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Massenmorde in Norwegen: Breiviks Mutter soll bei Geldwäsche geholfen haben

Rund 50.000 Euro soll die Mutter des Massenmörders Anders Breivik für ihren Sohn verwaltet haben. Auch soll sie Abrechnungen für ihn gemacht und Behördenbriefe geschrieben haben. Mit gefälschten Urkunden hat der Rechtsextremist offenbar fast eine halbe Million Euro verdient.

Anders Breivik nach Festnahme am 22. Juli 2011: 475.000 Euro auf 14 Konten Zur Großansicht
AFP

Anders Breivik nach Festnahme am 22. Juli 2011: 475.000 Euro auf 14 Konten

Hamburg - Der norwegische Massenmörder Anders Breivik wurde offenbar von seiner Mutter beim Verbergen seines Vermögens unterstützt. Die Frau habe in einem Polizeiverhör eingeräumt, ihrem Sohn geholfen zu haben, 400.000 Kronen (rund 53.000 Euro) "zu waschen", berichtete die norwegische Zeitung "VG" in ihrer Online-Ausgabe. Die Frau habe das Geld für einige Zeit auf dem eigenen Konto behalten. Auch soll sie Abrechnungen für Breivik gemacht und Behördenbriefe geschrieben haben, heißt es auf VG Nett weiter.

Nach Aussagen der Mutter soll Breivik ihr gesagt haben, wie sie sich gegenüber der Bank verhalten solle. Auch solle er sie beruhigt haben, dass ihr Tun nicht verboten sei. In dem Verhör habe die Mutter nun eingeräumt, dass sie ihrem Sohn nicht hätte helfen dürfen - aber sie habe damals gehört, dass andere genau das Gleiche machten.

Das Geld hatte der Rechtsextremist nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler mit dem Verkauf falscher Urkunden im Internet eingenommen. Dadurch habe der 33-Jährige mehr kassiert als bisher bekannt, berichtete das Boulevard-Blatt. Laut "VG"-Informationen zeigten Polizeiuntersuchungen, dass zwischen 2003 und 2006 insgesamt 3,6 Millionen Kronen (rund 475.000 Euro) auf Breiviks Konten im Ausland eingezahlt wurden. Mit dem Geld hat er vermutlich die Kosten für die aufwendigen Vorbereitungen seiner Anschläge gedeckt.

Die Polizei habe bislang 14 Bankkonten in sieben Ländern entdeckt, die mit ihm in Verbindung gebracht werden können, berichtet VG Nett. Eines der Konten soll in Lettland geführt worden sein. Die Kunden, die die falschen Zeugnisse bestellten, hätten das Geld unter anderem über Paypal auf Breiviks Konten überwiesen. Aus Angst, dass ihm die Behörden auf die Schliche kommen, soll er verschiedene Bankkarten benutzt haben und ständig bei verschiedenen Instituten abgehoben haben.

Breivik will Mutter entlasten

Die Polizei geht laut "VG" davon aus, dass Breiviks Mutter ihm geholfen hat, das Geld vor den Steuerbehörden zu verstecken. Breivik versuchte laut "VG", im Polizeiverhör seine Mutter zu entlasten: Sie habe sich zwar um sein Geld gekümmert, aber wenn daran etwas falsch gewesen sei, sei das sein Fehler gewesen.

Breivik tötete am 22. Juli 2011 insgesamt 77 Menschen. Erst zündete er eine Bombe im Osloer Regierungsviertel, wenig später erschoss er 69 Teilnehmer eines Ferienlagers auf der Insel Utøya. Ein erstes Gutachten erklärte den geständigen Massenmörder für geisteskrank. Er wurde allerdings ein zweites Mal untersucht.

Bei geistiger Unzurechnungsfähigkeit würde Breivik im Fall einer Verurteilung in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen und nicht ins Gefängnis gehen. Die Staatsanwaltschaft möchte aber weiterhin die Maximalstrafe von 21 Jahren Haft fordern. Am 16. April soll das Verfahren beginnen. Die Schlussplädoyers werden für den 22. Juni erwartet.

Die norwegische Zeitung "Dagbladet" berichtete am Wochenende unter Berufung auf ein Verhörprotokoll der Polizei, Breivik habe einen Anschlag auf US-Präsident Barack Obama erwogen. Der Rechtsextremist sagte demnach aus, mehrere Szenarien entwickelt zu haben, wie man bei der Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. November 2010 in Oslo eine Autobombe hätte zünden können. Die Bombe hätte während der Zeremonie hochgehen sollen. Dabei sei es dem 33-Jährigen aber in erster Linie um einen symbolischen Akt gegangen, um seine anti-islamischen Parolen zu verbreiten.

anr/siu

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Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 5,166 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschefin:
Erna Solberg

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