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Nach Tod eines Asylbewerbers: Brandanschlag auf Dessauer Polizeirevier

Vor sieben Jahren starb Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle. Nach einer Gedenkfeier lieferten sich Polizei und Demonstranten vor kurzem Auseinandersetzungen - nun folgte ein weiterer Zwischenfall: Auf das Revier wurde ein Brandanschlag verübt.

Dessau - Unbekannte haben in der Nacht zum Mittwoch einen Molotowcocktail auf das Polizeirevier in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt geschleudert. Laut dem Innenministerium kam dabei niemand zu Schaden. Der Brand konnte durch Polizeibeamte selbst gelöscht werden. Es wird wegen Brandstiftung ermittelt.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht verurteilt den Anschlag scharf. "Das sind Angriffe auf unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat", sagte der CDU-Politiker. Die Stadt sei "keine rechtsfreie Zone für irgendwelche politischen Mitteilungen". Es dränge sich der Verdacht auf, dass der Anschlag von der linksautonomen Szene verübt worden sei.

Die Tat steht möglicherweise im Zusammenhang mit dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh, der am 7. Januar 2005 beim Brand in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen war. Er soll dort eigenhändig mit einem Feuerzeug eine Matratze entzündet haben, obwohl er gefesselt war.

Freunde und Aktivisten aus der linken Szene werfen der Polizei vor, beim Brand in Jallohs Zelle nicht schnell genug reagiert zu haben. Seit Januar 2011 wird der Fall vor dem Landgericht Magdeburg erneut verhandelt.

Bei dem Brandanschlag haben die Täter laut Innenministerium an der Außenwand des Polizeireviers den Schriftzug "Oury Jalloh, das war Mord" hinterlassen. Plakate mit dieser Aufschrift waren zuletzt bei einer Gedenkfeier für den aus Sierra Leone stammenden Asylbewerber vor anderthalb Wochen in Dessau gezeigt worden. Anschließend kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten. Die Opposition von Linke und Grünen im Landtag zweifelte danach an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht verurteilt den Anschlag scharf. "Das sind Angriffe auf unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Dessau. Die Stadt sei "keine rechtsfreie Zone für irgendwelche politischen Mitteilungen". Es dränge sich der Verdacht auf, dass der Anschlag von der linksautonomen Szene verübt worden sei.

bim/AFP/dapd/dpa

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