Mafia-Prozesse in Italien Fußball-Weltmeister und Roms Ex-Bürgermeister vor Gericht

Es gibt 147 Angeklagte - darunter Fußball-Weltmeister Vincenzo Iaquinta: In Reggio Emilia hat der bislang größte Mafia-Prozess Norditaliens begonnen. In Rom steht der ehemalige Bürgermeister vor Gericht.

Vincenzo Iaquinta (Archiv)
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Vincenzo Iaquinta (Archiv)


Der bislang größte Mafia-Prozess Norditaliens ist unter großem öffentlichen Interesse gestartet. Insgesamt 147 Angeklagte, darunter der italienische Fußball-Weltmeister Vincenzo Iaquinta und dessen Vater, müssen sich vor einem Gericht in Reggio Emilia verantworten.

Das Verfahren in einem eigens neu gebauten Gerichtssaal begann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Zunächst ging es hauptsächlich um Verfahrensfragen, wie italienische Medien berichteten.

Im Visier der Justiz steht die kalabrische Mafia 'Ndrangheta, die mehr und mehr auch im Norden des Landes aktiv wird. Iaquinta, der 2006 in Deutschland Weltmeister wurde, werden illegaler Waffenbesitz und Unterstützung der Mafia vorgeworfen. Sein Vater wird verdächtigt, Mitglied der Verbrecherorganisation zu sein. Der frühere Nationalspieler weist die Vorwürfe zurück.

Mit den beiden prominenten Angeklagten stehen zahlreiche Verdächtige vor Gericht, darunter Beamte, Politiker, Handwerker, Unternehmer und Journalisten.

Insgesamt 29 von ihnen waren beim Prozessauftakt in dem neuen Hochsicherheitssaal anwesend. Einige weitere Angeklagte, die bereits in Haft sitzen, wurden per Video zugeschaltet. Zu den Anklagepunkten zählen vor allem klassische Mafia-Verbrechen wie Mord, Geldwäsche, Erpressung, Korruption und Stimmenverkauf bei Kommunalwahlen.

"Mafia Capitale"-Verfahren in Rom

Ein weiterer Prozess hat am Mittwoch in Rom begonnen. Dort steht der frühere Bürgermeister der Stadt, Gianni Alemanno, wegen Korruption und illegaler Finanzierungen vor Gericht. Der Prozess steht in Zusammenhang mit dem Mafia-Skandal um die engen Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und organisiertem Verbrechen in Italiens Hauptstadt ("Mafia Capitale"), der 2014 aufgedeckt worden war.

Unter anderem soll der 58-Jährige zwischen 2012 und 2014 etwa 125 000 Euro Bestechungsgeld angenommen haben. Alemanno bestreitet die Vorwürfe. "Ich werde mich in diesem Verfahren verteidigen, weil ich meine Unschuld beweisen will, auch wenn mich viele schon vorverurteilt haben", sagte er am Ende der ersten Anhörung, die nur wenige Minuten dauerte. Der Prozess wurde auf Freitag vertagt.

Der frühere Neofaschist Alemanno war 2008 als Kandidat der Partei PDL von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi zum Bürgermeister gewählt worden. Er regierte Rom bis 2013. Laut Anklage soll er hohe Schmiergelder vom Unternehmer Salvatore Buzzi angenommen haben.

Das Verfahren ist nur eins von mehreren in dem Skandal. Seit vergangenem November müssen sich in einem Prozess bereits 46 Angeklagte verantworten, darunter auch Buzzi. Die Anklagepunkte lauten unter anderem auf Bildung einer mafiösen Vereinigung, Korruption, Wucher, Manipulation von Ausschreibungen und Erpressung.

Unter den Angeklagten sind Personen aus der Unterwelt, Unternehmer, Beamte und Kommunalpolitiker. Die Verteidiger versuchen nachzuweisen, dass es sich nicht um eine mafiaartige Vereinigung handelte, was für das Strafmaß wesentliche Bedeutung hat.

Gianni Alemanno (Archiv)
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Gianni Alemanno (Archiv)

wit/dpa



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