Nashörner in Südafrika Ansie Venters aussichtsloser Kampf gegen die Wilderer

Hundert tote Nashörner pro Monat - das ist die traurige Bilanz in Südafrika. Staatsanwältin Ansie Venter geht zwar hart gegen Wilderer vor, ist aber oft machtlos.

DPA

Ansie Venter führt seit sechs Jahren einen Kampf gegen die Nashornwilderei in ihrer Heimat. In Skukuza im Herzen des berühmten Krüger-Nationalparks klagt die südafrikanische Staatsanwältin Wilderer an - und die Zahl der Fälle steigt.

Doch es ist ein aussichtsloser Kampf: Denn obwohl immer mehr illegale Jäger immer schwerer bestraft werden, steht die Justiz dem Abschlachten der Tiere weitgehend machtlos gegenüber: Die mächtigen Drahtzieher im Hintergrund kommen meist ungestraft davon.

2014 erreichte die Zahl getöteter Rhinozerosse in Südafrika mit 1215 Tieren einen traurigen Rekord. 2015 wird dieser vermutlich noch übertroffen: Schon in den ersten vier Monaten fielen nach Zahlen des Umweltministeriums 393 Nashörner Wilderern zum Opfer - 18 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Internationale Syndikate schmuggeln das wegen seines angeblichen medizinischen Nutzens begehrte Horn der Tiere vor allem nach Asien.

Problem: Kein Auslieferungsabkommen mit Mosambik

Der sechsfache Familienvater Elliot M. aus Mosambik wurde mit einem Gewehr samt Munition im Krüger-Nationalpark festgenommen. Der 43-Jährige bekannte sich schuldig in allen Punkten: unerlaubter Zutritt zum Park, unerlaubter Besitz von Schusswaffen und die Planung eines Verbrechens. Elliot M. wurde im Juni in Skukuza zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Da Südafrika keine speziellen Gesetze gegen das blutige Geschäft hat und die Beweislage schwierig ist, wenn ein Täter nicht in flagranti erwischt wird, beantragt die Staatsanwaltschaft meist die Höchststrafe für kleinere Delikte. Manche der häufig aus Mosambik illegal eingewanderten Wilderer entwischen der Justiz, indem sie auf Kaution freikommen und dann Südafrika wieder verlassen.

"Mosambik hat kein Auslieferungsabkommen unterschrieben, was bedeutet, dass sie weglaufen und nie vor Gericht gestellt werden", sagt Ansie Venter. Dies kritisieren auch Tierschutzaktivisten wie Dex Kotze, der für die strafrechtliche Gleichstellung von Wilderei und Mord kämpft. "Ein überführter Wilderer würde so zu mindestens 15 Jahren Gefängnis verurteilt", sagt er. Darüber hinaus sollten die illegalen Jäger den Wert des getöteten Tiers ersetzen müssen, fordert Kotze.

"Wir kommen nicht voran"

Julian Rademeyer, Autor des Buches "Killing for Profit", sagt: "Wir kommen nicht voran, in den meisten Fällen gibt es schnelle Festnahmen und schnelle Verurteilungen, aber keine wirklichen strafrechtlichen Ermittlungen gegen das organisierte Verbrechen."

Statt die Wilderer zu bestrafen, müssten die Behörden die Auftraggeber im Hintergrund fassen, sagt Rademeyer. "Die internationalen Verbrecherbanden sind unserer Strafverfolgung zehn Schritte voraus."

Ansie Venter sieht auch die Not der Wilderer: "Egal, wie sehr wir die Leute verachten und hassen - wir dürfen nicht vergessen, dass dies Menschen mit wenig Bildung sind, die verzweifelt nach Einkünften suchen." Die Juristin räumt ein, dass die Zahl der Beschuldigten jedes Jahr zunehme: "Ich glaube, es wird immer schlimmer. Aber uns sind praktisch die Hände gebunden."

In ihrem täglichen Kampf setzt die Staatsanwältin auf das Prinzip Hoffnung. "Irgendwie müssen wir daran glauben, dass es hilft, strenge Strafen zu verhängen", sagt Venter. "Je schwerer die Strafe, desto größer die Abschreckung" - hofft sie.

wit/AFP



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Seite 1
oldhenry49 18.08.2015
1. Ich wüsste eine Abhilfe.
Man müsste Spots produzieren,die in den betreffenden asiatischen Ländern,in denen der Aberglaube um das Horn herrscht,gezeigt werden.Darin sollte man aufklären und vielleicht auch Käufer dieser Substanzen einfach lächerlich machen,indem man z.B.auf Viagra verweist. Und man sollte den Menschen klar machen,dass sie auch ihre Fingernägel kauen können,mit dem gleichen Effekt. Zu zeigen,wie dumm es ist,solchem Aberglauben nachzuhängen,in einer mehr und mehr technisierten Welt.Und wie dumm es ist,dafür Unsummen zu zahlen und unabwendbare Schäden im ökologischen Gleichgewicht unserer Erde anzurichten. Es muss den Käufern statt einer Statuserhöhung auf gesellschaftlichher Ebene,wegen des Besitzes eines 100 000 $ teuren Horns,wie in Vietnam üblich,der Gesichtsverlust drohen ! Nur dort kann man etwas bewirken,gegen die Wilderer ist man weitgehend machtlos,bei den Preisen die gezahlt werden.Dafür riskieren Wilderer nicht nur Gefängnis,sondern auch ihr Leben..
ulrei 18.08.2015
2. Hybris
Wir werden sie alle verlieren, die Nashörner, Elefanten, Löwen und somit Diversität dieser Welt. Zurückbleiben werden die größten Zerstörer und Langweiler : Wir. Unfassbar, dass akkumulierte Dummheit soviel Elend anrichten kann.
Peter Eckes 18.08.2015
3. .
Realistisch betrachtet ist das Problem nicht zu lösen. Bei dem Bevölkerungswachstum das in Asien (auf Kundenseite) und in Afrika (bei den Wilderern) herrscht besteht nicht der Hauch einer Chance. Die Wilderer wachsen dreimal schneller nach als sie die einsperren können und die Nachfrage wird bei steigender Bevölkerungszahl selbst bei steigender Intelligenz der Asiaten ebenfalls steigen. Der Anteil der Dummköpfe an der asiatischen Bevölkerung wird vielleicht (aber auch nur vielleicht) sinken ihre absolute Zahl wird auf Dekaden weiter steigen. Einziges mögliches Endszenario ist das Aussterben des Nashorns, traurig aber unausweichlich. Wie ich die Menchen hasse!
Promethium 18.08.2015
4.
Das wird sicher noch schlimmer. Das Bevölkerungswachstum in Afrika ist enorm und für den Einzelnen bleibt immer weniger. Es werden immer aufwändigere und teurere Schutzmaßnahmen nötig um gegen die zunehmende Zahl der Wilderer anzukommen. Woher soll das Geld kommen? Vielleicht könnte die Zucht von Nashörnern helfen wie es John Hume in Südafrika macht. Möglicherweise könnte man so durch legales Nashornpulver den Preis für das illegale so weit drücken das sich die Wilderei nicht mehr lohnt.
Tiberias 18.08.2015
5. Die Dummheit...
...der Menschen ist einfach unbesiegbar. Der Aberglaube, dass Nashornpulver irgendeinen medizinischen oder berauschenden Effekt hat, wird dazu führen, dass es diese großartigen Tiere bald nicht mehr geben wird. In Wirklichkeit kann man genauso die eigenen Fußnägel mahlen und schnupfen, aber die Asiaten finden alles super, wenn es nur mit maximaler Zerstörung und Tierquälerei verbunden ist.
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