Neue Fotos von Zarnajews Festnahme: "Das ist der wahre Boston-Bomber"

Mutmaßlicher Attentäter Zarnajew bei seiner Festnahme: Blutige Hand Zur Großansicht

Mutmaßlicher Attentäter Zarnajew bei seiner Festnahme: Blutige Hand

Hände und Gesicht voller Blut, ein Laserpunkt auf der Stirn: Polizeifotograf Sean Murphy hat auf das aktuelle Cover des "Rolling Stone"-Magazins reagiert - und Bilder von der Festnahme des mutmaßlichen Boston-Bombers Dschochar Zarnajew veröffentlicht. Nun ist er seinen Job los.

Boston - Das "Rolling Stone"-Magazin steht derzeit heftig in der Kritik. Auf dem Cover sind normalerweise Rockstars oder Schauspieler zu sehen - den aktuellen Titel ziert jedoch der mutmaßliche Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew. Auf Twitter hagelt es Protest, mehrere Supermarktketten haben angekündigt, die aktuelle Ausgabe des Magazins nicht zu verkaufen.

Auch Polizeifotograf Sean Murphy ist über das Cover empört. Seiner Meinung nach glorifiziert es den mutmaßlichen Attentäter. Als Reaktion veröffentlichte er mehr als ein Dutzend seiner Bilder von Zarnajew, aufgenommen bei dessen Festnahme am Abend des 19. April. Auf einem ist der 19-Jährige mit erhobenen Händen zu sehen, sie sind ebenso blutverschmiert wie sein Gesicht. Auf Zarnajews Stirn ist ein roter Laserpunkt zu sehen - die Scharfschützen haben ihn im Visier.

Dschochar Zarnajew und sein Bruder Tamerlan sollen am 15. April beim Boston-Marathon zwei Bomben gezündet haben. Drei Menschen starben, 264 wurden verletzt. Auf ihrer Flucht sollen die Brüder auch einen Polizisten erschossen haben. Tamerlan Zarnajew starb nach dem Anschlag bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Dschochar Zarnajew wurde nach tagelanger Fahndung gefasst. Er hat sich nicht schuldig bekannt.

"Was 'Rolling Stone' gemacht hat, war falsch"

Polizeifotograf Murphy spielte seine Bilder dem "Boston Magazine" zu - und ist nun seinen Job los. Die Veröffentlichung sei nicht autorisiert gewesen, sagte der Sprecher der Polizei, David Procopio. Es werde ein internes Ermittlungsverfahren gegen Murphy eingeleitet.

In einer Mitteilung, die das "Boston Magazine" veröffentlichte, erklärt der Fotograf sein Handeln: "Das Bild, das von 'Rolling Stone' gezeigt wurde, war eine Beleidigung für jeden Menschen, der jemals eine Uniform getragen hat", heißt es darin. Das Antlitz des Terrors werde verherrlicht, zudem könnte es ein Anreiz für labile Menschen sein, etwas Ähnliches zu tun, um mit ihrem Gesicht auf dem Cover des Magazins zu landen.

"Was 'Rolling Stone' gemacht hat, war falsch. Der Mann ist böse", schreibt Murphy. Seine Fotos sollten hingegen zeigen, was wirklich geschehen ist: "Das ist der wahre Boston-Bomber."

Es habe vielleicht ausgesehen wie eine TV-Sendung. "Aber das war es ganz und gar nicht", schreibt Murphy. Polizisten hätten ihr Leben riskiert, ein Beamter habe es sogar verloren. "Das waren echte Menschen mit echten Leben, mit echten Familien." Für sie sei das Cover verletzend gewesen. "Es ist nichts Glanzvolles dabei, trauernden Familien noch mehr Schmerzen zuzufügen."

Das Musik-Magazin hat die Wahl der Titelstory verteidigt. Die Geschichte "Der Bomber. Wie ein beliebter, vielversprechender Student von seiner Familie enttäuscht wurde, dem radikalen Islam verfiel und zum Monster wurde" sei Teil einer seriösen und ernsthaften Berichterstattung mit dem Ziel, die wichtigsten Themen aus Politik und Kultur abzudecken.

aar/AP/Reuters

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