Umstrittenes Interview Ermittlungen gegen Richter von Amanda Knox

Wegen seiner umstrittenen Äußerungen in einem Interview ermittelt die italienische Generalstaatsanwaltschaft gegen Richter Alessandro Nencini. Er hatte das jüngste Urteil gegen Amanda Knox und Raffaele Sollecito gefällt - und es später öffentlich kommentiert.

AP/dpa

Rom - Seine Entscheidung sei "emotional sehr hart" gewesen: Wegen seiner Äußerungen zum Urteil im Mordfall Meredith Kercher wird gegen Richter Alessandro Nencini ermittelt. Er hatte in der vergangenen Woche das jüngste Urteil im Prozess gegen Amanda Knox und Raffaele Sollecito gesprochen. Der Generalstaatsanwalt des höchsten italienischen Gerichts in Rom hat der Nachrichtenagentur Ansa zufolge nun ein Verfahren eröffnet.

Nencini hatte in Italien mit einem Zeitungsinterview kurz nach dem Urteil gegen Knox und ihren Ex-Freund Sollecito Empörung ausgelöst. Darin hatte der Richter noch vor der offiziellen Urteilsbegründung unter anderem über das mögliche Motiv für die Tat gesprochen. Auch kommentierte er Sollecitos Verteidigungsstrategie. Es sei dem Italiener nicht zugutegekommen, dass er sich keinem Kreuzverhör gestellt habe.

Knox und Sollecito waren vergangenen Donnerstag für den Mord an der Britin Meredith Kercher zu 28 Jahren und sechs Monaten beziehungsweise 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Nencini hatte sich später für seine Kommentare entschuldigt. Er habe sie beiläufig auf dem Gerichtsflur geäußert und so Missverständnisse ausräumen wollen. Dennoch kritisierten ihn die Anwälte von Knox und Sollecito scharf. Auch Italiens Justizministerin Anna Maria Cancellieri hatte angekündigt, eine Untersuchung einleiten zu wollen.

gam/dpa

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petrasha 05.02.2014
1. viele fragezeichen...
die wahrheit werden wir wohl niemals erfahren. nur so unschuldig, wie die beiden immer tun, empfinde ich sie nicht. aber ich bin kein anwalt. man muss sich einfach mit den gegebenheiten "anfreunden"
cs01 05.02.2014
2.
Ein Richter, der offen zugibt, dass er gegen elementare Verfahrensgrundsätze verstößt, ist m.E. nicht tragbar. Auch in Italien darf einem Angeklagten Schweigen nicht negativ ausgelegt werden. Zwar kann ein Geständnis dazu führen, dass man milder bestraft wird, aber in der Frage schuldig/unschuldig die Tatsache einfließen zu lassen, dass der Angeklagte schweigt, ist geradezu abenteuerlich. Ein solcher Richter hat ja nicht einmal die einfachtsen Grundlagennes Rechtsstaates kapiert.
MtSchiara 05.02.2014
3. Aussageverweigerung
Zitat von cs01Ein Richter, der offen zugibt, dass er gegen elementare Verfahrensgrundsätze verstößt, ist m.E. nicht tragbar. Auch in Italien darf einem Angeklagten Schweigen nicht negativ ausgelegt werden. Zwar kann ein Geständnis dazu führen, dass man milder bestraft wird, aber in der Frage schuldig/unschuldig die Tatsache einfließen zu lassen, dass der Angeklagte schweigt, ist geradezu abenteuerlich. Ein solcher Richter hat ja nicht einmal die einfachtsen Grundlagennes Rechtsstaates kapiert.
Ein Geständnis sollte man aber nur dann ablegen, wenn man eine Straftat auch tatsächlich begangen hat. Auch in Deutschland drohen ja manche Richter den Angeklagten mit einer strengeren Strafe, wenn sie nicht gestehen - und es soll tatsächlich auch Angeklagte geben, die ein Verbrechen gestehen, das sie nicht begangen haben, um die drohende Strafe abzumildern. Und Sollecito hat ja seine Aussage nicht verweigert. Er hat ja in den zahlreichen Verhören, in den ersten Prozessen und seinem Buch seinen Standpunkt ausführlich dargelegt. Er war nur der Meinung, daß seine bisherigen Aussagen seinen Standpunkt erschöpfend behandeln und dem nichts weiter hinzuzufügen ist. Die wichtigste Frage, der das Gericht nachzugehen hatte, war, ob die Spuren am Tatort die Hypothese eines alleinigen Mörders Guede widersprechen oder nicht. Dazu braucht es keine Aussage von Sollecito, sondern Gutachten kriminalistischer Experten.
drago69 07.02.2014
4. Eine Farce
Der ganze Prozess und das Vorgehen der Richter und der Ermittlungsbehörden ist in großen Teilen eine Farce. Sind die beiden unschuldig? Das kann wohl keiner abschließend beantworten, aber nachdem ich mich durch etliche Seiten zu dem Thema angefangen bei Wikipedia bis hin zu kriminalwissenschaftlichen Abhandlungen durchgekämpft habe, halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden unschuldig sind für wesentlich größer als das Gegenteil. Und auch auf die Gefahr hin, dass man die falschen laufen läßt, es gilt immer noch der Rechtssatz "im Zweifel für den Angeklagten" und das es Gründe für berechtigte Zweifel gibt ist ja unstrittig sonst wäre es auch nicht zu den völlig widersprüchlichen Urteilen bisher gekommen. Am schlimmsten finde ich, wenn man Beweise für ihre Schuld in ihrem Verhalten sucht und nicht in den Beweisen am Tatort.
stier11194 08.02.2014
5. Der Richter sagt nicht die Wahrheit
Zitat von MtSchiaraEin Geständnis sollte man aber nur dann ablegen, wenn man eine Straftat auch tatsächlich begangen hat. Auch in Deutschland drohen ja manche Richter den Angeklagten mit einer strengeren Strafe, wenn sie nicht gestehen - und es soll tatsächlich auch Angeklagte geben, die ein Verbrechen gestehen, das sie nicht begangen haben, um die drohende Strafe abzumildern. Und Sollecito hat ja seine Aussage nicht verweigert. Er hat ja in den zahlreichen Verhören, in den ersten Prozessen und seinem Buch seinen Standpunkt ausführlich dargelegt. Er war nur der Meinung, daß seine bisherigen Aussagen seinen Standpunkt erschöpfend behandeln und dem nichts weiter hinzuzufügen ist. Die wichtigste Frage, der das Gericht nachzugehen hatte, war, ob die Spuren am Tatort die Hypothese eines alleinigen Mörders Guede widersprechen oder nicht. Dazu braucht es keine Aussage von Sollecito, sondern Gutachten kriminalistischer Experten.
Richtig. Und dazu kommt noch, dass Nencini selber den StA in dessen Plädoyer aufmerksam gemacht hat, dass er bzgl. eines Kreuzverhörs niemals einen Antrag gestellt hat, was überhaupt erst Voraussetzung für so ein Kreuzverhör gewesen wäre. Dass sich Herr Sollecito sich keinem Kreuzverhör gestellt hat, ist Fehler der StA! Für mich ist dieses Verfahren eine Farce, da schreckt der Staat vor nichts mehr zurück, um die Angeklagten fertig zu machen. Italien eben.
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