Nötigungsprozess Ottfried Fischer soll aus Angst geschwiegen haben

Mit einem Sex-Video soll Ottfried Fischer zu einem "Bild"-Interview genötigt worden sein. Zum Berufungsprozess in München erschien der an Parkinson erkrankte Schauspieler erneut nicht als Zeuge. Sein ehemaliger Berater jedoch hatte Spannendes zu berichten.

dapd

Ottfried Fischer war nicht gekommen, wegen gesundheitlicher Probleme. Auch ein weiterer wichtiger Zeuge fehlte. So entbehrte der zweite Verhandlungstag im Verfahren gegen den ehemaligen "Bild"-Redakteur Wolf-Ulrich Sch. des großen Spektakels, das das Publikum in den Münchner Gerichtssaal hatte streben lassen.

Denn es ging - wieder einmal - um angebliche Nötigung durch "Bild" sowie eine angebliche "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs" des 57 Jahre alten Kabarettisten und Schauspielers Fischer.

In erster Instanz war Sch. vom Amtsgericht München zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilt worden, weil er den Schauspieler durch eine Drohung mit einem empfindlichen Übel veranlasst haben soll, der "Bild"-Zeitung Interviews zu geben. Jenes Übel soll darin bestanden haben, dass Sch. im Besitz einer CD mit Videoaufnahmen war, die Fischer in zwei- oder eher eindeutiger Situation mit zwei Prostituieren in seiner Wohnung zeigten.

Das erste Gericht, das über die Sache zu befinden hatte, versuchte, Sch. mit der Aussicht, andernfalls mit einer Freiheitsstrafe rechnen zu müssen, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, zu einem Geständnis zu bewegen. Sch. aber gestand nicht, sondern bestritt, Fischer je gedroht zu haben. Das erste Gericht aber war der Auffassung, eine "Verwertung des Videos" habe im Raum gestanden - obwohl davon wohl nie die Rede war, da das Material sogar der "Bild"-Zeitung "zu heiß" war.

Ulrich Ziegert, der Sch. jetzt in der Berufungsverhandlung vertritt, bestreitet, dass sein Mandant je von dem Video hätte Gebrauch machen wollen. Er habe Fischer nie gedroht, etwa nach dem Motto: Entweder Interview - oder wir bringen den Film.

"Druckausübung? In keinster Weise!"

Dieser Montag, der zweite Verhandlungstag, brachte aber durchaus Neues ans Licht. So wurde etwa ein Münchner Rechtsanwalt als Zeuge gehört, der Fischer in jener Zeit, also in September und Oktober 2009, presserechtlich beraten hatte. Dieser Zeuge war in erster Instanz nicht geladen.

"Herr Fischer hatte mich gebeten", sagte dieser Anwalt als Zeuge, "ein Interview mit 'Bild' zu begleiten. Ich sollte zusammen mit seiner Agentin Frau M. Fragen und Antworten auf etwaige Verletzungen seiner Persönlichkeitsrechte überprüfen. Das habe ich getan." Vorausgegangen sei eine für Fischer negative Berichterstattung über seine Kontakte zu Prostituierten. "Mir wurde gesagt, Herr Fischer wolle sich gegenüber 'Bild' äußern."

Die Vorsitzende Richterin der 22. Strafkammer, Susanne Emmerich, fragte sofort nach: "Wurde mal von Druck gesprochen? Dass die Zeitung Druck ausgeübt habe auf Herrn Fischer?" "In keinster Weise", antwortet der Anwalt.

Auch die Agentin, die bei der Polizei noch Angaben in Richtung "Druck" gemacht hatte, rudert inzwischen zurück: "Ich war der Meinung, wir gehen einen Schritt auf die Kollegen zu und machen etwas Positives, bevor wir etwas Negatives in Kauf nehmen müssen, was wir nicht beeinflussen können", sagte sie schon in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht.

"Hatten Sie Herrn Fischer zu den Interviews geraten?" fragte die Vorsitzende den Presserechtler weiter. "Es sollte ein Interview geführt werden. Ich sah dafür kein Hindernis. "Bild" ist ja ein Medium mit großer Reichweite, und wenn man darin eine Stellungnahme abgegeben kann... Die Frage, ob man sich überhaupt in "Bild" äußern soll, wurde gar nicht an mich gestellt."

