Zu Unrecht verurteilt Vermeintlicher Mörder kommt nach 20 Jahren frei

Richard Rosario war nach Aussage mehrerer Zeugen in Florida, als 1996 ein Jugendlicher in New York erschossen wurde. Dennoch wurde Rosario verurteilt. 20 Jahre saß er im Gefängnis, nun wurde der Schuldspruch gekippt.

Richard Rosario (3.v.l.) mit Sohn, Ehefrau und Tochter
AP

Richard Rosario (3.v.l.) mit Sohn, Ehefrau und Tochter


Richard Rosario wischte sich Tränen aus dem Gesicht, als im Gerichtssaal die Entscheidung verkündet wurde: Der 40-Jährige aus den USA kommt frei, nachdem er 20 Jahre im Gefängnis saß - zu Unrecht verurteilt für einen Mord. "Meine Familie hatte das nicht verdient. Ich hatte das nicht verdient, genauso wenig wie die Familie des Opfers", sagte Rosario über seine lange Haftzeit.

"Heute gab es ein Mindestmaß an Gerechtigkeit", sagte Rosarios Anwalt Glenn Garber. "Aber er ist noch nicht vollständig rehabilitiert, und wir hoffen, dass das bald geschieht."

Staatsanwältin Darcel Clark hatte empfohlen, den alten Schuldspruch gegen Rosario aufzuheben. Die Anklage bleibt dagegen vorerst weiter bestehen, nun wird neu ermittelt. Dann könnte Rosario neu angeklagt oder die Anklage fallen gelassen werden.

Es sieht danach aus, als habe Rosario nicht mehr viel zu befürchten. Denn dieses Mal werden sich die Fehler nicht wiederholen, die seine damaligen Verteidiger im Mordprozess machten. Rosario war 1996 wegen Mordes an dem 17-jährigen Jorge Collazo in New York verurteilt worden. Er hatte 13 Zeugen benannt, deren Aussagen hätten bestätigen können, dass er zur Tatzeit bei einem Freund in Florida war.

Rosarios Anwälte und auch die Staatsanwaltschaft sind sich einig, dass Rosarios damalige Verteidiger nicht genug taten, um die entlastenden Zeugen vor Gericht aussagen zu lassen. Auch die Polizei versuchte nicht, die Leute zu kontaktieren.

Dutzende Urteile aus New York gekippt

So beruhte das Urteil einzig auf der Aussage zweier Zeugen, die Rosario in einem Buch mit Polizeifotos erkannt haben wollten. Es gab ansonsten keinerlei belastende Indizien.

Rosario ging gegen den Schuldspruch vor. Aber in einem Berufungsprozess sagte der Richter, Entlastungszeugen könnten nichts zum Fall beitragen, weil sie mit Rosario befreundet seien. Erst 2004 wurden die Aussagen einiger Zeugen doch noch gehört.

Rosario gehört zu den mehr als zwei Dutzend New Yorker Verurteilten aus den Achtziger- und Neunzigerjahren, deren Urteile in den vergangenen fünf Jahren gekippt wurden. Der Fall zeige die Unzuverlässigkeit von Zeugenaussagen, die Gefahren schlechter Verteidigung und die Schwierigkeit, einen zweifelhaften Schuldspruch anzufechten.

Rosario ist nun wieder bei seiner Frau und seinen zwei Kindern. Er will sich für Verurteilte einsetzen, denen es so ergangen ist wie ihm. Die Angehörigen des Mordopfers Jorge Collazo sind weiterhin von Rosarios Schuld überzeugt. "Wir wollen die Wahrheit", sagte Collazos Schwester Guanica. Es sei an der Zeit, dass Rosario endlich seine Schuld gestehe.

ulz/AP

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