Nach Foto-Fahndung Richter erlässt Haftbefehl gegen mutmaßlichen Kinderschänder

Christoph G. ist hinter Gittern: Gegen den zuletzt öffentlich Gesuchten aus Rheinland-Pfalz erging nun ein Haftbefehl. Der mutmaßliche Kinderschänder könnte seine Opfer auch in einem Sportclub gefunden haben - Vereinsvertreter sind schockiert.


Gießen - Der Haftbefehl lautet auf "schwere sexuelle Nötigung von Kindern" und "Verbreitung von kinderpornografischen Schriften", wie die Gießener Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Christoph G. hat nach Angaben der Behörden mehrere Jungen im Alter von fünf bis sieben Jahren missbraucht. Videos davon stellte er ins Internet.

Am Mittwochabend berichtete die ZDF- Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" über den Fall. Das BKA veröffentlichte für die Fahndung Fotos, Teile der Videos und Stimmproben des Gesuchten. Der 37-Jährige aus Mayen ging noch am Donnerstag zur Polizei.

Gesuchter Christoph G.: "Er war sehr beliebt"
DPA

Gesuchter Christoph G.: "Er war sehr beliebt"

Nun steht die Heimatstadt des Sexualstraftäters unter Schock: Der mutmaßliche Kinderschänder, der Jungen missbraucht und sich dabei gefilmt haben soll, lebte mitten unter ihnen. "Ich kann es nicht glauben. Es ist grausam", sagt Kellnerin Ute Müller aus einem Bistro in der Innenstadt.

Wenn sie sich vorstelle, dass "so jemand" aus der 20.000-Einwohner-Stadt stamme, bekomme sie "richtig Gänsehaut". Und ein Tabakladen-Inhaber meint: "Es ist traurig, dass Mayen mit dieser Sache jetzt in aller Munde ist."

Wie vor den Kopf gestoßen sind aber auch Menschen, die G. persönlich kannten. So der Vorsitzende des Sportvereins TUS Kaisersesch, Dietmar Larm. In dem Club war der Festgenommene gut vier Jahre lang Übungsleiter. Mit leiser, schwerer Stimme sagt er: "Wir haben nichts gemerkt. Er war bei Müttern und Kindern im Verein sehr beliebt."

Von März 2004 bis September 2008 hatte der Mann, der sich in seinen perversen Videos mit seinem Vornamen anreden ließ, beim TUS Kaisersesch Mädchen und Jungen von 7 bis 14 Jahren im Turnen trainiert. "Er ist gut angekommen", sagt Larm. Als er wegen seiner Arbeit ein paarmal keinen Unterricht geben konnte, seien "die Mütter sogar Sturm" gelaufen. Nie habe sich jemand beschwert. Und nie sei etwas von körperlichen Übergriffen bekanntgeworden, sagt er.

Freundlich, pünktlich, nett

Der mutmaßliche Kinderschänder, der sich nach massiver öffentlicher Fahndung am Donnerstag im bayerischen Sonthofen stellte, hatte nach Kenntnis von Larm immer wieder unterschiedliche Jobs: Mal war er bei der Stadt Cochem beim kommunalen Vollzugsdienst, mal hat er als Kellner gearbeitet. Als freundlich, pünktlich und nett wird er beschrieben.

Beim Sportverein hörte er irgendwann auf, weil er keine Zeit mehr fand, wie Larm sagt. Der geschiedene, kinderlose Mann wohnte in einer idyllischen Wohngegend in einem unauffälligen Einfamilienhaus mit Gartenlaube. "Er lebte sehr zurückgezogen", sagte ein Nachbar.

Doch der nach außen scheinbar harmlose und umgängliche G. hatte eine dunkle Seite. In verschiedenen Zimmern soll er die Jungen missbraucht und die Sex-Videos dann ins Internet gestellt haben. Vor allem 2006 sollen die Filme gedreht worden sein - die Opfer müssten also heute acht bis zehn Jahren alt sein. Sportvereinsvorsitzender Larm befürchtet, dass nun auch Jungen aus seinem Verein Befragungen ausgesetzt sein werden.

2006 hatte es nach Angaben der Trierer Staatsanwaltschaft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen den 37-Jährigen gegeben. Da die Geschädigten aber keine Angaben machen wollten, sei es nicht zur Anklage gekommen, hieß es.

Im Mayener Rathaus hält man sich bedeckt. "Wir sind selber überrascht", sagte eine Mitarbeiterin. Äußern wolle man sich noch nicht zu der Sache, schließlich sei es ja noch ein schwebendes Verfahren. Nüchtern dagegen reagierte die Mayener Polizei auf die Nachricht. "Für mich ist das nichts Schockierendes", sagte ein Sprecher. "Ob die heute in Thailand oder hier sitzen, macht keinen Unterschied."

Für Norbert Steffens, Ladeninhaber in Mayen, ist der Skandal aber auch aus einem anderen Grund noch ganz furchtbar. "Das Schlimmste ist, dass der Täter nach ein paar Jahren wieder aus dem Gefängnis kommt." Die Kinder aber litten ein Leben lang.

jdl/dpa



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