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30. Dezember 2012, 08:03 Uhr

Hinduistische Zeremonie

Leiche der vergewaltigten Inderin eingeäschert

Sie wurde brutal von sechs Männern vergewaltigt und kam dabei ums Leben. Jetzt ist die Leiche der indischen Studentin in einem Krematorium in Neu-Delhi verbrannt worden. Die Zeremonie nach hinduistischem Brauch fand im engsten Familienkreis statt.

Neu-Delhi - Tief in der Nacht schlängelte sich der Polizeikonvoi durch die Straßen Neu-Delhis auf dem Weg zum Krematorium im Distrikt Dwarka im Südwesten der Hauptstadt. Am frühen Sonntagmorgen Ortszeit dann wurde die Leiche der von mehreren Männern brutal vergewaltigten Inderin verbrannt. Zuvor seien die letzten religiösen Riten an ihrem Wohnort in Neu-Delhi vollzogen worden, berichtete die Online-Ausgabe der "Times of India".

Die Leiche war auf Staatskosten in der Nacht mit einer Chartermaschine von Singapur nach Indien überführt worden. An Bord der Maschine befanden sich laut Bericht auch die Eltern der 23-Jährigen, die am Flughafen von Premierminister Manmohan Singh und der Chefin der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, empfangen wurden.

Die Behörden befürchteten für Sonntag erneute Demonstrationen aus Wut und Trauer über den Tod der jungen Frau. Das Krematorium war von zahlreichen Polizeikräften abgeriegelt. Bis zum letzten Moment sollen die Pläne für die Zeremonie geheim gehalten worden seien, berichtet die "Times of India". Ursprünglich sollte die Einäscherung um 6.30 Uhr stattfinden, doch nach hinduistischer Tradition ist diese nicht vor Sonnenuntergang erlaubt.

Sie hatte schon ihre Hochzeitsfeier geplant

Ein Polizeisprecher sagte, die Einäscherungszeremonie nach hinduistischem Brauch solle auf Wunsch der Familie im engsten Kreise stattfinden. Einige ranghohe Politiker wollten durch ihre Anwesenheit ihr Beileid ausdrücken.

Nachbarn, die an der Einäscherung auf einem Scheiterhaufen teilnahmen, sagten der Nachrichtenagentur AFP, die Frau habe im Februar ihren Freund heiraten wollen. "Sie hatten bereits alle Vorbereitungen getroffen und eine Hochzeitsparty in Delhi geplant", sagte Meena Rai, die mit der künftigen Braut schon nach Hochzeitskleidern Ausschau gehalten hatte.

Die Studentin war am Samstag in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren Verletzungen erlegen, die sie durch die Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Neu-Delhi am 16. Dezember erlitten hatte. Dabei erlitt die Frau schwere Verletzungen am Kopf und musste mehrmals im Bauchbereich notoperiert werden. Erst am Donnerstag wurde sie schließlich zur Behandlung nach Singapur gebracht, wo Ärzte weitere innere Verletzungen feststellten.

Tausende Menschen gingen auf die Straße

Die brutale Vergewaltigung hatte in Indien zum Teil gewalttätige Proteste gegen die in der indischen Gesellschaft verbreitete Gewalt gegen Frauen und die Untätigkeit der Behörden ausgelöst. Auch am Samstag waren in Neu-Delhi und anderen indischen Städten wieder Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Am Abend hielten Trauernde Mahnwachen mit Kerzen ab. Die Proteste blieben im Gegensatz zu denen an anderen Tagen friedlich.

Die indischen Behörden wollen die mutmaßlichen Täter so schnell wie möglich vor Gericht stellen. Am Samstag wurden die sechs Männer wegen Mordes angeklagt, darunter auch der Fahrer des Busses. Nach dem Tod ihres Opfers droht den mutmaßlichen Tätern nun die Todesstrafe.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte sein tiefes Bedauern über den Tod der vergewaltigten Inderin aus. Zugleich habe er das brutale Verbrechen aufs Äußerste verurteilt, teilte ein Sprecher Bans mit. "Gewalt gegen Frauen darf nie hingenommen, nie entschuldigt, nie toleriert werden", heißt es in einer verbreiteten Erklärung. Jedes Mädchen und jede Frau habe ein Recht darauf, respektiert, gewürdigt und geschützt zu werden.

Zugleich habe der Uno-Chef das Bemühen der indischen Regierung begrüßt, solche Straftaten künftig durch weitere Schritte und Reformen zu verhindern, und zu einem Ausbau der Betreuung von Vergewaltigungsopfern ermutigt.

cib/dpa/AFP

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