Verfahren in Neubrandenburg Prozess gegen SS-Sanitäter wird vertagt

Der Prozess gegen den früheren SS-Mann Hubert Z. gerät schon zu Beginn ins Stocken. Am ersten Verhandlungstag hält das Gericht den 95-Jährigen nicht für verhandlungsfähig.

Prozess in Neubrandenburg: Der leere Platz des Angeklagten
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Prozess in Neubrandenburg: Der leere Platz des Angeklagten


Der Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem KZ Auschwitz ist gleich zum Auftakt vor dem Landgericht Neubrandenburg vertagt worden. Der 95-jährige Hubert Z. sei krank, teilte das Gericht mit. Er habe hohen Blutdruck und leide unter Selbstmordgedanken.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rentner aus einem Dorf bei Neubrandenburg Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vor. Der frühere SS-Mann soll von Mitte August 1944 an einen Monat in Auschwitz-Birkenau stationiert gewesen sein. In der Zeit seien dort 14 Deportationszüge mit Häftlingen angekommen. Die Verteidigung bestreitet eine Schuld ihres Mandanten.

Das Landgericht hatte es im vorigen Jahr mit Verweis auf den Gesundheitszustand von Z. zunächst abgelehnt, den Prozess zu eröffnen. Das Oberlandesgericht Rostock hob die Entscheidung auf und erklärte, Z. sei trotz seines hohen Alters "eingeschränkt verhandlungsfähig".

Der Rentner war 1948 von einem polnischen Gericht wegen seiner SS-Zugehörigkeit zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, die er auch verbüßte. Danach kehrte er in den damaligen Bezirk Neubrandenburg zurück. Im Zuge neuer Ermittlungen im März 2014 kam der Mann in Untersuchungshaft, wurde aber aus gesundheitlichen Gründen und mangels Fluchtgefahr freigelassen.

sms/dpa

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