"Um Himmels Willen"-Star Mönning Rock-Lupfer soll neu verhandelt werden

Wegen "Belästigung der Allgemeinheit" wurde Schauspielerin Antje Mönning zur Zahlung eines Bußgelds verurteilt. Jetzt soll sich eine höhere Instanz erneut mit dem Fall befassen.

Schauspielerin Antje Mönning
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Schauspielerin Antje Mönning


Anfang Dezember verurteilte das Amtsgericht Kaufbeuren die Schauspielerin Antje Mönning wegen einer Ordnungswidrigkeit zu einer Geldbuße von 300 Euro. Sie hatte auf einem Parkplatz im Allgäu eine Art Tänzchen aufgeführt und vor drei Männern ihren Rock angehoben, unter dem sie keine Unterwäsche trug.

Zwei der Beobachter waren Zivilpolizisten, die Mönning anzeigten. Bei dem dritten Augenzeugen handelte es sich um einen Lkw-Fahrer, der von den Zivilpolizisten kontrolliert worden war. Er hatte die Beamten auf das Geschehen aufmerksam gemacht, die daraufhin Mönnings Tanz gefilmt hatten.

Jetzt gab Mönnings Verteidiger Alexander Stevens bekannt, dass er eine sogenannte Sprungrevision zum Oberlandesgericht München eingelegt habe. Im Prozess hatte er angeführt, dass im Fall Mönning die Tatbestandsmerkmale des Paragrafen 183a des Strafgesetzbuchs, also Erregung öffentlichen Ärgernisses, nicht zutreffen würden. "Selbst Nacktflitzer werden damit nicht belangt", sagte er vor Gericht.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt - auch weil die Schauspielerin einst eine Nonne in der ARD-Serie "Um Himmels Willen" dargestellt hatte. Sie hatte ihre Performance auf dem Parkplatz nicht bestritten, diese aber als eine Kunstaktion bezeichnet.

Gegen Mönning hatte es zunächst einen Strafbefehl wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses gegeben. Diesen Vorwurf hielt der Amtsrichter für unzutreffend, die dafür nötige sexuelle Handlung von einiger Erheblichkeit liege nicht vor. Er verurteilte Mönning aber wegen "Belästigung der Allgemeinheit". Anwalt Stevens hatte bereits bei der Verhandlung angekündigt, bis zum Bundesverfassungsgericht gehen zu wollen.

ala/dpa



insgesamt 53 Beiträge
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Bundesbanker 12.12.2018
1. Wenn die nackte Scham
einer relativ unbekannten Schauspielerin unser größtes Problem in Deutschland des Jahres 2018 ist, sollten wir unserem Schöpfer danken.
Gerdd 12.12.2018
2. Ich wüßte gern mehr ...
... über die Anzeige-Erstatter. Man muß in seiner Persönlichkeit sehr verletzbar sein, um so eine Anzeige zu erstatten. Und solche zarte Seelen sollten vielleicht - wenn schon bei der Polizei - lieber in bürokratischen Innendienst eingesetzt werden, wo sie vor dem Leben "da draußen" und, soweit möglich, vor Mitmenschen geschützt sind. Schließlich hat der Dienstherr ja eine Fürsorgepflicht.
Der_schmale_Grat 12.12.2018
3. Ganz wichtiges Thema!
Nicht nur für Spiegel-Online, sondern auch für Bayern und Deutschland. Hier geht es wegweisende Grundsatzentscheidungen für die Menschenrechte - überall! Ich werde erstmal eine Online-Petition und Crowdfunding oganisieren. PS: Ich glaube ja, dass die Polizisten nur enttäuscht waren, dass es nicht weiter ging...
c124048 12.12.2018
4.
Mal den rechtlich relevanten Part aussenvor, den kann ich nicht beurteilen: Öffentliches Ärgerniss? Nie im Leben! Fremdschämen auf hohem Niveau: Ohja! Wenn das schon ein öffentliches Ärgerniss darstellt, sollten die Gerichte aber doch wesentlich mehr zu Tun haben, als sie aktuell eh schon haben. Da gibt viiiiiel Schlimmers, das nicht geahndet wird.
vox veritas 12.12.2018
5.
Zitat von Gerdd... über die Anzeige-Erstatter. Man muß in seiner Persönlichkeit sehr verletzbar sein, um so eine Anzeige zu erstatten. Und solche zarte Seelen sollten vielleicht - wenn schon bei der Polizei - lieber in bürokratischen Innendienst eingesetzt werden, wo sie vor dem Leben "da draußen" und, soweit möglich, vor Mitmenschen geschützt sind. Schließlich hat der Dienstherr ja eine Fürsorgepflicht.
Die Polizei hat eine Pflicht zur Strafverfolgung, wenn gegen Gesetze verstoßen wird. Das hat nichts mit zarten Seelen zu tun.
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