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Nach Irak-Einsatz: Traumatisierter US-Soldat zerstückelte Freundin

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Jeder dritte Irak-Heimkehrer braucht binnen eines Jahres psychologische Hilfe. Auch Zakery Bowen kämpfte mit den grausigen Erinnerungen - und wurde zum Mörder. Er erwürgte seine Freundin Addie Hall, verstümmelte die Leiche, kochte die Körperteile. Dann stürzte er sich in den Tod.

New Orleans - Die Nacht des 23. August 2005, in der Hurrikan Katrina New Orleans fast dem Erdboden gleichmachte, war die, in der Zakery Bowen und Addie Hall zueinander fanden. Die 30-Jährige gab dem ehemaligen US-Soldaten Zuflucht, als er obdachlos umher irrte - und schon sei der Blitz doppelt eingeschlagen, scherzten beide in späteren Erzählungen.

Ex-Soldat Zakery Bowen und Addie Hall: Er zerstückelte sie und nahm sich danach das Leben
AP

Ex-Soldat Zakery Bowen und Addie Hall: Er zerstückelte sie und nahm sich danach das Leben

In den US-Zeitungen wurde das Liebespaar als Lichtblick in der finsteren Katastrophe gefeiert, ihre Romanze wurde den Tausenden Betroffenen als Hoffnungsschimmer präsentiert. Umso schockierender das Ende dieser Liaison: Zakery Bowen nahm sich das Leben - nachdem er zuvor seine Freundin Addie auf brutale Weise ermordet hat, berichtet die "Times".

Aufgrund eines fünf Seiten langen Abschiedsbriefes des Ex-Soldaten, waren die Polizeibeamten aufs Schlimmste vorbereitet - und doch traf sie fast der Schlag: Bowen hatte zugegeben, seine Freundin in der Badewanne erwürgt, sie danach mehrere Male sexuell missbraucht und sie anschließend mit einem Küchenmesser und einer Handsäge verstümmelt zu haben. In dem Apartment des Paares machten sie den grausamen Fund: Auf der Herdplatte entdeckten die Ermittler einen Topf, darin schwamm Addies angekokelter Schädel. In einem anderen Topf hatte er ihre Hände und Füße gekocht. Im Ofen lagen die angeschmorten Beine. Im Kühlschrank entdeckten sie den verstümmelten Torso der jungen Frau. Das Badezimmer fanden sie blitzblank poliert vor. Bowen hatte nach seinem Massaker dort keine Spuren hinterlassen.

Nach der Tat stürzte sich der groß gewachsene Mann aus dem siebten Stock eines Hotels, was zufällig von einem Fernsehteam gefilmt wurde. Bei sich trug der ehemalige Soldat den Brief, in dem er detailliert auflistete, wie er seine Freundin umbrachte. Er gab zu, mit den toten Körperteilen beinahe zwei Wochen lang in dem Apartment gelebt zu haben.

Erst am 1. Oktober hatte das Paar das Apartment in der Rampart Street im legendären French Quarter bezogen, direkt über einem Voodoo-Laden. Beide arbeiteten als Barkeeper in einem Lokal.

Sie hätten einen glücklichen, verliebten Eindruck auf ihn gemacht, sagte ihr Vermieter Leo Watermeier in der "Times". Doch bereits am 5. Oktober kam es zum Streit. Hall wollte Bowen aus der Wohnung werfen, weil er immer wieder mit anderen Frauen geflirtet und sie sogar betrogen haben soll, erzählt Watermeier. "Darüber war sie sehr unglücklich, als ich sie das letzte Mal sprach." Danach hat er die junge Frau nicht mehr lebend gesehen.

Freunden wiederum erzählte Bowen, er fahre in den Urlaub. "So gut gelaunt habe ich ihn noch nie gesehen", so Donovan Kalabaza, mit dem Bowen in einer Bar jobbte. "Er jubelte, übermorgen werde er im Paradies sein." Zwei Tage später stürzte er sich in den Tod.

