Mutmaßlicher Terrorhelfer: Der Verirrte

Von Maik Baumgärtner und , Düsseldorf

Er ist homosexuell und wird Neonazi, er liefert der Zwickauer Zelle die Waffe für neun Morde und arbeitet später als Sozialarbeiter bei der Aidshilfe. Der Düsseldorfer Carsten S. ist die wahrscheinlich schillerndste Figur im Umfeld der Zwickauer Zelle. Doch wer ist der Mann? Eine Rekonstruktion.

Mutmaßlicher Terrorhelfer S.: "Beliebt, verbindlich und freundlich" Zur Großansicht
dapd

Mutmaßlicher Terrorhelfer S.: "Beliebt, verbindlich und freundlich"

Als Carsten ein Teenager ist, merkt er, dass er sich für Jungs interessiert, nicht für Mädchen. Als Carsten volljährig ist, trägt er Springerstiefel, Seitenscheitel und Lonsdale-T-Shirts. Dann kauft er eine Pistole vom Typ Ceska 83, Kaliber 7,65 Millimeter, samt Schalldämpfer und 50 Schuss Munition. Er gibt sie weiter. Mit dieser Waffe werden die Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) in den folgenden Jahren neun Menschen erschießen.

Die Lebensgeschichte des Carsten S. ist eine eigentlich unglaubliche. Als Homosexueller schließt er sich der Neonazi-Szene an, gerät zum Vertrauten der gefährlichsten Rechtsterroristen des Landes und organisiert denen schließlich ausgerechnet die Pistole, die zum mörderischen Erkennungszeichen ihrer ausländerfeindlichen Verbrechen werden soll. Und während die Horde noch mordet, studiert S. schon Sozialpädagogik, wird Schwulenreferent der Universität, arbeitet bei der Aidshilfe und in einem schwul-lesbischen Jugendclub.

Die Geschichte des Carsten S. erzählt einiges darüber, welchen Reiz Extremisten auf junge Männer ausüben. Wie verführerisch das Versprechen ist, endlich irgendwo dazuzugehören - selbst für die, die nach den Regeln der Szene eigentlich überhaupt nicht dazugehören dürften. Wie quälend zudem die Suche nach dem eigenen Weg sein kann und wie leicht andere einen davon abzubringen vermögen. Zusammenhalt, Freundschaft, Anerkennung - dafür ist mancher Suchende vieles zu tun bereit. Carsten S. ist es auch.

Voll akzeptiert

S. wächst in Jena auf, als die Mauer fällt ist er neun Jahre alt. Er lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester in einer kleinen Wohnung in einer schmalen Straße, und wenn es stimmt, was er den Ermittlungsbehörden erzählt hat, dann wird er Neonazi wegen eines Jungen namens Rico*. Denn der ist "rechts", wie man damals sagt, weshalb Carsten entsprechende Prospekte und Klamotten bestellt. Bald kann er auf Augenhöhe mit seinem Schwarm reden, und auch in der Berufsschule ist Carsten, ausgerechnet der scheue, blasse Carsten, den bisher alle irgendwie merkwürdig und linkisch fanden, plötzlich voll akzeptiert.

Also fährt er in einem Bus voller Extremisten zu einer Demo nach München, er ist jetzt einer von vielen, kein Außenseiter mehr, sondern ein Normalo. Die Gruppe gibt ihm das Gefühl, nicht nur auf dem rechten, sondern auch auf dem richtigen Weg zu sein. Carsten macht weiter. Er geht zu Partys und Veranstaltungen, tauscht Telefonnummern, und als seine Eltern einmal nicht da sind, kommen "die Großen" vorbei, die, zu denen alle aufschauen: Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sitzen bei ihm in der Bude, Carsten S. ist stolz wie Bolle. Wenig später taucht das Trio unter.

"Carsten war bei uns sehr beliebt, weil er verlässlich war, verbindlich und freundlich", sagt ein früherer Weggefährte, der inzwischen ebenfalls aus dem Milieu ausgestiegen ist. Außerdem sei S. ein Kommunikationstalent gewesen, der mit allen immer habe reden können. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Ralf Wohlleben und André K. den damals 18-Jährigen im Herbst 1998 wohl auf einen Hügel im Jenaer Stadtteil Winzerla bestellen und ihm eröffnen, er sei jetzt dafür zuständig, Kontakt zu den drei Kameraden im Untergrund zu halten.

Es ging um Anerkennung

Anerkennung, darum sei es ihm gegangen, erzählt Carsten S. später den Ermittlern. Also will er seine Sache möglichst gut machen. Er bittet eine Freundin, die nichts mit der Neonazi-Szene zu tun hat, ihm ein Prepaid-Handy zu besorgen. Es ist klein, silbern, mit Farbdisplay, Carsten S. versteckt es in seinem Kinderzimmer. Als die Polizei im August 2000 die Wohnung durchsucht, entdeckt sie die Telefonkarte nicht, Carsten hat sie hinter einem kleinen Setzkasten versteckt.

