Neue Beweise im Kannibalen-Prozess: "Mir kommt es auf den Sex und das Fleisch an"

Gespräche, die der "Kannibale von Rotenburg" mit potentiellen Opfern im Internet geführt hat, zeigen: Die Bluttat des 44-Jährigen war weitaus stärker sexuell motiviert, als er bisher zugegeben hat. Dies könnte den Anklagevorwurf des Mordes zur Befriedigung des Geschlechtstriebs stützen.

Frankfurt am Main - Die 21. Strafkammer am Frankfurter Landgericht verlas heute Auszüge aus 30 Akten, in denen der angeklagte Armin Meiwes Chatpartnern im Internet von seiner Bluttat im März 2001 berichtete.

Angeklagter Meiwes: "Schlachten ist etwas Erotisches"
REUTERS

Angeklagter Meiwes: "Schlachten ist etwas Erotisches"

Einem Chatpartner berichtete Meiwes, "immer wenn ich mir das Video anschaue", müsse er sich danach selbst befriedigen. Bislang hatte Meiwes vor Gericht lediglich eingeräumt, sich das Video nur ein einziges Mal mit einer sexuellen Motivation angeschaut zu haben. Das Band will er nur aufgenommen haben, um die Freiwilligkeit seines Opfers Bernd B. beweisen zu können.

In den jetzt verlesenen E-Mails und Chats spricht Meiwes von der "absoluten Macht über einen Menschen", die er "geil" gefunden habe. Er habe einen schönen Körper zerschneiden und das Fleisch dann verspeisen wollen. "Mir kommt es auf den Sex und das Fleisch an", lässt er einen Chat-Partner wissen. Meiwes kündigte an: "Der nächste wird vorher betäubt und dann erst geschlachtet." In weiteren Äußerungen sieht Meiwes das Schlachten eines Menschen als "etwas Erotisches" und bezeichnet den Schädel seines 45 Jahre alten Opfers als "Trophäe".

Meiwes wollte heute ohne vorherige Rücksprache mit seinen Verteidigern keine Angaben zu den neu aufgetauchten Dokumenten machen. Die Kammer unterbrach die Verhandlung daraufhin für knapp drei Stunden.

Das neue Beweismaterial war Ende Februar bei der Befragung einer Beamtin des Landeskriminalamts aufgetaucht. Da die Auswertung auch nach dem Beginn der ersten Verhandlung in Kassel im Dezember 2003 noch andauerte, waren die Ergebnisse zunächst nicht zu den Prozessakten gelangt.

Meiwes muss sich seit 12. Januar wegen Mordes vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. In einem ersten Prozess war er vom Landgericht Kassel wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. Laut BGH ist unter anderem das Mordmerkmal "zur Befriedigung des Geschlechtstriebs" nicht ausreichend geprüft worden.

Das laufende Verfahren soll am 3. April fortgesetzt werden. Für den 18. April ist das Gutachten des Sexualwissenschaftlers Klaus Beier vorgesehen, am 24. April soll der Göttinger Psychiater Georg Stolpmann die Persönlichkeit und Schuldfähigkeit des Angeklagten begutachten. Das Urteil fällt voraussichtlich am 9. Mai.

ala/ddp/AP

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