Kannibalismus-Phantasien Polizist wollte Frauen entführen und kochen

Er hielt schriftlich fest, wie man jemanden entführen, kochen und essen könnte, hatte einen Katalog mit mindestens hundert Frauen angelegt: In New York wurde ein 28-jähriger Polizist festgenommen. Er war laut Staatsanwaltschaft auf dem Weg, seine Phantasien in die Tat umzusetzen.

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New York - Computerdateien, Chatprotokolle und E-Mails zeichnen ein Bild des Grauens: Ermittler fanden auf dem Computer des New Yorker Polizisten Gilberto V. einen Katalog von mindestens hundert Frauen samt Namen, Adressen, Geburtsdaten und Fotos. Außerdem konnten die Sicherheitskräfte E-Mails und Protokolle aus einschlägigen Chats sicherstellen, in denen der Mann von Kannibalismus-Phantasien und Entführungsplänen sprach.

Der 28-Jährige habe Pläne gehabt, "junge Frauen zu entführen, zu vergewaltigen, zu quälen, zu töten und in Teilen zu essen", sagte ein Mitarbeiter der New Yorker Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Weil V. Schritte unternommen habe, seine Phantasien in die Tat umzusetzen, sei er festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Um welche Schritte es sich handelt und wie konkret sie tatsächlich waren, ließ die Anklagebehörde aber offen.

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Polizist mit Kannibalismus-Phantasien: "Schockierende Worte und Taten"
V., der einen Universitätsabschluss in Psychologie und Strafrecht hat, arbeitete seit sechs Jahren bei der New Yorker Polizei. Inzwischen wurde er suspendiert. Seine Position missbrauchte er möglicherweise, um sich Informationen zu beschaffen. Die bei V. gefundenen Daten stammten den Ermittlern zufolge zum Großteil aus einer vertraulichen Datenbank der Strafverfolgungsbehörde. Einige der in den Dateien aufgeführten Frauen seien bereits vom FBI identifiziert worden und hätten ausgesagt, V. seit einiger Zeit zu kennen. Andere kenne er noch aus Schulzeiten. Mindestens zwei Frauen soll V. gestalkt haben, mit mindestens einer Frau habe er sich getroffen - ausgerechnet in einem Restaurant.

Die Ex-Frau der Verdächtigen habe das FBI auf dessen Internet-Aktivitäten aufmerksam gemacht, berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Ermittler.

"Mehr als nur Gerede"

V. sitzt unter anderem wegen Verschwörung zur Entführung und unerlaubter Nutzung von Daten der Strafverfolgungsbehörden in Haft. Das Gericht ließ keine Kaution zu. Richter Henry Pitman betonte, Schritte von V. ließen darauf schließen, dass es "mehr als nur Gerede" sei.

In einem der Dokumente auf dem Computer des Verdächtigen seien nicht nur die persönlichen Informationen einer Frau erfasst gewesen, sondern auch "benötigte Materialien", wie ein Auto, Chloroform und ein Seil. V. habe detailliert formuliert, wie er die Frau an eine Art Apparat binden und dann langsam kochen wolle. Außerdem habe er davon gesprochen, wie eine Frau in seinen Ofen passe. Der Beamte habe zudem Methoden recherchiert, wie man Frauen außer Gefecht setzen und betäuben könne, berichteten die Ermittler.

Im Februar soll V. mit einem Chat-Partner darüber kommuniziert haben, eine ihm persönlich bekannte Frau für den anderen zu entführen. "5000 Dollar, und sie gehört dir", soll V. geschrieben haben. Auswertungen seines Mobiltelefons zeigten, dass er aus dem Viertel, in dem die Frau wohnt, Anrufe tätigte.

Die Pläne des Polizeibeamten seien grausam gewesen, sagte FBI-Vizechefin Mary Galligan: "Es wäre absolut untertrieben zu sagen, dass seine Worte und Taten schockierend waren." Manhattans Oberstaatsanwalt Preet Bharara kommentierte, der Fall sei umso erschreckender, als der Verdächtige Polizist sei und damit einen Eid abgelegt habe, die Bevölkerung zu schützen.

Die Verteidigerin von V. forderte am Donnerstag eine Kaution mit der Begründung, ihr Mandant habe sich lediglich einer "anormalen Phantasie" schuldig gemacht. Er habe die Grenze von Phantasie zur Realität aber nie überschritten: "Er ist schlimmstenfalls jemand, der sexuelle Phantasien über Bekannte hat und darüber im Internet spricht."

Ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft sagte hingegen, V. sei nah dran gewesen, die "grotesken und verstörenden" Pläne auszuführen.

Obwohl der Polizist seine Pläne nicht in die Tat umsetzte und keine Frauen zu Schaden kamen, droht ihm wegen geplanter Entführung lebenslange Haft.

siu/AP



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