Zu verabredeten Zeiten ruft S. nun regelmäßig das Trio an. Fast immer spricht er mit Böhnhardt oder Mundlos, und meistens wollen die nur durchgeben, dass alles in Ordnung ist. Manchmal geht es um Geld, doch einmal verlangen die Männer, er solle in ihre frühere Wohnung einbrechen, um ihre Ausweise zu holen. Carsten S. tritt die Tür ein, holt die Papiere und vergräbt sie im Wald. Dann wiederum verfügt die Zelle, er möge ein Motorrad stehlen. Auch das macht Carsten S., doch ehe er die rote MZ dem Trio übergeben kann, wird sie ihm wiederum geklaut.

Es sei ein gutes Gefühl gewesen, wird Carsten S. später den Vernehmungsbeamten berichten, von den hochrangigen Köpfen der Szene ins Vertrauen gezogen worden zu sein. Er fühlt sich geschmeichelt, geschätzt, anerkannt und ist zufrieden mit sich.

Und so kommt es, dass Carsten S. wohl Ende 1999, als Böhnhardt und Mundlos nach einer Pistole verlangen, möglichst einer deutschen, nicht "Nein" sagen kann. Ihm ist unwohl bei der Sache, das schon, aber er geht in diesen einschlägig bekannten Laden in Jena und ein paar Wochen später nimmt er dort die Ceska in Empfang. Kein deutsches Fabrikat, dafür eines mit Schalldämpfer und Munition.

Mit dem Zug fährt S. nach Chemnitz, Böhnhardt und Mundlos holen ihn vom Bahnhof ab. In einem Abbruchhaus übergibt er ihnen die Pistole, dann trennen sie sich. Carsten wird die beiden Männer, die etwa neun Monate später mit dieser Waffe in Nürnberg ihr erstes Opfer erschießen werden, nie wieder sehen.

Beihilfe zum Mord

Er habe nicht gewusst, wozu Böhnhardt und Mundlos die Ceska benutzen wollten, sagte Carsten S. in seinen Vernehmungen bei Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt. Vielmehr habe er den beiden vertraut, dass sie damit keinen Unsinn machten. Vermutlich ist das sogar die Wahrheit.

Denn eigentlich hat sich Carsten S. mit seinen wenig taktisch erscheinenden Aussagen schonungslos selbst belastet, womöglich weil er auf diese Weise endgültig mit seiner Vergangenheit abschließen wollte. Er identifizierte sogar die Waffe, die er dem Trio brachte, und weil er ausgerechnet die Ceska wiedererkannte, wird er wohl wegen Beihilfe zum neunfachen Mord angeklagt werden. Seine beiden Verteidiger wollen sich derzeit gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu dem Verfahren äußern.

Als S. im Sommer 2000 neun Tage lang in Vorbeugegewahrsam muss, er hat eine Veranstaltung zum Gedenken an Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß geplant, beginnt er erstmals zu zweifeln. Er grübelt und sinniert und zieht sich allmählich zurück aus der Szene. Es ist ein langsamer Prozess, der Zeit braucht, doch Carsten S. ist nun klar, dass er in Neonazi-Kreisen seine Sexualität auf ewig wird verleugnen müssen. Er aber will kein halber Mensch mehr sein und zieht irgendwann möglichst weit weg, in den Westen, nach Düsseldorf.

Anti-Nazi-Aktivisten offenbart

Dort studiert Carsten S. Sozialpädagogik und engagiert sich im Schwulenreferat der Hochschule. Mit seiner Homosexualität geht er offen um. Gegenüber lokalen Anti-Nazi-Aktivisten offenbart er sich nach einer Veranstaltung über Aussteiger aus der rechtsextremen Szene. Es folgen mehrere Treffen, die Beteiligte gegenüber SPIEGEL ONLINE als "sehr oberflächlich" beschreiben. Immer wieder habe S. bei konkreten Nachfragen "abgeblockt", er sei nie "Antisemit oder Rassist" gewesen, soll er gesagt haben, vielmehr habe er sich "von der männlich dominierten Szene angezogen gefühlt". Von Homoerotik ist auch in seinen Aussagen bei den Ermittlern oft die Rede, Politik habe ihn eigentlich nie sonderlich interessiert, erzählt S.

