Neues Verfahren im Fall Jallow Tod in der Zelle

Hätte der Feuertod des Asylbewerbers Ouri Jallow in einer Dessauer Arrestzelle verhindert werden können? Diese Frage beschäftigt jetzt erneut ein Gericht. Der Bundesgerichtshof hat den Freispruch für einen Polizisten kassiert - denn zu viele Punkte blieben ungeklärt.

Von Simone Utler


Hamburg - Er muss vor seinem Tod bis zu 800 Grad heiße Gase eingeatmet haben. Der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber Ouri Jallow starb am 7. Januar 2005 bei einem Feuer in einer Ausnüchterungszelle des Dessauer Polizeireviers. Hände und Füße des 23-Jährigen waren ans Bett gefesselt - trotzdem soll er mit einem Feuerzeug die Matratze angezündet haben. Niemand kam rechtzeitig zu Hilfe.

Zwei Polizisten mussten sich deswegen vor Gericht verantworten: Der Dienstgruppenleiter des Reviers, Andreas S., wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. S. soll nicht sofort nach Ertönen des Rauchmelders die Zelle geöffnet haben, um Jallow zu retten, sondern den Alarm mehrmals abgeschaltet haben. Einem zweiten Beamten wurde fahrlässige Tötung vorgeworfen - er soll das Feuerzeug bei Jallow übersehen haben. Am Ende des Prozesses forderte die Staatsanwaltschaft für S. eine Geldstrafe von 4800 Euro und einen Freispruch für den anderen Angeklagten.

Das Landgericht Dessau-Roßlau jedoch sprach die Beamten im Dezember 2008 frei. Es sei nicht erwiesen, dass S. mit Körperverletzungsvorsatz gehandelt oder Schäden Jallows in Kauf genommen habe. Auch sei nicht nachzuweisen, dass er den Tod des Asylbewerbers hätte verhindern können.

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Der Fall Ouri Jallow: Tauziehen vor Gericht
Der Bundesgerichtshof (BGH) kassierte das Urteil gegen S. im Januar 2010. Im Wiederaufnahmeverfahren ist es nun an Richtern des Landgerichts Magdeburg herauszufinden, was vor sechs Jahren wirklich passiert ist. Am Mittwoch beginnt das Verfahren.

Hätte der Tod Ouri Jallows verhindert werden können? Wie kam es überhaupt zu dem Brand? Das sind die zentralen Fragen, die der BGH geklärt wissen möchte. Doch ist das nach so langer Zeit überhaupt noch möglich? SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über den umstrittenen Todesfall.

insgesamt 51 Beiträge
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Beobachter123 12.01.2011
1. Ursache und Wirkung.
Wer Feuerchen macht muss selbst mit den Konsequenzen rechnen. So einfach ist das!
Haio Forler 12.01.2011
2. .
Zitat von sysopHätte der Feuertod des Asylbewerbers Ouri Jallow in einer Dessauer Arrestzelle verhindert werden können? Diese Frage beschäftigt jetzt erneut ein Gericht. Der Bundesgerichtshof hat den Freispruch für einen Polizisten kassiert - denn zu viele Punkte*blieben ungeklärt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,738804,00.html
Ja, wenn das Feuerzeug nicht entzuendet worden waere.
sosonaja 12.01.2011
3. .
Deutschland ist eben eine Bananenrepublik auf Simbabwe-Niveau!
frubi 12.01.2011
4. .
Zitat von sysopHätte der Feuertod des Asylbewerbers Ouri Jallow in einer Dessauer Arrestzelle verhindert werden können? Diese Frage beschäftigt jetzt erneut ein Gericht. Der Bundesgerichtshof hat den Freispruch für einen Polizisten kassiert - denn zu viele Punkte*blieben ungeklärt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,738804,00.html
Bei uns verbrennen Leute in der Zelle, werden von Polizisten tot geschossen (Eisenberg), verlieren ihr Augenlicht bei Demonstrationen oder werden jahrelang unschuldig eingesperrt (Wörz). Das sind bestimmt nur ein paar wenige (und mit die bekanntesten) Beispiele. Wird Zeit, dass wir unsere Hausaufgaben machen bevor wir auf Probleme in anderen Ländern hinweisen. Mit diesen Dingen kann sich kein Rechtsstaat abfinden.
marifu 12.01.2011
5. Keine Indizien ?
An beiden Händen und Füßen ans Bett gefesselt und trotzdem die Matraze angezündet..... Wie dumm sind eigentlich die Richter die hier von Selbstmord ausgehen ? Ist in Deutschland die Logik abhanden gekommen ?
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