Niedersachsen Fehde zwischen Großfamilien - Polizei durchsucht 23 Wohnungen

Waffen und waffenähnliche Gegenstände haben Hunderte Polizisten bei einer Razzia in Niedersachsen beschlagnahmt. Hintergrund ist ein Streit zwischen zwei Großfamilien, der Ende Juli eskalierte.

Polizeieinsatz in Nienburg
DPA

Polizeieinsatz in Nienburg


Hunderte Polizisten haben in Nienburg und Umgebung Wohnungen und Häuser von zwei rivalisierenden Großfamilien durchsucht. Dort hatten sich laut Polizei im Juli mehrere Personen auf offener Straße eine Auseinandersetzung geliefert, bei der es Verletzte gab.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Verden wurden zahlreiche Waffen und waffenähnliche Gegenstände beschlagnahmt. Insgesamt wurden demnach 23 Objekte durchsucht. Festnahmen habe es nicht gegeben, sagte Sprecher Martin Schanz. Bei der Aktion war nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums auch die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei beteiligt.

Hintergrund der Durchsuchungen ist nach Angaben der Behörden eine schon länger anhaltende Fehde zwischen den polizeibekannten Großfamilien, die seit langem in Nienburg leben. Ende Juli hatte die Auseinandersetzung einen vorläufigen Höhepunkt. Dutzende zum Teil bewaffnete Beteiligte lieferten sich Auseinandersetzungen auf einer Straße. Zwei Männer wurden schwer verletzt. Es seien auch Schüsse gefallen, sagte ein Polizeisprecher.

"Eine klare Antwort des Rechtsstaats"

Die Durchsuchungen sollten jetzt vor allem dazu dienen, Waffen und andere Tatwerkzeuge aufzuspüren. Wegen der Vielzahl der durchsuchten Objekte und zur Eigensicherung der Beamten seien dazu zahlreiche Spezialeinheiten angefordert und eingesetzt worden, sagte Schanz. Die Spezialeinheiten stammten aus 13 Bundesländern. Viele Mitglieder beider Familien seien durch Gewalt- und Eigentumsdelikte aufgefallen, sagte der Polizeisprecher.

Zum Hintergrund der Fehde machten die Behörden keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 29 Beschuldigte im Alter zwischen 17 und 61 Jahren unter anderem wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte jetzt zu der Polizeiaktion: "Das rechtswidrige Agieren krimineller Gruppen wird im Ansatz unterbunden. Wer deutsche Gesetze und Normen ignoriert und das Recht in die eigenen Hände nimmt, bekommt eine klare Antwort des Rechtsstaats."

bbr/dpa



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