Mohammed Merahs Ende Tod mit der Waffe in der Hand

Der Serienmörder Mohammed Merah ist tot. Er lieferte sich in Toulouse ein heftiges Feuergefecht mit den Einsatzkräften und starb schließlich durch die Kugel eines Scharfschützen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Merah seine Morde gefilmt hatte und sprach von erschreckenden Aufnahmen.

AFP/ France 2

Toulouse - Das Leben des Mohammed Merah endete unterhalb seines Balkons. Dort fanden Polizisten den mutmaßlichen Serienmörder von Toulouse und Montauban, in seiner Hand befand sich eine Pistole. Er hatte sich aus dem ersten Stock gestürzt, nachdem französische Elitepolizisten am Donnerstagvormittag seine Wohnung gestürmt hatten. Nach Polizeiangaben wurde er beim Sprung von Scharfschützen erschossen und war tot, als er auf dem Boden aufschlug.

Die Polizisten drangen laut dem französischen Innenminister Claude Guéant gegen 10.30 Uhr durch Fenster und Türen ins Haus ein und verschafften sich mit Hilfe von Video-Robotern einen Überblick. Zu der Zeit habe man zudem Blendgranaten und Schallbomben gezündet. Als Merah darauf nicht reagiert habe, hätten Beamte des Sondereinsatzkommandos Raid kurz vor 11 Uhr die Wohnung Zimmer für Zimmer durchsucht.

Plötzlich sei der Verdächtige aus dem Badezimmer gestürmt und habe mit mehreren Waffen das Feuer auf die Beamten eröffnet. "Es waren häufige Schusssalven, ziemlich schwer. Ein Mitglied des Einsatzkommandos sagte mir, dass er noch nie zuvor so intensives Feuer erlebt hat", sagte Guéant. Der mutmaßliche Serienmörder habe sich "mit allem gewehrt, was er hatte".

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Toulouse: Ende eines Nervenkriegs
Die Elitepolizisten erwiderten das Feuer. Nach dem mehrminütigen Schusswechsel, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden, sei Merah vom Balkon gesprungen. "Er wurde tot auf dem Boden gefunden", sagte Guéant. Nach Angaben des TV-Nachrichtensenders BFM wurden am Tatort mehr als 300 Patronen verschossen. Guéant dankte den Beamten für ihren "extrem schwierigen Einsatz".

Laut Guéant hatte Merah beim letzten Kontakt angedeutet, nicht aufgeben und bei einem etwaigen Zugriff auf die Polizisten schießen zu wollen. Die Raid-Polizisten hätten die extreme Gefahr erkannt, die von dem Verdächtigen ausgegangen sei, und am Donnerstagmorgen beschlossen zuzugreifen. Möglicherweise waren die Beamten auch mit der Geduld am Ende. Merah hatte am Mittwoch mehrmals angekündigt, sich ergeben zu wollen - und die jeweiligen Fristen verstreichen lassen.

Der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins verteidigte den tödlichen Einsatz: Es habe sich um einen Akt legitimer Selbstverteidigung gehandelt. Es sei alles getan worden, ihn lebendig zu fassen. Merah selbst hatte aber nach Angaben von Innenminister Guéant erklärt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben.

Molins bestätigte am Donnerstagnachmittag, dass Merah alle seine Bluttaten gefilmt hat. Merahs Kamera sei in einer Tasche gefunden worden. Die Aufnahmen seien erschreckend deutlich. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer habe Merah gesagt: "Du tötest meine Brüder, und ich töte dich." Polizisten habe er erklärt: "Wenn ich sterbe, gehe ich ins Paradies - wenn ihr sterbt, Pech für euch!"

Derzeit werde noch geprüft, ob Merah die Filme im Internet veröffentlicht hat.

In der Wohnung seien weitere automatische Waffen und Munition gefunden worden, so Molins. Zudem seien in einem Wagen zwei Maschinenpistolen der Modelle Uzi und Sten sowie zwei Faustfeuerwaffen gefunden worden. In einem anderen sei eine Waffe sowie Bargeld gefunden worden. Man ermittle weiter, unter anderem um die Frage zu klären, ob Merah Komplizen hatte, ob er möglicherweise im Auftrag eines anderen handelte. Drei Personen seien in Gewahrsam, darunter der Bruder Merahs.

Mehr als 30 Stunden verschanzt

In Gesprächen mit der Polizei hatte Merah erklärt, er stehe dem Terrornetzwerk al-Qaida nahe. Obwohl er sich selbst als Mudschahid bezeichnete, gehörte Merah aber nach ersten Erkenntnissen der Behörden offenbar keiner bekannten Untergrundbewegung an.

