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Nach 400 Jahren: Köln verurteilt Hexenprozesse

Fast 40 Menschen wurden vor rund 400 Jahren in Köln als vermeintliche Hexen hingerichtet, ein achtjähriges Mädchen wurde verbannt. Nun hat ein Ausschuss des Stadtrats eine schärfere Distanzierung von den Untaten der Vergangenheit beschlossen.

Köln - Ein Ausschuss des Kölner Stadtrats hat die Hexenprozesse der Stadt verurteilt. Der Ausschuss regte einstimmig eine "offizielle Erklärung" des gesamten Stadtrats an, in der sich dieser vom Unrecht der Hexenverfolgung distanzieren solle. Der evangelische Pfarrer Hartmut Hegeler hatte zuvor die Rehabilitierung aller in Köln als Hexen hingerichteten Menschen beantragt (mehr zum Thema finden Sie hier).

Der Ausschuss vertrat die Ansicht, die Stadt Köln habe schon sehr viel, aber noch nicht alles getan, um die als Hexen verleumdeten Frauen zu rehabilitieren. Der Ausschuss bat auch das Erzbistum Köln, sich von dem begangenen Unrecht zu distanzieren.

"Ich bin glücklich, ich bin richtig froh", sagte Hegeler. Es gehe ihm nicht um eine juristische, sondern um eine sozialethische Rehabilitierung. "Es ist unsere moralische Pflicht, dass wir für das Schicksal von Menschen eintreten, die unschuldig verfolgt wurden." In Deutschland hätten bisher schon 13 Kommunen die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert.

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Opfer der Hexenverfolgung: Im Namen des Praetorius
Zu den Kölner Opfern gehört auch die Postmeisterin Katharina Henot (circa 1570-1627). Ihre Stimme sei 1627 erstickt worden, als man sie vor den Toren Kölns erdrosselt habe, sagte Hegeler vor dem Ausschuss. "Man hat versucht, sie für immer zum Schweigen zu bringen, aber das ist nicht gelungen. Bis heute redet man von ihrem Schicksal in dieser Stadt."

Der Prozess gegen Henot sei selbst nach den damaligen Maßstäben ein Justizmord gewesen, da sie sich auch unter schwerster Folter nicht schuldig bekannt habe, sagte Hanns Joachim Hirtz, ein Nachfahre Henots. Nach den damaligen Gesetzen konnte man nur für eine Tat verurteilt werden, die man selbst zugegeben hatte. Um das zu erreichen, wurde die Folter angewandt.

Insgesamt wurden in Köln 38 Todesurteile wegen Hexerei vollstreckt. Zu den Opfern gehörten nicht nur Frauen, sondern auch drei Männer und ein Junge. Ein achtjähriges Mädchen, das ebenfalls eine Hexe sein sollte, wurde aus der Stadt verbannt. In ganz Deutschland wurden schätzungsweise 25.000 Frauen als Hexen hingerichtet.

hut/dpa

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1.
Cotti 13.02.2012
Zitat von sysopDPAFast 40 Menschen wurden vor rund 400 Jahren in Köln als vermeintliche Hexen hingerichtet, ein achtjähriges Mädchen wurde verbannt. Nun hat ein Ausschuss des Stadtrates eine schärfere Distanzierung von den Untaten der Vergangenheit beschlossen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,815065,00.html
Das lässt sich nur mit dem Karneval erklären. Immerhin hat der gesamte Verlauf der Menschheits- und Menschlichkeitsgeschichte dahin geführt, dass man im Jahre 2012 vereinzelte Untaten der Vergangenheit empört verurteilt. In 400 Jahren verurteilt man dann womöglich die Verbrechen, die im Namen der "Weltdemokratisierung" heute noch als "Kollateralschäden" verharmlost werden.
2. Und der Begriff
wasersacht 13.02.2012
Zitat von sysopDPAFast 40 Menschen wurden vor rund 400 Jahren in Köln als vermeintliche Hexen hingerichtet, ein achtjähriges Mädchen wurde verbannt. Nun hat ein Ausschuss des Stadtrates eine schärfere Distanzierung von den Untaten der Vergangenheit beschlossen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,815065,00.html
Waterboarding war noch garnicht geprägt. Ääh, wie weit wird hier eigentlich der Begriff "Untaten der Vergangenheit" gefasst ?
3. Tja
jüttemann 13.02.2012
Zitat von sysopDPAFast 40 Menschen wurden vor rund 400 Jahren in Köln als vermeintliche Hexen hingerichtet, ein achtjähriges Mädchen wurde verbannt. Nun hat ein Ausschuss des Stadtrates eine schärfere Distanzierung von den Untaten der Vergangenheit beschlossen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,815065,00.html
Typisch für eine immer säkularer werdende Gesellschaft. Das Christentum kennt keine immerwährende Schuld für die Sünden der Väter.
4. Ich glaube,
RDetzer 13.02.2012
Nach 400 Jahren: Köln verurteilt Hexenprozesse - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,815065,00.html)[/QUOTE] daß wir gar nicht in der Lage sind, die damalige Rechtslage ausreichend beurteilen zu können. Wir tun so aufgeklärt und aufgeschlössen, dabei sind wir die größten Selbstbelüger seid Menschengedenken. Hat denn jemand außer in seiner Einbildung tatsächlich heraus gefunden, warum es Hexenprozesse gegeben hat. Interessant ist der Umkehrschluß. Wie würden damalige Leute unser gegenwärtiges Rechtsempfinden beurteilen. Oder als moderner Ansatz. Gehen euch jetzt die Nazis aus, weil ihr noch tiefer in der Vergangenheit nach vermeintlich Schuldigen bohren müßt. Wie beziehen wir eigentlich Stellung zu unserem digitalen Bimbo (*) Recht, wonach jeder Bimbo automatisch die Stelle Eins genießt, egal ob das Recht hat oder nicht. Dann wäre noch zu klären, warum wir mit solchen Artikeln bestraft werden, wo wir augenscheinlich mit freiwilligen Selbstverbrennungen zu tun haben. Es hat schon etwas zu sagen, warum Justitia auf beiden Augen blind ist. Das alte Weib könnte mal seine Binde abnehmen. Wahrscheinlich schielt sie dann noch. * Ableitung: Brutal inkompetente Maulhelden der blöden Ordonnanz.
5.
CancunMM 13.02.2012
Na das ist ja eine wichtige Entscheidung gewesen. Wovon kann man sich denn noch distanzieren ? Vielleicht noch von Karl dem Großen als er die Sachsen unterjocht hat. Oder hat nicht irgendein germanischer Stamm noch eine Untat begangen ? Können die Politiker sich nicht um wirklich wichtiges kümmern ?
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