Schießerei an Grundschule US-Behörden veröffentlichen Notrufe vom Newtown-Massaker

Fast genau ein Jahr nach dem Amoklauf von Newtown, bei dem 27 Menschen starben, haben US-Behörden die Notrufaufnahmen veröffentlicht. In den Ausschnitten ist teils das Knallen der Schüsse im Hintergrund zu hören. Eine Nachrichtenagentur hatte auf Herausgabe des Materials geklagt.

AP Photo/Office of the Connecticut States Attorney Judicial District of Danbury

Hartford - "Ich habe jemanden gesehen. Sie rennen über den Flur. Oh, sie rennen und schießen immer noch. Sandy Hook Schule, bitte", sagt eine Frau, die nach Atem ringt. Sie ist die erste, die die Polizei am 14. Dezember 2012 über den Amoklauf an der Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut informiert, bei dem 27 Menschen sterben, 20 davon Schüler. Erst jetzt, fast genau ein Jahr später, sind die Mitschnitte der Notrufe veröffentlicht worden.

Es sind kleine Tonschnipsel, sieben insgesamt. Darauf zu hören sind Passanten, die offenbar vor der Schule stehen, aber auch eine Lehrerin, der in den Fuß geschossen wurde und die sich mit Kindern in einem Klassenraum verschanzt. "Bleibt ruhig, halte alle von den Fenstern fern", raten die Polizisten am anderen Ende der Leitung. Unter den Anrufern ist auch ein männlicher Zeuge. "Es geschieht weiterhin", sagt er den Polizisten der Notrufzentrale, dann ist im Hintergrund das Knallen von Schüssen zu hören.

Der 20-jährige Adam Lanza hatte damals in der Grundschule mit einem halbautomatischen Gewehr um sich geschossen. Vor wenigen Tagen erst legte die Staatsanwaltschaft den Abschlussbericht zu dem Amoklauf vor. Das genaue Motiv des Todesschützen ist demnach weiter unklar. Lanza sei aber psychisch krank gewesen und habe eine Faszination für Massenmorde und Waffen gehabt.

Unbeantwortete Anrufe

Dass die Aufnahmen der Notrufe erst jetzt veröffentlicht wurden, liegt an einem Rechtsstreit, der zuvor darüber geführt worden war. Die Staatsanwaltschaft wollte die Mitschnitte aus Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer nicht veröffentlichen. Die Nachrichtenagentur AP klagte nach eigenen Angaben dagegen. Es gehöre zur journalistischen Aufgabe, diese Quellen auswerten und zugänglich machen zu können. Ein Gericht gab AP schließlich recht.

Noch vor der vereinbarten Sperrfrist stellte die "Connecticut Post" die Aufnahmen online. Daraus geht laut AP hervor, dass das Telefon in der Notrufzentrale zur Zeit des Amoklaufs drei Mal klingelte, aber niemand abnahm. Erst beim vierten Mal wurde der Anruf demnach entgegen genommen.

Zu dem Zeitpunkt soll die Polizei aber schon vor Ort gewesen sein. Vier Minuten habe es vom ersten Anruf bis zum Eintreffen der Beamten gedauert. Jedoch seien sechs weitere Minuten vergangen, bevor die Polizisten tatsächlich im Gebäude waren, berichtet AP weiter. Eine Minute später schoss sich der Täter.

vks/AP/AFP



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gamh 05.12.2013
1. Schöner Umsatz
Und die Waffenhersteller und -händler reiben sich die Finger ob des Umsatzes. Die NRA forderte nach dem Massaker doch glatt die Bewaffnung der Lehrer bis an die Zähne - noch mehr Umsatz! Ich gratuliere diesem Land mit seinen tollen Errungenschaften. Dank künftigem Freihandelsabkommen dürfen wir uns in Zukunft womöglich auch noch bei uns darüber freuen. Heckler & Koch und Konsortten hätten sicher nichts dagegen. Danke, langt schon !!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.