren liess. Verstand kann bei diesen Typen nicht viel vorhanden sein, es sind viel mehr meistens junge Menschen die ihren eigenen Weg nicht gefunden haben. HR
Schwachsinn sie hier labern! Ein junger Mensch der seinen Weg nicht gefunden hat! Sorry für meine Ausdrucksweise, aber DA geht mir echt die Hutschnur. Der Killer hat mit aufgesetzten Kopfschüßen Drei Kleinkinder gemordet. Ich empfehle ihnen mal nach den Bildern der Kleinen zu googlen. - Ein junger Mensch der seinen Weg nicht gefunden hat- ich fasse es nicht!
turekat 21.03.2012
5. Europa's Liberalität und Freiheit mit Füßen getreten
Zitat von hubertrudnick1Mir kommt es vor als sei es ein durchgeknallter Typ, der imgrunde vom Leben noch keine rechte Vorstellung hat und sich von anderen radikalisieren liess. Verstand kann bei diesen Typen nicht viel vorhanden sein, es sind viel mehr meistens junge Menschen die ihren eigenen Weg nicht gefunden haben. HR
Ja Sie haben Recht. Ich wundere mich immer wieder, warum Leute, die aus dem Elend nach Europa kommen, dessen Liberalität und Freiheit dermaßen ausnutzen, dass sie hier solche Taten begehen. Irgendetwas muss in solchen Köpfen anders funktionieren als bei uns. Jede Liberalität hört aber dann auf, wenn solche Gewalttaten begangen werden bzw. wenn sie sich schon im Vorfeld abzeichnen. Diesbezüglich kann ich nur hoffen, dass solche Typen auf Null Toleranz bei Polizei und Justiz stoßen. Das ist offensichtlich die einzige Sprache, die sie verstehen.
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