Sein toter Körper war übersät mit 28 Brandmalen, die er sich mit Zigaretten selbst zugefügt haben soll - 28 Stück für jedes Lebensjahr eines, schrieb er in seinem Abschiedsbrief. Er schrieb über seine Schulzeit, diverse Jobs, das Militär, seine Ehe, seine Verantwortung als Vater, Liebe - und fügte am Ende hinzu: "In allem habe ich versagt."

Bowen, der aus Kalifornien stammte, diente als Soldat im Irak und in Afghanistan. Nach seiner Rückkehr verhielt er sich anderen gegenüber oft überheblich und war völlig verbittert über seine Erfahrungen in den Kriegsgebieten.

US-Soldaten enden oft als psychische Wracks

Mehr als ein Drittel aller aus dem Irak zurückgekehrten US-Soldaten hat binnen eines Jahres nach dem Einsatz psychologische Hilfe erhalten. Dies geht aus einer Untersuchung des Verteidigungsministeriums in Washington hervor. Bei zwölf Prozent der Heimkehrer wurden demnach psychische Probleme diagnostiziert.

Auch immer mehr Bundeswehrsoldaten leiden nach Auslandseinsätzen an psychischen Störungen: Die Zahl der Einsatzkräfte mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) hat sich in den vergangenen drei Jahren fast verdreifacht, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag der Nachrichtenagentur AP mit. Im Jahr 2005 waren demnach mindestens 140 Bundeswehrsoldaten wegen posttraumatischen Störungen in Behandlung. 2003 waren es noch 48 gewesen.

In den USA sehen sich sechs von sieben medizinischen US-Einrichtungen für Kriegsveteranen nicht in der Lage, die wachsende Nachfrage nach Behandlung von PTSD zu decken, heißt es in einem Bericht des Government Accountability Office (einer Art US-Bundesrechnungshof) vom September 2004. Dabei gehen Forscher inzwischen von Hunderttausenden seelisch kranker GIs aus.

Der Grund für die hohe Zahl seelisch Kranker ist für viele Psychiater die besondere Kampfsituation im Irak. Die Truppen erleben das Töten aus nächster Nähe, dazu kommt die permanente Bedrohungssituation. Kämpfe wie in Falludscha, mit einer Vielzahl von Hinterhaltsmöglichkeiten für den Feind und der Schwierigkeit, Freund von Feind zu unterscheiden, überlastet die Psyche vieler Soldaten.

Vier Ehefrauen-Morde innerhalb sechs Wochen

Sie leiden laut einer Studie der US-Armee unter Depressionen, Angst oder PTSD. Oft treten die Symptome erst Monate nach Ende des Einsatzes auf - unter anderem weil die Soldaten sie zunächst nicht bemerken oder erfolgreich verdrängen. Immer wieder kommt es vor, dass US-Soldaten, nachdem sie im Krieg waren, sogar zu Hause morden - in den meisten Fällen trifft es die Ehefrau. So schockierten im Sommer 2002 vier Frauenmorde binnen sechs Wochen: Drei Elite-Soldaten und ein Ausbilder waren gerade erst von ihrem Einsatz in Afghanistan ins heimische Fort Bragg in North Carolina zurückgekehrt.

Hauptfeldwebel Rigberto Nieves erschoss zwei Tage nach seiner Heimkehr aus Afghanistan zuerst seine Frau Teresa und dann sich selbst. Vier Wochen nach seiner Heimkehr aus Afghanistan erwürgte Feldwebel William Wright seine Ehefrau Jennifer und vergrub sie in einem Müllsack. Unteroffizier Cedric Ramon Griffin war noch nie in Afghanistan, aber er war einer der Ausbilder für Auslandseinsätze der Elite-Killer: Am 9. Juli zerfetzte er die getrennt von ihm lebende Marilyn mit 50 Messerstichen. Danach zündete er das Haus an, in dem sie mit den gemeinsamen Kindern wohnte. Und am 19. Juli erschoss Hauptfeldwebel Brandon Floyd seine Frau Andrea mit seiner Dienstwaffe - und kurz darauf sich selbst. Er war gleich zu Beginn des Anti-Terror-Kriegs gegen Osama Bin Laden und die Taliban im Oktober 2001 nach Afghanistan geschickt worden.

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