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Mutmaßlicher Kinderschänder: "Nicht der Typ Mensch, der in einem kanadischen Gefängnis überlebt"

Gegenüber der Polizei wollte er sich nicht äußern. Einem kanadischen Fernsehsender sagte der mutmaßliche Kinderschänder Christopher N. dagegen, er habe mit den Taten nichts zu tun.

Er will es nicht gewesen sein: Der mutmaßliche Kinderschänder Christopher Paul N. hat Medienberichten zufolge alle Anschuldigungen zurückgewiesen. In einem Interview mit dem kanadischen Fernsehsender CTV sagte der Lehrer aus Kanada, die Beweise der thailändischen Behörden gegen ihn würden vor einem kanadischen Gericht nicht standhalten.

Der Englischlehrer wird beschuldigt, zahlreiche Jungen sexuell misshandelt und die Bilder ins Internet gestellt zu haben. Einige seiner Opfer sollen erst sechs Jahre alt gewesen sein. N. werden Freiheitsberaubung und sexueller Missbrauch vorgeworfen. Ein unter 15 Jahre altes Kind soll er ohne elterliche Erlaubnis zu sich genommen haben.

Zu Pädophilie-Anschuldigungen wollte N. sich nicht äußern

Vorwürfe, zu denen der Kanadier bei einem Verhör durch die thailändische Polizei erneut schwieg. "Er beantwortete Fragen zu seiner Familie, seiner Schulzeit und anderen beiläufigen Themen. Aber sobald sich die Fragen auf die Pädophilie-Anschuldigungen richteten, hörte er auf zu lächeln und sagte nur, dass er die Fragen nicht beantworten will", sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag. Die thailändische Polizei erhalte immer mehr Informationen und Fotos von Interpol, darunter mehrere, die N. beim "Oralverkehr mit Jungen" zeigten, sagte der Sprecher.

Die Ermittler bezeichneten die Beweislage als "klar und lückenlos". N. wurde am Freitag in der Stadt Korat im Nordosten Thailands festgenommen. Vorausgegangen war eine landesweite Fahndung nach dem 32-Jährigen, der beschuldigt wird, in Vietnam und Kambodscha mehrere Jungen vergewaltigt zu haben. Am Samstag wurde der Tatverdächtige in ein Untersuchungsgefängnis in Bangkok gebracht. Ein Gericht erlaubte, ihn mindestens zwölf Tage lang festzuhalten. Dem vorläufigen Strafmaß könnte eine Verlängerung der Haft um 84 Tagen folgen, in dieser Zeit soll ein Gerichtsverfahren vorbereitet werden. Danach drohen dem Lehrer bis zu 20 Jahre Haft.

Im Interview mit dem kanadischen Fernsehsender verhielt sich N. "sehr zurückhaltend, sprach leise und schien angespannt zu sein", sagte der CTV-Reporter, der nach eigenen Angaben mit N. auf einer Polizeiwache in Bangkok gesprochen hatte. N. wolle nicht nach Kanada ausgeliefert werden und habe eine "gute Verteidigung" angekündigt. "Ich bin nicht der Typ Mensch, der lange in einem kanadischen Gefängnis überlebt", soll N. gesagt haben. Die Familie des 32-Jährigen hatte hingegen um eine Auslieferung gebeten.

Auch in seiner Heimat im Visier der Ermittler

Ein 13-Jähriger, der von dem Verdächtigen vor vier Jahren mehrmals sexuell missbraucht worden sein soll, hat N. laut den Ermittlern bereits während einer Vernehmung mehrfach identifiziert. Zudem sagte ein 18-Jähriger aus, vor zwei Jahren von dem Kanadier missbraucht worden zu sein.

Nach Angaben der kanadischen Behörden rückte der mutmaßliche Kinderschänder seit 2004 auch in seiner Heimat ins Visier der Polizei. Ein Sprecher des kanadischen Justizministeriums wollte sich zu einem möglichen Auslieferungsantrag nicht äußern, da es noch keine Anklage gebe. Die kanadischen Gesetze erlauben die Verfolgung von Landleuten, die im Ausland unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs stehen. In dem nordamerikanischen Staat gibt es seit einigen Jahren ein Gesetz gegen "Sex-Tourismus".

Interpol hatte N. vor zehn Tagen international zur Fahndung ausgeschrieben. Am Donnerstag stellten die Ermittler Fotos des Gesuchten und eine Kopie seines kanadischen Passes auf ihre Website. Grundlage für die Fahndung waren rund 200 Bilder des Mannes mit Jungen aus Vietnam und Kambodscha ab einem Alter von etwa sechs Jahren, die im Internet entdeckt wurden. Mehr als 350 Hinweise aus der ganzen Welt gingen bei der Polizei ein. Schließlich wurde N. am Freitag in Nakhon Ratchasima im Nordosten Thailands in einem Mietshaus im Beisein eines thailändischen Transvestiten gefasst.

kat/dpa/AP/AFP/Reuters

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Ende einer weltweiten Fahndung: Christopher N. gefasst


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