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Tino Brandt: Verdacht auf Kindesmissbrauch - prominenter Neonazi festgenommen

Brandt bei einer Rede in Frankfurt am Main (Archivbild): Ermittlungen wegen Zuhälterei Zur Großansicht
Peter Juelich

Brandt bei einer Rede in Frankfurt am Main (Archivbild): Ermittlungen wegen Zuhälterei

Tino Brandt war V-Mann in der Neonazi-Szene, er kannte das mutmaßliche Terrortrio vom NSU und leitete den militanten "Thüringer Heimatschutz". Nun ist er festgenommen worden. Er soll ein Kind sexuell missbraucht haben.

Rudolstadt/Gera - Wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch ist der frühere Chef des militanten Thüringer Heimatschutzes (THS), Tino Brandt, verhaftet worden. Er sitze seit Mittwoch in Untersuchungshaft, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Gera. Der Vorwurf habe sich nach einer Zeugenbefragung ergeben.

Die neuen Erkenntnisse sind offenbar im Zuge einer bereits laufenden Untersuchung aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Brandt wegen des Verdachts der Zuhälterei. Er soll bereits seit 2011 mehrere männliche Jugendliche und Heranwachsende, die der Prostitution nachgingen, "ausgebeutet" und von ihnen "Provisionen" von bis zu 60 Prozent ihres Freierlohns gefordert haben.

Brandt war im Thüringer Landesverband der NPD aktiv und war der Kopf des THS, einer rechtsextremen Straßentruppe im Stil der SA, zu der auch das mutmaßliche Terrortrio des NSU - Beate Zschäpe, Uwe Mundlos sowie Uwe Böhnhardt - zählte. Seit 1994 arbeitete Brandt unter dem Decknamen "Otto" für den Verfassungsschutz. Der Thüringer Verfassungsschutz bestätigt, im Jahr 2000 Brandt 2000 Mark ausgehändigt zu haben, die dieser an das Trio weiterreichen sollte.

Immer wieder hat Brandt beteuert, dass die Honorare für seine Spitzeldienste von insgesamt etwa 200.000 Mark in seine "politische Arbeit" geflossen seien. Zehn Jahre lang kämpfte der Rudolstädter an vorderster Front. Seit seiner Enttarnung ist er politisch nicht wieder aktiv geworden. Seine Gesinnung aber, so sagte er es bei seiner Befragung in Karlsruhe, sei geblieben.

vks/dpa

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