Eine Frage aber drängt sich auf: Warum hat sich Carsten S. nie bei der Polizei gemeldet? Weshalb sah er die Waffe, die er Jahre später auf Lichtbildern der Ermittler zu erkennen glaubte, nicht im Fernsehen und in den Zeitungen, als die über die mysteriöse Mordserie an Migranten berichteten? Man kann darüber nur spekulieren. Vielleicht wollte S. einfach nicht mehr daran denken, was früher war. Der alte Carsten sei einfach weg gewesen, sagte er den Beamten.

Doch die Vergangenheit holt ihn ein. Drei Monate lang sitzt der Beschuldigte Anfang 2012 in Untersuchungshaft, inzwischen befindet er sich im Zeugenschutzprogramm des Bundeskriminalamts. Er lebt nun an einem unbekannten Ort, in die Öffentlichkeit begleiten ihn Personenschützer.

* Name geändert

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1. Sinn
Izmi 29.10.2012
Zitat von sysopdapdEr ist homosexuell und wird Neonazi, er liefert der Zwickauer Zelle die Waffe für neun Morde und arbeitet später als Sozialarbeiter bei der Aidshilfe. Der Düsseldorfer Carsten S. ist die wahrscheinlich schillerndste Figur im Umfeld der Zwickauer Zelle. Doch wer ist der Mann? Eine Rekonstruktion. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mutmasslicher-unterstuetzer-des-nsu-das-leben-des-carsten-s-a-863444.html
Was wollen die Autoren Baumgärtner und Diehl uns sagen? Dass Nazis nur von Kindheit an verführte und später fehlgeleitete arme Menschen sind, die man eigentlich bedauern müsste? Für jeden Faschisten gibt es wohl ähnliche Schicksale, ob sie nun Goebbels, Heiderich oder Röhm heißen. Irgendwo in ihrem Lebenslauf "trieb" sie etwas dazu, Antidemokraten, Rassisten und Mörder zu werden. Mit dem Hitlerfaschismus hatten die genannten Drei ihre Gelegenheit, diesen "Trieb" hemmungslos auszuleben und an Millionen Menschen zum Täter zu werden. Jener Carsten S. hat im Kleinen nichts anderes getan. Er ist einer von den braunen Mittätern, die schon im Dritten Reich dringend gebraucht wurden. Ich kann deshalb nichts finden, das ich dem Mann zugute rechnen könnte. Er hat nichts getan, um die Mordserie zu unterbrechen. Deshalb kann ich den SPON-Artikel nicht verstehen - es sei denn, es soll der Öffentlichkeit ganz langsam der "nette Nazi von nebenan" untergejubelt werden. Aus Gründen, die vielleicht im ungeklärten Zusammenhang mit dem Staats"schutz" stehen. Das würde dann allerdings Sinn machen...
2.
cs01 29.10.2012
Zitat von IzmiWas wollen die Autoren Baumgärtner und Diehl uns sagen? Dass Nazis nur von Kindheit an verführte und später fehlgeleitete arme Menschen sind, die man eigentlich bedauern müsste? Für jeden Faschisten gibt es wohl ähnliche Schicksale, ob sie nun Goebbels, Heiderich oder Röhm heißen. Irgendwo in ihrem Lebenslauf "trieb" sie etwas dazu, Antidemokraten, Rassisten und Mörder zu werden. Mit dem Hitlerfaschismus hatten die genannten Drei ihre Gelegenheit, diesen "Trieb" hemmungslos auszuleben und an Millionen Menschen zum Täter zu werden. Jener Carsten S. hat im Kleinen nichts anderes getan. Er ist einer von den braunen Mittätern, die schon im Dritten Reich dringend gebraucht wurden. Ich kann deshalb nichts finden, das ich dem Mann zugute rechnen könnte. Er hat nichts getan, um die Mordserie zu unterbrechen. Deshalb kann ich den SPON-Artikel nicht verstehen - es sei denn, es soll der Öffentlichkeit ganz langsam der "nette Nazi von nebenan" untergejubelt werden. Aus Gründen, die vielleicht im ungeklärten Zusammenhang mit dem Staats"schutz" stehen. Das würde dann allerdings Sinn machen...
Nichts. Ein Tatsachenbereicht muss keine politische oder sonstige Botschaft enthalten. Es wird hier exemplarisch über einen Fall berichtet, nicht mehr und nicht weniger. Journalismus muss, im Gegensatz zur Kampfpresse, nicht immer einen klaren Kampfauftrag enthalten, der unters Volk gebracht wird.
3.
mulcahy@gmx.at 29.10.2012
