Prozess gegen "El Chapo" Richter genehmigt anonyme Jury

Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán sitzt zwar in Einzelhaft. Trotzdem hat er seine Anhänger wohl überall. Um die Jury im Prozess zu schützen, soll sie anonym bleiben.

Joaquín "El Chapo" Guzmán
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Joaquín "El Chapo" Guzmán


Die zwölf Geschworenen im Prozess gegen Joaquín "El Chapo" Guzmán werden anonym über das Schicksal des mexikanischen Drogenbosses entscheiden können. Das genehmigte jetzt Richter Brian Cogan.

Cogan wolle die Geschworenen vor "El Chapo" schützen. Deshalb habe er den Antrag der Staatsanwaltschaft genehmigt. Als Chef des Sinaloa-Kartells habe Guzmán durch Auftragskiller einst vermutlich Hunderte Menschen ermorden, angreifen und entführen lassen. Deshalb sei er in New York auch in Einzelhaft untergebracht, um Kontakte mit der Außenwelt zu verhindern, schreibt Cogan.

"Wir sind Killer, die sich um ihn kümmern werden"

Ein weiterer Grund für seine Entscheidung sei eine Videobotschaft, die kalifornische Häftlinge gefilmt hatten und die im Januar auf YouTube auftauchte. Darin bekennen sie sich als Unterstützer des Drogenbosses. "Wir sind Killer, die sich um ihn kümmern werden", sagen sie in dem Video auf Spanisch laut der "Los Angeles Times" und erklären, dass Guzmán dort "mehr als 3500 Soldaten" habe.

Nach Cogans Entscheidung werden weder Reporter noch die Prozessparteien die Namen und privaten sowie beruflichen Adressen der Juroren erfahren. Außerdem wird die Jury während des gesamten Verfahrens durch den Marshals Service - der Polizei des US-Justizministeriums - von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Die Verteidiger des Drogenbosses hatten bislang argumentiert, dass der Einsatz einer anonymen Jury die Unschuldsvermutung des Angeklagten untergraben würde. Bislang haben sie sich noch nicht zu der Entscheidung des Richters geäußert. Bereits im November 2017 hat Guzmáns Anwalt eine neuropsychologische Untersuchung des Drogenbosses beantragt. "El Chapo" leide an Depressionen sowie "Halluzinationen des Gehörs". Zudem könne er sich immer schlechter an Menschen, Orte und Ereignisse erinnern, sagte sein Anwalt damals.

Guzmán war im Januar 2017 von den mexikanischen Behörden an die USA ausgeliefert worden. Dem früheren Chef des Sinaloa-Kartells droht lebenslange Haft. Die US-Regierung wirft dem in 17 Punkten angeklagten Guzmán vor, für den Tod Tausender Menschen und den Schmuggel Tausender Tonnen Drogen in die USA verantwortlich zu sein. Mit seinen kriminellen Geschäften soll "El Chapo" mehr als 14 Milliarden Dollar verdient haben. Weder die mexikanischen noch die US-Sicherheitsbehörden konnten bisher ermitteln, wo sich das Geld befindet. Der Prozess gegen Guzmán soll voraussichtlich im September in New York beginnen.

vik/dpa/Reuters



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