Albuquerque - Es klingt wie von Kafka persönlich ausgedacht: Im August 2005 verhaftet die Polizei in Dona Ana County im US-Bundesstaat New Mexico einen Autofahrer. Stephen Slevin ist betrunken und mit einem Wagen unterwegs, der ihm nicht gehört. Slevin beteuert, dass ein Freund ihm das Auto geliehen hat. Die Polizisten sperren ihn dennoch in eine Zelle. So berichtet es heute sein Anwalt.
Doch statt ihn vor Gericht zu stellen, bleibt Slevin in der Zelle. Fast zwei Jahre lang. Als die Polizisten befürchten, er könne sich umbringen, sperren sie ihn in Einzelhaft und lassen ihn dort monatelang. Erst im Juni 2007 kommt er wieder frei.
Wärter verweigerten den Gang zum Zahnarzt
Jetzt hat ein Berufungsgericht dem heute 59-Jährigen einen Schadenersatz von 15,5 Millionen Dollar (12 Millionen Euro) zugesprochen. Die Vorinstanz hatte sogar 22 Millionen Dollar Entschädigung von dem County (Landkreis) gefordert, in dem der Mann ohne Prozess eingesperrt war. Doch auch die jetzt erzielte Summe ist eine der höchsten , die einem Opfer von Bürgerrechtsverstößen in den USA je zugesprochen wurde.
Damit bestraften die Richter auch die grausame Vernachlässigung des Gefangenen durch seine Wärter. Als er Zahnschmerzen hatte, musste er sich selbst einen Zahn ziehen, weil die Wärter ihm den Gang zum Zahnarzt verweigern. Als er 2007 aus seiner Zelle entlassen wurde, waren ihm Haare, Finger- und Zehennägel monatelang gewachsen.
"Auch wenn der Schadenersatz sehr hoch ist, gibt sie Herrn Slevin nicht zurück, was ihm genommen wurde", sagte sein Anwalt nach der Urteilsverkündung. Ein Sprecher des County beteuerte, dass ein solcher Fall heute nicht mehr passieren könne: In den vergangenen sieben Jahren habe man die Ausbildung des Gefängnispersonals verbessert. "Dona Ana County bemüht sich, jeden Häftling angemessen zu behandeln."
ade/AP
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