Mutter des Amokschützen: Waffen waren ihre Leidenschaft

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Sie war eine fürsorgliche Mutter, Hausfrau - und Waffennärrin. Nancy Lanza, die Mutter des Amokläufers von Newtown, soll regelmäßig mit ihren Söhnen auf den Schießstand gegangen sein. Ein Zeuge sagt: "Das war ihre Leidenschaft."

Undatiertes Foto von Nancy Lanza: "Ungewöhnliche Würde" Zur Großansicht
REUTERS/ ABC News

Undatiertes Foto von Nancy Lanza: "Ungewöhnliche Würde"

Newtown/Berlin - Nachbarn beschreiben Nancy Lanza als eine ganz normale Hausfrau. Eine ganz normale Hausfrau mit einem Faible für Schusswaffen, die auch ihre Kinder mit zum Schießstand genommen hat. Nach dem Amoklauf von Newtown rätseln die USA über die Frau, die den Attentäter großzog und die am Freitag sein erstes Opfer wurde.

Nancy Lanza verbrachte den Großteil ihres Lebens in der Kleinstadt Kingston in New Hampshire. Dort kamen auch ihre beiden Söhne Ryan und Adam zur Welt. 1998 zog sie mit ihrem damaligen Ehemann Peter Lanza ins knapp 300 Kilometer entfernte Newport im US-Bundesstaat Connecticut.

Nach Angaben ihres Bruders, der noch immer in New Hampshire lebt, soll Nancy Lanza zeitweise als Börsenmaklerin gearbeitet haben. In den vergangenen Jahren hatte sie jedoch keinen regulären Job. Gelegentlich soll die 52-Jährige in einem Restaurant als Aushilfe gearbeitet haben. Nach Angaben der Sandy-Hook-Grundschule, an der das Massaker passierte, gibt es bislang keinen Hinweis darauf, dass die Mutter des Todesschützen dort jemals tätig war.

Ihre Hauptaufmerksamkeit galt offenbar stets ihrem verhaltensauffälligen Sohn Adam, den sie laut einem Bericht der "New York Times" zeitweise selbst zu Hause unterrichtet haben soll. Ihr älterer Sohn Ryan, heute 24, zog dagegen schon vor Jahren aus. Nach eigenen Angaben hatte er seit 2010 keinen Kontakt mehr zu seinem Bruder.

Waffen waren ihr größtes Hobby

Obwohl Nancy Lanza nicht berufstätig war, ging es Mutter und Sohn finanziell gut. Nachdem sich Nancy und Peter Lanza 2008 nach 27 Jahren Ehe scheiden ließen, verpflichtete sich der Vater nach Angaben der "New York Daily News" zu Unterhaltszahlungen in Höhe von 240.000 Dollar pro Jahr. Bis 2015 hätte sich die jährliche Summer sogar schrittweise auf 298.000 Dollar erhöht. Der Vater des Amokschützen ist im Finanzbereich des Energieriesen General Electric tätig.

Einwohner von Newtown, die von US-Medien zitiert werden, zeichnen ein zwiespältiges Bild von Nancy Lanza. Einige bezeichnen sie als wichtige Stütze der Gemeinde, die in dem Ort sehr angesehen gewesen sei. Sie sei sehr großzügig und hilfsbereit gewesen, habe es jedoch stets vermieden, andere Leute in ihr großes Haus im Kolonialstil einzuladen - vermutlich aus Rücksicht auf ihren Sohn, der wohl am Asperger-Syndrom litt. Ein Bekannter sagt: "Sie ging mit einer schwierigen Situation mit ungewöhnlicher Würde um." Zeugen, die Nancy Lanza noch aus ihrer Zeit in Kingston kannten, sagten, sie habe "ein Herz aus Gold" gehabt.

Großen Eifer soll sie in die Gestaltung des heimischen Gartens investiert haben, berichten Nachbarn. Doch ihr größtes Hobby waren offenbar Waffen. Mindestens fünf Gewehre sollen sich nach Erkenntnissen der Polizei in ihrem Besitz gefunden haben: zwei traditionelle Jagdwaffen, zwei Pistolen sowie ein halbautomatisches Gewehr, das in ähnlicher Form auch von der US-Armee in Afghanistan genutzt wird. Die Waffen hatte sie legal erworben und registriert. Dieses Gewehr sowie die beiden Pistolen trug Adam Lanza bei seinem Amoklauf bei sich.

