Messerattacke in Jobcenter: Angeklagter laut Gutachter nicht gestört

Ein 52-Jähriger steht wegen des Mordes an einer Mitarbeiterin des Neusser Jobcenters vor Gericht. Ein Psychiater hat nun sein Gutachten über den Angeklagten vorgestellt - und ihn als nicht psychisch krank eingestuft.

Düsseldorf - Es gibt laut Gutachter keinen Hinweis auf eine schizophrene oder wahnhafte Störung des Angeklagten: Im Prozess um den Mord an einer Mitarbeiterin des Jobcenters im rheinischen Neuss hat ein Psychiater den mutmaßlichen Täter als nicht psychisch krank eingestuft. "Von einer strafrechtlichen Verantwortung ist auszugehen", sagte der forensische Psychiater als Gutachter in dem Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht aus.

Der 52-jährige Angeklagte hatte gestanden, vor einem halben Jahr seine Sachbearbeiterin im Arbeitsamt erstochen zu haben, weil er den Missbrauch seiner persönlichen Daten durch die Behörde vermutete. Er habe zugestochen, die Frau aber nur am Arm verletzen wollen, hatte der Mann ausgesagt. "Ich war nicht bei Verstand."

Ein anderer Sachverständiger hatte dem Angeklagten eine deutlich verminderte Intelligenz attestiert. Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit hatten auch frühere Gutachter nicht feststellen können. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arbeitslosen heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor.

wit/dpa

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Attacken in Jobcentern
21. Mai 2013
Ein 34-Jähriger attackiert in einem Jobcenter in Leipzig eine Mitarbeiterin mit einem Hammer. Die 52-Jährige erleidet schwere Verletzungen am Kopf. Der mutmaßliche Täter wird von einem anderen Besucher des Jobcenters überwältigt. Der Mann hatte wegen früherer Drohungen bereits Hausverbot in dem Jobcenter gehabt. Er muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Der Staatsanwaltschaft zufolge handelte der Langzeitarbeitslose aus Wut über gekürzte Bezüge sowie Hass auf die Sachbearbeiterin.
26. September 2012
Im nordrhein-westfälischen Neuss sticht der 52-jährige Ahmed S. eine Mitarbeiterin eines Jobcenters nieder. Die 32-Jährige stirbt kurz nach der Attacke an ihren Verletzungen. Polizisten nehmen S. fest. Später gibt der Vater von fünf Kindern zu, die Frau angegriffen zu haben, weil er den Missbrauch seiner persönlichen Daten vermutete. Im April 2013 wird er wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Seine Verteidiger haben angekündigt, das Urteil anfechten zu wollen.
19. Mai 2011
In Frankfurt am Main wird eine 39-Jährige in der damaligen Außenstelle für Obdachlose des Jobcenters erschossen. Sie war zuvor mit einem Messer auf einen Polizisten losgegangen, dann zielte eine andere Polizistin auf die Frau und traf sie tödlich. Auslöser des Streits sind zehn Euro, die das spätere Opfer in bar von der Sachbearbeiterin verlangt. Als die 39-Jährige aus Protest den Raum nicht verlässt, kommt die Polizei hinzu. In den folgenden Tagen erreichen das Jobcenter mehrfach Gewaltandrohungen per E-Mail.
21. April 2011
In Berlin-Tempelhof drischt ein 34-Jähriger mit einer Axt auf Möbel und Türen des Jobcenters ein. Der offenbar psychisch kranke Mann droht einem Mitarbeiter zudem, mit einer Maschinenpistole wiederzukommen. Das Amt hatte ihm zuvor Geldzahlungen nicht gewährt.
30. August 2010
Im hessischen Rüsselsheim schlagen Zwillinge einen Sicherheitsmann in einem Jobcenter nieder. Die beiden 29-Jährigen rasteten aus, nachdem eine Angestellte der Arbeitsagentur sie aufgefordert hatte, ihre Ausweise vorzuzeigen.
18. März 2010
Im nordrhein-westfälischen Essen attackiert ein 29-Jähriger zwei Angestellte mit einem Teppichmesser. Die Mitarbeiter werden leicht verletzt. Der Mann hatte sich wegen einer Beschwerde einen Termin geben lassen, dabei kam es zum Streit.
1. Oktober 2009
Im nordrhein-westfälischen Herne bricht ein 26-Jähriger einem Sicherheitsmann der Arbeitsagentur zwei Finger. Der Täter durfte die Behörde ohnehin nur in Begleitung des Sicherheitsdienstes betreten, weil er Hausverbot hatte. Auslöser des Ausrasters war ein fehlender Antrag.
14. Juli 2009
Im saarländischen Burbach geht ein 26 Jahre alter Mann auf den Mitarbeiter der Arbeitsagentur los und traktiert ihn mit Faustschlägen und Tritten. Einen einschreitenden Kollegen boxt er nieder und schlägt ihn mit dem Kopf gegen einen Türrahmen. Dem Mann war Geld gestrichen worden, weil er bei Arbeitsstunden fehlte.
5. September 2007
Im nordrhein-westfälischen Aachen bedroht eine Frau in einem Jobcenter zwei Mitarbeiter mit einer Waffe und nimmt sie als Geiseln. Der 46-Jährigen war die finanzielle Unterstützung gestrichen worden. Sie wollte Geld oder Essensmarken erpressen.

Quelle: dapd