NSU-Aufarbeitung in NRW Ausschussvorsitzende Nadja Lüders tritt zurück

Nadja Lüders vertrat als Anwältin einst den Dortmunder Neonazi Michael Berger - und sollte auch mögliche Verbindungen des späteren Polizistenmörders zum NSU prüfen. Das stieß auf Kritik, nun hat sie die Konsequenzen gezogen.


Düsseldorf/Dortmund - Nach anhaltender Kritik ist die Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Düsseldorfer Landtag, Nadja Lüders, zurückgetreten. Die SPD-Politikerin hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, Anwältin des dreifachen Polizistenmörders Michael Berger gewesen zu sein. Der Mann war in der Neonazi-Szene eine feste Größe, deshalb sollte der NRW-Ausschuss auch eine mögliche Verbindung Bergers zur NSU-Mordserie prüfen.

Lüders hatte am 19. März mitgeteilt, Berger im Jahr 1999 "in einem arbeitsgerichtlichen Verfahren anwaltlich vertreten" zu haben. Es soll um eine Kündigungsschutzklage ohne politischen beziehungsweise rechtsextremistischen Hintergrund gegangen sein. Dennoch warfen Kritiker ihr Befangenheit in dem aktuellen Verfahren vor.

Ihren Rücktritt gab Nadja Lüders nun in einer Mitteilung bekannt. "Die Arbeit des Ausschusses darf nicht durch eine Diskussion um die Person der Vorsitzenden beeinträchtigt werden", schrieb Lüders darin. Zudem habe sie sich zu diesem Schritt entschlossen, da "mich die Verdächtigungen, Beschimpfungen und Unterstellungen, gerade im Internet, seit meiner Erklärung der vergangenen Woche zutiefst verletzt und getroffen haben."

Am 14. Juni 2000 tötete der 31-jährige Berger in Dortmund den Polizisten Thomas G. Der Beamte und seine Kollegin, der ins Bein geschossen wurde, hatten den Wagen angehalten, weil Berger nicht angeschnallt war. Der Schütze flüchtete zunächst. Bei Waltrop ermordete er kurz darauf die Beamten Ivonne H. und Matthias L., die ihn zu stoppen versucht hatten. Später nahm Berger sich selbst das Leben.

Im November 2011 begann das Landeskriminalamt, mögliche Verbindungen Bergers zur sogenannten Zwickauer Terrorzelle erneut zu prüfen. Denn Berger war einst Mitglied bei den rechtsextremistischen Republikanern und der Deutschen Volksunion gewesen. Er sympathisierte zudem mit der NPD. Es wurde kolportiert, Berger sei ein Polizeispitzel gewesen - weil der Staatsschutz von seiner Waffensammlung gewusst habe, ohne einzuschreiten. Das NRW-Innenministerium teilte jedoch mit, Berger sei kein V-Mann gewesen.

kis/ulz



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