Nach Angaben von Freunden der Familie soll die Mutter ihre Söhne regelmäßig zum Übungsschießen mitgenommen haben. "Das war ihre Leidenschaft", wird einer von "New York Daily News" zitiert. "Die ganze Familie machte das gemeinsam."

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insgesamt 615 Beiträge
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1. Hätte sie eine andere Leidenschaft gehabt,
charlybird 16.12.2012
würden 28 Menschen sehr wahrscheinlich noch leben.
2. Waffennärrin
pförtner 16.12.2012
"Die Waffen nieder " ! Bertha von Suttner 1843 - 1914 Wer essen will ,braucht ein Essbesteck. Wer Waffen braucht, will Töten.
3.
AlbertGeorg 16.12.2012
Zitat von sysopREUTERS/ ABC NewsSie war eine fürsorgliche Mutter, Hausfrau - und Waffennärrin. Nancy Lanza, die Mutter des Amokläufers von Newtown, soll regelmäßig mit ihren Söhnen auf den Schießstand gegangen sein. Ein Zeuge sagt: "Das war ihre Leidenschaft." Nancy Lanza ist die Mutter des Amokläufers von Newtown und Waffenfan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nancy-lanza-ist-die-mutter-des-amoklaeufers-von-newtown-und-waffenfan-a-873201.html)
Natürlich ist der Vorfall in Newtown eine menschliche Katastrophe. Die mediale Berufstränenarie aber ist äußerst verlogen und geschmacklos! Niemand wird mich glauben machen, dass in allen TV-, Radio- und Zeitungsproduktionen alle Beteiligten spontan in Tränenorgien ausgebrochen sind und für Stunden arbeitsunfähig waren. Im Gegenteil: Man wird sofort in heftige Diskussion darüber ausgebrochen sein, wie man den Vorfall redaktionell ausnutzen kann. Vielleicht darf ich daran erinnern, dass in den vergangen Tagen auf der Welt zahllose Kinder, Frauen und Männer unschuldig zu tote gekommen sind. Der Hype wegen Newton schändet deren Gedenken. Geht endlich wieder an Eure Arbeit!
4. Sichere Schulen
alex_kidd 16.12.2012
Laut jährlichen Umfragen von CNN, befürworten zwischen 52 und 55 % der Amerikaner den Beisitz und das öffentliche Tragen von Waffen und sprechen sich gleichzeitig gegen schärfere Waffengesetze aus(CNN, 2011). Wie geht man nun weiter vor: Ich würde vorschlagen, dass Lehrer an öffentlichen und privanten Schulen mit schusssicheren Westen und Kleinkaliberwaffen ausgestattet werden, die sie während des Unterrichts tragen müssen/können. Somit sind die Lehrkräfte im Fall von Amokläufen in der Pflicht, einen potentiellen Attentäter zur Strecke zu bringen bzw. die Schüler adäquat zu verteidigen. Regelmäßiges Schießtraining sollte für die Lehrkräfte ebenfalls regelmäßig Pflicht sein.
5. Irgendwie fehlt mir jegliches Mitleid mit dieser Frau
iffel1 16.12.2012
Ein verhaltensauffälliges Kind mit zum Schießstand zu nehmen, ist schon ungewöhnlich. Aber ich kann mir das garnicht vorstellen, in einem Land zu leben, wo ich meiner Frau mal eben sage "du hör mal, ich muss mal drüben im Shop ein Schnellfeuergewehr holen, soll ich dir auch was an Munition mitbringen ?" - verkehrte Welt ! Aber in einer solch schrägen Welt leben die Amis offenbar und auch in der Zukunft, da der Reformwille offenbar fehlt. Dann müssen sie auch damit leben,dass Schulen und Kinos lebensgefährlich sind und in gewisser Regelmäßigkeit ihre Kinder erschossen werden.
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