Getötete Staatsanwälte in Texas: Rassistische Gang unter Mordverdacht

Zwei ermordete Staatsanwälte in zwei Monaten: In einem Bezirk im US-Bundesstaat Texas werden Sicherheitsmaßnahmen für gewählte Beamte erhöht. Das FBI ermittelt - im Verdacht steht die Gefängnisgang "Aryan Brotherhood".

Ermordete Staatsanwälte: Ermittlungen in Kaufman County Fotos
AP

Dallas - Die Behörden sind alarmiert, die Bevölkerung ist verunsichert: Nach dem Mord an einem Staatsanwalt und dessen Ehefrau untersuchen die Behörden die Verbindung zu einem weiteren Mord an einem Ankläger in dem Bezirk Kaufman vor zwei Monaten.

Das Ehepaar wurde am Samstag in seinem Haus in der Kleinstadt Forney im Umland von Dallas erschossen, von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Der Bürgermeister von Forney, Darren Rozell sagte: "Es scheint sich nicht um zufällige Opfer zu handeln. Es war ein gezielter Angriff."

Das FBI, die Texas Rangers und weitere Strafverfolgungsbehörde ermitteln. Bezirksrichter Bruce Wood sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Dies ist nicht lediglich ein Angriff auf zwei gute Menschen, sondern auf das Justizsystem." Die Sicherheitsmaßnahmen für gewählte Beamte wurden ebenso erhöht wie die Vorkehrungen im Bezirksgericht.

Laut der "New York Times" gehen die Ermittler davon aus, dass die Morde an den zwei Staatsanwälten zusammenhängen. Jedoch seien sie von unterschiedlichen Tätern ausgeführt worden, die möglicherweise derselben Gruppierung angehören. Beim Mord am Staatsanwalt Mike McLelland und dessen Frau am Samstag wurden Patronenhülsen gefunden, beim ersten Mord allerdings nicht.

"Aryan Brotherhood" im Visier der Ermittler

Vor dem Bezirksgericht war im Januar der Staatsanwalt Mark Hasse ermordet worden. Dabei feuerten der oder die Täter aus einem Auto auf den Ankläger. Laut Zeugenaussagen hätte der beziehungsweise hätten die Täter Masken und schwarze Kleidung getragen. Bislang gab es keine Festnahmen in dem Fall.

Ins Visier der Ermittlungen geriet eine Gefängnisgang namens "Aryan Brotherhood" ("arische Bruderschaft"), die nur weiße Männer aufnimmt. Ihr Arm in Texas gilt als eine der gewalttätigsten rassistischen Gangs in Amerika.

Im November wurden in Houston 30 ihrer Anführer sowie weitere Mitglieder angeklagt. Ihnen wurde bandenmäßige illegale Geschäfte, Beteiligung an drei Morden und mehreren Mordversuchen sowie Drogenschmuggel vorgeworfen. An der Anklage arbeiteten mehrere Staatsanwälte des Bezirks Kaufman mit, unter anderem Hasse. Er wurde an dem Tag erschossen, an dem sich zwei "Aryan Brotherhood"-Mitglieder schuldig bekannten.

Allerdings haben die Behörden nach eigenen Angaben bislang keine Beweise dafür, dass die Gang in die Morde verwickelt ist.

Verbindungen zu einem dritten Mord werden untersucht

Die Behörden hatten laut einem Bericht der "Dallas Morning News" allerdings im Dezember gewarnt, man besitze Informationen, dass die "Aryan Brotherhood" aktiv Vergeltungsmaßnahmen gegen Angehörige der Strafverfolgungsbehörden plane, die an der Anklage gegen die Führung der Gang mitgewirkt hatten.

Nach dem Mord an Hasse hatte der nun getötete McLelland Rache geschworen. "Ich hoffe, dass die Täter nun zuschauen, denn wir sind sehr zuversichtlich, dass wir euch finden", sagte er damals. "Wir werden euch aus jedem Loch herausziehen." McLelland trug seitdem ständig eine Waffe bei sich.

Nun wird auch die Verbindung zum Mord am Leiter der Gefängnisbehörde von Colorado untersucht. Der wurde am 19. März erschossen. Der mutmaßliche Täter, ein 28-Jähriger, der auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden war, starb bei einem Schusswechsel mit der Polizei in der Nähe von Dallas. Bezirksrichter Wood sagte, bislang habe man keine Verbindung zwischen dem Colorado-Mord und der Tötung von Hasse gefunden. Die Ermittlungen gingen weiter.

fab/Reuters

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1. Was denn nun?
Thomas-Melber-Stuttgart 01.04.2013
Zitat von sysop... - im Verdacht steht die Gefängnisgang "Aryan Brotherhood" .
Es ist wohl eine Gang, von der einige Mitglieder im Gefängnis sitzen. Beweise, daß die AB etwas mit den Morden zu tun hat gibt es keine, aber dafür einen schönen Titel.
2.
statussymbol 01.04.2013
Zitat von Thomas-Melber-StuttgartEs ist wohl eine Gang, von der einige Mitglieder im Gefängnis sitzen. Beweise, daß die AB etwas mit den Morden zu tun hat gibt es keine, aber dafür einen schönen Titel.
Im Titel steht "Mordverdacht". Wo ist jetzt Ihr Problem? Steht ja auch im Artikel - es gibt aktuell noch keine Beweise, aber die Tatsache dass die Morde z.T. am Tag geschehen sind als vor Gericht einige Gangmitglieder sich schuldig bekannt haben und die ermordeten Staatsanwälte zuletzt mit einem großen Prozess gegen die Aryan Brotherhood beteiligt waren lässt ja einen VERDACHT durchaus zu.
3. ??
robin meier 01.04.2013
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4. Wild West
Trop 01.04.2013
Nach dem Mord an Hasse hatte der nun getötete McLelland Rache geschworen. "Ich hoffe, dass die Täter nun zuschauen, denn wir sind sehr zuversichtlich, dass wir euch finden", sagte er damals. "Wir werden euch aus jedem Loch herausziehen."... Irgendwie scheinen in der texanischen Justiz immer noch die Gesetzte von Dodge City zu herrschen...
5. Haben Sie
LJA 01.04.2013
Zitat von TropNach dem Mord an Hasse hatte der nun getötete McLelland Rache geschworen. "Ich hoffe, dass die Täter nun zuschauen, denn wir sind sehr zuversichtlich, dass wir euch finden", sagte er damals. "Wir werden euch aus jedem Loch herausziehen."... Irgendwie scheinen in der texanischen Justiz immer noch die Gesetzte von Dodge City zu herrschen...
diese Typen schon mal gesehen ? Wie soll man mit 2 Meter großen, steroidaufgepumpten, schwer bewaffneten und hoch gewalttätigen Kerlen mit einem deutlich 2-stelligen IQ denn fertig werden ? Durch eine Selbsthilfegruppe zur Aggressionsbewältigung ?
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