Nach den Krawallen: Englische Gefängnisse sind bald voll
Kritiker sprechen von "menschlichen Lagerhäusern", die Behörden arbeiten Notfallpläne aus: Englands Gefängnisse sind fast voll. Nach den Krawallen steigt die Zahl der Häftlinge täglich um rund 100 - in knapp zwei Wochen könnte die Kapazität nicht mehr ausreichen.
London - Die Zahl der Häftlinge in englischen Gefängnissen steigt nach den Krawallen immer weiter und treibt die Einrichtungen an die Grenze ihrer Kapazität. Die Gesamtzahl der Insassen in England und Wales sei in der vergangenen Woche täglich um etwa 100 auf fast 86.700 angestiegen, teilte das Justizministerium am Freitag mit. Damit ist die Obergrenze beinahe erreicht. Insgesamt ist in den Haftanstalten Platz für rund 88.000 Menschen.
Jugendliche und Kinder, die in besondere Heime und Einrichtungen kommen, sind in die Zahlen nicht eingerechnet. Unter den Festgenommenen waren bisher aber zahlreiche Randalierer unter 18 und sogar Kinder von gerade mal elf Jahren.
Die Regierung hatte nach den Krawallen und Plünderungen, bei denen fünf Menschen ums Leben kamen, gesagt, es sei ausreichend Platz in den Gefängnissen. Allein in London sind seit Ausbruch der Gewalt vor zwei Wochen 1800 Menschen festgenommen worden. Insgesamt sind es ungefähr 2800.
Die Haftanstalten sähen sich einer "noch nie dagewesenen Situation" gegenüber, hieß es vom Justizministerium. Man sei dabei, Notfallpläne zu entwickeln, um mehr Platz zu schaffen, falls weitere Plätze benötigt würden.
Etwa 1300 Festgenommene sind bislang in Schnellverfahren vor Gericht gestellt worden und warten nun meist auf ihren nächsten Prozesstermin. Die Gefängnisse sind auch deshalb zum Bersten voll, weil rund zwei Drittel der Angeklagten bis zum nächsten Prozesstag in Haft bleiben müssen. Sonst ist es in ähnlichen Fällen oft üblich, dass sie auf Kaution auf freien Fuß dürfen.
Organisation befürchtet Kriminalisierung durch Haftbedingungen
Im vergangenen Jahr war nur jeder Zehnte in ähnlichen Umständen festgehalten worden. "Der schnelle Anstieg der Zahl der Häftlinge führt dazu, dass Bereiche unserer Haftanstalten menschliche Lagerhäuser werden, die zu nicht viel mehr da sind, als die Leute in überfüllten Bedingungen zusammenzupferchen", sagte Geoff Dobson von der Organisation Prison Reform Trust, die sich für bessere Haftbedingungen einsetzt. Viele bislang nicht auffällige Täter könnten dadurch kriminalisiert werden.
Auch Arbeitsminister Iain Duncan Smith von den konservativen Tories warnte vor zu strengen Urteilen. Großbritannien könne auf die Probleme hinter den Krawallen nicht einfach nur mit Festnahmen reagieren, schrieb er am Freitag in der Zeitung "The Guardian". Stattdessen müsse untersucht werden, warum Jugendliche sich in Banden zusammenschließen und was man dagegen tun kann.
Die " New York Times" kritisierte die Politik der harten Hand des britischen Premierministers David Cameron. Zwar fänden solche "drakonischen Maßnahmen" im Nachhall von Unruhen meist Anklang bei der Öffentlichkeit, hieß es in dem bereits am Donnerstag veröffentlichten Leitartikel. Doch die Regierung riskiere mit den massiven Festnahmen und der Androhung, Tätern die Sozialhilfe zu streichen, langfristig großen gesellschaftlichen Schaden.
Bürgerrechtler und liberale Politiker hatten massive Kritik an den Gerichten geübt: Sie hätten unter dem öffentlichen Druck ihre rechtsstaatliche Zurückhaltung aufgegeben und würden unverhältnismäßig harte Strafen aussprechen.
bim/dpa/dapd
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- Freitag, 19.08.2011 – 17:18 Uhr
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Fläche: 242.495 km²
Bevölkerung: 62,262 Mio.
Hauptstadt: London
Staatsoberhaupt:
Königin Elizabeth II.
Regierungschef: David Cameron
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