Mutmaßlicher Mörder von Denver: James Holmes erstmals vor Gericht

Zum ersten Mal wurde der mutmaßliche Todesschütze von Denver dem Richter vorgeführt. James Holmes wirkte abwesend, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. Die offizielle Anklage soll nächste Woche erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft könnte die Todesstrafe fordern.

Aurora - Der Termin vor dem Gericht in Centennial dauerte nur wenige Minuten: Der mutmaßliche Mörder James Holmes wurde erstmals öffentlich mit den Vorwürfen konfrontiert, der 24-Jährige selbst verweigerte jegliche Aussage. Richter William Sylvester legte den kommenden Montag als Termin für die offizielle Anklageerhebung gegen Holmes fest. Er muss in Untersuchungshaft bleiben und darf keinen Kontakt zu Zeugen und Opfern haben.

Holmes soll während der Mitternachtspremiere des neuen Batman-Films "The Dark Knight Rises" in einem Kino in Denver zwölf Menschen erschossen und 58 verletzt haben. Er sitzt derzeit in Einzelhaft, um ihn vor anderen Gefangenen zu schützen. Vor Gericht wirkte er abwesend, immer wieder schloss er sekundenlang die Augen, starrte ins Leere, blickte unbeteiligt auf den Boden. Beim Aufstehen musste ihn seine Pflichtverteidigerin stützen. Eine CNN-Moderatorin wunderte sich, ob er kurz vorm Einschlafen sei oder gar unter Medikamenteneinfluss stehe.

Staatsanwältin Carol Chambers sagte nach der Anhörung, es könne bis zu einem Jahr dauern, bis der Prozess eröffnet werde. Es müsse eine gewaltige Menge an Beweisen geprüft werden. Ihr Büro denke darüber nach, die Todesstrafe für James Holmes zu fordern. Ob es tatsächlich so weit kommt, werde in Absprache mit den Angehörigen der Opfer entschieden, sagte Chambers. Im US-Bundesstaat Colorado wurde zuletzt 1997 eine Person hingerichtet, die einzige seit 1977.

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Kino-Attentat: James Holmes vor Gericht
Vor der Anhörung wurde bekannt, dass Holmes nicht mit den Behörden spricht. Auroras Polizeichef Dan Oates sagte, Holmes verschanze sich hinter seinem Anwalt, er habe bisher keinerlei Angaben zur Tat gemacht. "Er spricht nicht mit uns."

Die Anwältin der Familie, Lisa Damiani, sagte am Montagmittag (Ortszeit), den Angehörigen des mutmaßlichen Täters gehe es den Umständen entsprechend gut. Die Familie werde keine Auskunft über die Beziehung zu Holmes geben.

Konsequenzen auch für Deutschland

Das FBI hat nach Angaben des Fernsehsenders ABC Verhaltensforscher auf den Fall angesetzt. Sie sollen demnach ermitteln, wie sich der 24-Jährige von einem begabten Studenten der Neurowissenschaft zum Hauptverdächtigen für einen der schlimmsten Massenmorde der US-Geschichte entwickelt habe. Dabei hätte das Massaker der "Washington Post" zufolge sogar noch schlimmer ausfallen können: Demnach hatte das Sturmgewehr des Täters eine Ladehemmung.

Das Attentat von Denver hat in zahlreichen Kinos zu verschärften Sicherheitsvorkehrungen geführt. Kinobesucher mussten Taschen und Rucksäcke öffnen, Polizisten und private Wachleute sollen ein größeres Sicherheitsgefühl vermitteln. Auch in Deutschland sollen die Vorkehrungen bei der deutschlandweiten Premiere von "The Dark Knight Rises" in dieser Woche teilweise verschärft werden.

Am Wochenende hatten sich Tausende Menschen zu einer Gedenkveranstaltung in Aurora versammelt. Präsident Barack Obama traf sich mit Angehörigen der Opfer und Überlebenden. Sie hätten gemeinsam geweint und sich umarmt, sagte Obama. Man werde sich später nur an die Opfer, nicht aber an den Täter erinnern.

aar/Reuters/AP/dpa

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1.
unimatrix 23.07.2012
Zitat von sysopAPZum ersten Mal wurde der mutmaßliche Todesschütze von Denver dem Richter vorgeführt. James Holmes wirkte abwesend, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. Die offizielle Anklage soll nächste Woche erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft könnte die Todesstrafe fordern. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,845975,00.html
Ich frage mich in letzter Zeit häufiger, wer bei euch die Photos aussucht? Dieses hier auch wieder. Soll das jetzt lustig sein wie der mutmaßliche Mörder guckt, so treu-doof-erschrocken? Oder ist es ein Hinweis auf den Grad der geistigen Umnachtung?
2.
Bedlam 23.07.2012
Zitat von unimatrixIch frage mich in letzter Zeit häufiger, wer bei euch die Photos aussucht? Dieses hier auch wieder. Soll das jetzt lustig sein wie der mutmaßliche Mörder guckt, so treu-doof-erschrocken? Oder ist es ein Hinweis auf den Grad der geistigen Umnachtung?
Bei Spiegel Online wird der Mörder ja bestens präsentiert ... jetzt sogar mit Namen im Titel. Ein Traum für den Irren. Manchmal widern mich die Medien einfach an.
3.
HWGerlacher 23.07.2012
Zitat von unimatrixIch frage mich in letzter Zeit häufiger, wer bei euch die Photos aussucht? Dieses hier auch wieder. Soll das jetzt lustig sein wie der mutmaßliche Mörder guckt, so treu-doof-erschrocken? Oder ist es ein Hinweis auf den Grad der geistigen Umnachtung?
Da sieht er halt so schön wahnsinnig aus. So funktioniert Presse.
4. An wen errinnern wir uns nochmal nicht?
reconmod 23.07.2012
"Man werde sich später nur an die Opfer, nicht aber an den Täter erinnern"... Ach so, genau, James Holmes. Danke SPON.
5.
forkeltiface 23.07.2012
Er sieht aus, wie einer aus der Occupy Bewegung. "...ihr Büro denke darüber nach, die Todesstrafe für James Holmes zu fordern. Eine Entscheidung darüber werde in Absprache mit den Angehörigen der Opfer getroffen." Ich finde, dass die Hinterbliebenen gefragt werden und der Staatsanwalt dann die Entscheidung darüber fällt, ist ein gutes Zeichen, dass der Staat tatsächlich für die Opfer da ist - und wirklich die Belange dieser verfolgt.
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