Nazi-Trinkspiel: Britische Elite-Studenten verprügeln jüdischen Kommilitonen

Sie waren auf einem Ski-Urlaub im französischen Val d'Isère: Studenten der London School of Economics sollen ein Trinkspiel mit Nazi-Motto gespielt haben. Als ein jüdischer Kommilitone protestierte, kam es zur Schlägerei.

Hamburg - Die renommierte London School of Economics muss sich mit einem handfesten Skandal auseinandersetzen: Auf einem von der Studierendenvertretung organisierten Ski-Urlaub sollen Studenten ein Nazi-Trinkspiel veranstaltet und einen protestierenden jüdischen Kommilitonen verprügelt haben. Mehrere britische Zeitungen berichten über den Fall, darunter der "Telegraph" und der "Guardian".

"Es sind verstörende Anschuldigungen", wird ein Sprecher der Uni zitiert. Die London School of Economics (LSE) und die Studierendenvertretung würden den Fall untersuchen und Maßnahmen ergreifen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Das Trinkspiel sei mit Karten gespielt worden, die in Form eines Hakenkreuzes ausgelegt gewesen seien, berichtet der "Guardian" unter Berufung auf die Uni-Zeitung "Beaver". Demnach hätten die Spieler auch den Hitlergruß machen müssen. Den Berichten zufolge handelt es sich um das Spiel "Ring of Fire", bei dem die Teilnehmer Spielkarten aufdecken und dann entsprechenden Vorgaben zufolge trinken müssen.

Laut der jüdischen Gemeinschaft an der LSE führte das Spiel zu einer Schlägerei, bei der einem jüdischen Studenten die Nase gebrochen wurde. Der 20-Jährige habe Einwände gegen das Spiel geäußert und sei dann noch verspottet worden, schreibt der "Telegraph". Daraufhin habe sich die Schlägerei entwickelt.

Er habe diese Art von Spiel schon zuvor gesehen, sagte der 20-Jährige. Es sei daher gar nicht so sehr das Spiel gewesen, das ihn gestört habe, sondern vielmehr der antisemitische Spott. "Es war eine Mischung aus persönlichen Anspielungen und generellen Beleidigungen gegen Juden, nachdem ich nicht mitspielen wollte", sagte er. "Das hat mich sehr traurig gemacht."

Der Präsident der studentischen Sportlervereinigung, die den Ski-Trip von 9. bis zum 17. Dezember organisiert hatte, verurteilte die Tat. Es sei die Aktion einer kleinen Gruppe einzelner Studenten gewesen.

"Die Menschen, die glauben, das Spiel habe gute Stimmung verbreitet, müssen begreifen, dass es kein Spaß ist, wenn Nazi-Ideologie verherrlicht und ein jüdischer Student geschlagen wird, sondern ein boshafter und kollektiver Angriff auf die Gemeinschaft", sagte der Präsident der Vereinigung jüdischer Studenten.

hut

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