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Attentäter von Norwegen: Gutachter erklären Breivik für zurechnungsfähig

Anders Breivik kann einem neuen Gutachten zufolge strafrechtlich für die Anschläge von Oslo und Utøya belangt werden. Der Attentäter ist demnach zurechnungsfähig - eine erste Expertise hatte ihm noch eine paranoid-schizophrene Psychose und Schuldunfähigkeit attestiert.

Oslo - Anders Breivik ist zurechnungsfähig - damit kann der norwegische Attentäter strafrechtlich für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden. Das ist das Ergebnis eines zweiten psychologischen Gutachtens. Breivik sei geistig gesund, heißt es in der Untersuchung, die am Dienstag vor Gericht vorgelegt wurde.

Das neue Gutachten wurde von den Psychologen Terje Toerrissen und Agnar Aspaas verfasst. Die wesentliche Schlussfolgerung der Experten sei, dass Breivik bei seinen Taten am 22. Juli 2011 nicht psychotisch gewesen sei, teilte das Gericht mit.

Die Expertise kommt damit zu einem anderen Schluss als ein erstes Gutachten, in dem bei Breivik eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden war. Diese Diagnose hätte eine Gefängnisstrafe ausgeschlossen - Breivik hätte nicht strafrechtlich belangt und zu einer Haftstrafe verurteilt werden können, sondern wäre in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung gekommen.

Der Befund des ersten Gutachten hatte in Norwegen für heftige Kritik gesorgt und wurde von Experten angezweifelt. Ein Gericht in Oslo ordnete daraufhin eine zweite Begutachtung an.

Der 33-jährige Breivik hält sich laut seinem Anwalt für zurechnungsfähig. Für seinen Mandanten sei Psychiatrie "schlimmer als der Tod". In einem offenen Brief hatte der Attentäter die beiden ersten Gutachter der Lüge bezichtigt. Sie hätten 80 Prozent der Aussagen über ihn erfunden. "Offen gesagt, das ist das Schlimmste, das mir passieren konnte, denn es ist die ultimative Erniedrigung", schrieb er.

Breivik hat den Doppelanschlag von Oslo und Utøya mit 77 Toten im Juli vergangenen Jahres eingeräumt, hält sich jedoch nicht im juristischen Sinne für schuldig.

Der Prozess gegen ihn soll am 16. April beginnen. Es wird mit einer Prozessdauer von zehn Wochen gerechnet. Das Gericht wird bei dem Verfahren beide Gutachten berücksichtigen. Wird Breivik für schuldfähig erklärt, könnte er im Falle einer Verurteilung ins Gefängnis kommen. Bei Unzurechnungsfähigkeit würde er dagegen vermutlich in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werden.

ulz/dapd/AFP

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Bevölkerung: 5,166 Mio.

Hauptstadt: Oslo

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König Harald V.

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