Alle Fragen und Antworten seien mit Fischer sowie der Agentin M. abgestimmt worden. "Wieso mit der Agentin?" will die Richterin wissen. "Wegen der medialen Wirkung", antwortet der Presserechtler.

Verbale Plänkeleien gehören dazu

Ziegert hat nicht nur in München einen Namen. Die Anwälte Fischers - Steffen Ufer und Christoph Knauer - ebenso. Gelegenheiten zu verbalen Plänkeleien lässt keine Seite ungenutzt, bis die Vorsitzende mit strengem Blick fragt: "Müsst's Ihr Euch eigentlich dauernd so aufführen? Ich brauch' das jedenfalls nicht!"

"Es gehört halt dazu", beschwichtigt Steffen Ufer, dessen Sohn damals Fischers Berater in Sachen Strafrecht war. Die Agentin M. hatte in erster Instanz vor Gericht gesagt: "Ich habe jeden Schritt, den ich machte, mit dem Medien- und dem Strafrechtsanwalt abgesprochen." Und Fischer hatte bekundet, der Beauftragung seiner Agentin habe die Idee zugrunde gelegen, "den negativen Artikel der Bild durch positive Artikel aufzubessern. Wir wollten eine positive Presse machen."

Ziegert: "Über Interviews mit der Bild-Zeitung Pressearbeit zu machen und so einer negativen Berichterstattung in den Medien zu begegnen, entsprach nicht nur den zeitnahen Überlegungen der Zeugen M. und Fischer. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt vielmehr, dass Interviews in der "Bild"-Zeitung vom Zeugen Fischer eingesetzt werden, um in persönlich schwierigen Situationen eine offensive Pressearbeit zu gestalten, die Flucht nach vorn anzutreten."

Und in der Tat. In der "Bild"-Zeitung konnte man über Fischers Erkrankung an Parkinson lesen, und auch seine Ehekrise beschrieben er und seine Frau ausführlich und wechselseitig. Ziegert argumentiert, das lasse sich bis ins Jahr 1990 zurückverfolgen: "An der Berichterstattung meines Mandanten "kann man allenfalls kritisieren, dass seine Interviews fast Hofberichterstattung waren." Doch darauf kommt es beim Tatbestand "Nötigung" nicht an.

Nebenklagevertreter Ufer: "Unser Mandant hatte solche Angst, dass er sich nicht mal seinen Anwälten anvertraute." Die Fortsetzung des bisweilen kabaretthaft anmutenden Prozesses folgt am 13. April.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
schinkenbrot 29.03.2011
1. Überprüft eigentlich irgendjemand die Qualität...
...der Artikel? Von analytischer Schärfe ist hier eher weniger zu lesen, eher von fahrigem Getippe, wirkt sehr ungeordnet...
th4416 29.03.2011
2. Seltsamer Artikel
Dieser Artikel ist eine unterschwällige Vorverurteilung. Bild-Niveau!
bluesheimer 29.03.2011
3. Außer Spesen? Nix gewesen!
Meinen Vorrednern in #2 und #3 stimme ich vollends zu und möchte den geneigten Leser deshalb auffordern, nach der Autorin zu googeln. Ein mögliches Ergebnis ist dieser "Emma"-Beitrag hier: http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2010/sommer-2010/friedrichsen/ Ich finde, als die Autorin G.Friedrichsen den Artikel verfasste hatte sie einen ganz schlechten Tag. Die Redaktion hatte ihn, als sie den Artikel freischaltete - und ich möchte keinen, deshalb mache ich mir hier Luft.
herrtesla 29.03.2011
4. Kann ich nicht sehen
Zitat von th4416Dieser Artikel ist eine unterschwällige Vorverurteilung. Bild-Niveau!
Hm, ich geb mir Mühe, auch mit der Rechtschreibung, aber ich wüsste nicht mal, wer hier vorverurteilt werden soll. Kann ja rein technisch nur der Angeklagte sein, aber der wird hier doch eindeutig entlastet. Mir sieht das eher nach reflexhaftem und leider völlig unkonkreten Friedrichsen-Bashing aus... falls nicht, würde ich gerne mal Details hören: An welcher Stelle wird hier in Bezug auf was welche vorverurteilende Aussage gemacht?
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