Zitat von IzmiWas wollen die Autoren Baumgärtner und Diehl uns sagen? Dass Nazis nur von Kindheit an verführte und später fehlgeleitete arme Menschen sind, die man eigentlich bedauern müsste? Für jeden Faschisten gibt es wohl ähnliche Schicksale, ob sie nun Goebbels, Heiderich oder Röhm heißen. Irgendwo in ihrem Lebenslauf "trieb" sie etwas dazu, Antidemokraten, Rassisten und Mörder zu werden. Mit dem Hitlerfaschismus hatten die genannten Drei ihre Gelegenheit, diesen "Trieb" hemmungslos auszuleben und an Millionen Menschen zum Täter zu werden. Jener Carsten S. hat im Kleinen nichts anderes getan. Er ist einer von den braunen Mittätern, die schon im Dritten Reich dringend gebraucht wurden. Ich kann deshalb nichts finden, das ich dem Mann zugute rechnen könnte. Er hat nichts getan, um die Mordserie zu unterbrechen. Deshalb kann ich den SPON-Artikel nicht verstehen - es sei denn, es soll der Öffentlichkeit ganz langsam der "nette Nazi von nebenan" untergejubelt werden. Aus Gründen, die vielleicht im ungeklärten Zusammenhang mit dem Staats"schutz" stehen. Das würde dann allerdings Sinn machen...
ich nehme an, sie haben sich verschrieben. heydrich schreibt sich so.
4. 446456
kein Ideologe 29.10.2012
Zitat von IzmiWas wollen die Autoren Baumgärtner und Diehl uns sagen? Dass Nazis nur von Kindheit an verführte und später fehlgeleitete arme Menschen sind, die man eigentlich bedauern müsste? Für jeden Faschisten gibt es wohl ähnliche Schicksale, ob sie nun Goebbels, Heiderich oder Röhm heißen. Irgendwo in ihrem Lebenslauf "trieb" sie etwas dazu, Antidemokraten, Rassisten und Mörder zu werden. Mit dem Hitlerfaschismus hatten die genannten Drei ihre Gelegenheit, diesen "Trieb" hemmungslos auszuleben und an Millionen Menschen zum Täter zu werden. Jener Carsten S. hat im Kleinen nichts anderes getan. Er ist einer von den braunen Mittätern, die schon im Dritten Reich dringend gebraucht wurden. Ich kann deshalb nichts finden, das ich dem Mann zugute rechnen könnte. Er hat nichts getan, um die Mordserie zu unterbrechen. Deshalb kann ich den SPON-Artikel nicht verstehen - es sei denn, es soll der Öffentlichkeit ganz langsam der "nette Nazi von nebenan" untergejubelt werden. Aus Gründen, die vielleicht im ungeklärten Zusammenhang mit dem Staats"schutz" stehen. Das würde dann allerdings Sinn machen...
exemplarisch falsch verstanden. Es geht nicht darum "was Sie dem Mann zu Gute rechnen", Sie sind gar nicht der Richter. Es geht um das Verstehen, wie banal nahe beieinander Abgleiten in die Radikalität und normale Lebensentwürfe beieinander liegen. Ich fand den Beitrag äußerst gelungen, nur das Verstehen solcher schiefgegangenen Sozialisationen hilft den effektiv entgegen zu wirken. Sie schreiben richtigerweise, daß Sie den Artikel nicht verstehen können. Aber prompt kommt die VT, daß der Spiegel stellvertretend für das System Ihnen "den netten Nazi von nebenan" unterjubeln will. Das, als erster Beitrag nach einem Artikel über die radikal gestörte Realitätswahrnehmung eines jungen Mannes, ist schon unfreiwillig tragisch. Ihre Radikalität mag Ihnen eine ganz Andere scheinen als die von Carsten S. Das mag in Teilaspekten so sein, aber Chauvinismus bleibt Chauvinismus, mögen sich auch die Definitionen der eigenen Gruppe unterscheiden.
5.
hatfield 29.10.2012
Zitat von sysopdapdEr ist homosexuell und wird Neonazi, er liefert der Zwickauer Zelle die Waffe für neun Morde und arbeitet später als Sozialarbeiter bei der Aidshilfe. Der Düsseldorfer Carsten S. ist die wahrscheinlich schillerndste Figur im Umfeld der Zwickauer Zelle. Doch wer ist der Mann? Eine Rekonstruktion. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mutmasslicher-unterstuetzer-des-nsu-das-leben-des-carsten-s-a-863444.html
Es gibt einen Satz im Bericht, der erschrickt und aufhorchen lässt: Und ich fürchte, das genau das in vielen Gegenden in Deutschland inzwischen noch immer und immer mehr gilt. "Rechts sein" bedeutet "normal" sein. Und es stellt sich die Frage, warum ging es einem Schwulen so? Weil es in seinem Heimatort ein paar braune Idioten gab, vor denen er sich fürchten musste. Oder weil es eine Grundstimmung im Land gibt, in der ein glatt rasierter Schädel (resp. ordentlicher Scheitel) lieber gesehen ist, als Leute, die aus dem "ordentlichen" Durchschnitt fallen?
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