Eine Gruppe namens Dschund al-Chilafah ("Die Soldaten des Kalifats") bekannte sich nach Merahs Tod zu den Anschlägen in Frankreich. Die Organisation steht dem Terrornetzwerk a-Qaida nahe. Die Gruppe forderte Frankreich in einer im Internet veröffentlichten Botschaft auf, seine "feindliche" Politik gegenüber Muslimen aufzugeben.

Nach dem Tod Merahs löste sich im Toulouser Viertel Côte Pavée langsam die Anspannung bei Polizisten, Anwohnern und Reportern aus der ganzen Welt. Doch abgeschlossen ist der Fall noch lange nicht.

Das Feuergefecht war das Ende eines mehr als 30-stündigen Nervenspiels, bei dem sich Merah Hunderten Einsatzkräften gegenübersah. Seit kurz nach 3 Uhr am Mittwochmorgen hatte sich Merah verschanzt.

Er soll mehrfach zu militärischem Training im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan gewesen sein. Er wird verdächtigt, für die Tötung von vier Menschen vor einer jüdischen Schule sowie von drei Soldaten verantwortlich zu sein. Dabei floh er stets mit einem Motorroller vom Tatort.

ulz/bim/dpa/dapd/AFP

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Stauss 22.03.2012
1. Der typische französische Fenstersturz aus dem 4. Stock
Ist so üblich, wenn die Polizei den merkt, dass sie den Falschen erwischt hat. Die .45 Pistole wurde gestern übergaben und die "verfolgenden" Staatsorgane wissen längst, dass das nicht die Tatwaffe war. Aber sie hatten einen Täter und die Staatsräson war in Frankreich immer wichtiger als die Wahrheit. Nach der Wahl kommt dann die Wahrheit heraus.
greyhawk 22.03.2012
2. Zwiebelfischwürdig
Zitat von sysopREUTERSDer Nervenkrieg ist vorbei: Elitepolizisten haben in Toulouse Mohammed Merah erschossen. Der mutmaßliche Serienmörder lieferte sich ein heftiges Feuergefecht mit den Einsatzkräften und schoss noch auf sie, als er bereits aus dem Fenster seines Badezimmers gesprungen war. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,823086,00.html
Veröffentlicht Bastian Sick auch Sachen aus Spiegel-Online? Weil, Junge, steckt hier ein Potential drin.
Lt.Gen.Patton 22.03.2012
3. Perfekte Lösung..
des Problems. Keine Folgekosten für den Staat und ein Spinner weniger auf diesem Planeten.
Bolleff 22.03.2012
4. ?
Zitat von sysopREUTERSDer Nervenkrieg ist vorbei: Elitepolizisten haben in Toulouse Mohammed Merah erschossen. Der mutmaßliche Serienmörder lieferte sich ein heftiges Feuergefecht mit den Einsatzkräften und schoss noch auf sie, als er bereits aus dem Fenster seines Badezimmers gesprungen war. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,823086,00.html
Ein Erschossener ist wohl kaum fähig, aus dem Fenster zu springen...
im-wilke 22.03.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSDer Nervenkrieg ist vorbei: Elitepolizisten haben in Toulouse Mohammed Merah erschossen. Der mutmaßliche Serienmörder lieferte sich ein heftiges Feuergefecht mit den Einsatzkräften und schoss noch auf sie, als er bereits aus dem Fenster seines Badezimmers gesprungen war. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,823086,00.html
Wohl ein ganz typischer psychopathischer Serienmörder. Die Gedankenwelt solcher Menschen wird sich wohl zwar niemals ganz erschliessen, aber der Frage, welchen negativen Einfluss die Unterdrückung, Drangsalierung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Demütigung von Minderheiten durch die französische Mehrheitsgesellschaft auf ihn hatte und inwieweit daher eine gesamtgesellschaftliche Mitverantwortung gegeben ist, dieser Frage muss sich Frankreich schon stellen. Mit dem friedfertigen Islam - wie rechtsextreme Kreise schon wieder ganz dreist zu behaupten wagen - kann es jedenfalls nichts zu tun haben, denn der predigt, wie allseits bekannt, seit seiner Anfangszeit bis heute nur Friedfertigkeit, Nächstenliebe und Toleranz, stellt die Achtung vor dem Leben in den Mittelpunkt. Ach ja, fast hätt' ich es ganz vergessen: schönen Gruß noch von Karl-Eduard von Schnitzler.
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