Fall Noura Hussein Gericht im Sudan hebt Todesstrafe gegen 19-Jährige auf

Noura Hussein sollte wegen Mordes an ihrem Ehemann hingerichtet werden. Sie sprach von Vergewaltigung und Notwehr, der Fall im Sudan sorgte weltweit für Aufsehen. Nun hob ein Gericht die Todesstrafe auf.


Ein Gericht im Sudan hat das Todesurteil gegen die 19-jährige Noura Hussein aufgehoben. Der Fall der jungen Frau hatte weltweit für Schlagzeilen und Proteste gesorgt - er wirft ein Schlaglicht auf Zwangshochzeiten und Vergewaltigungen in der Ehe. Hussein hatte mit einem Messer den Mann angegriffen, mit dem sie verheiratet worden war. Ihren Angaben zufolge habe er versucht, sie erneut zu vergewaltigen. Er erlag seinen Verletzungen.

Dafür wurde die 19-Jährige im Mai zum Tode verurteilt. Eine Gerichtsentscheidung, die großen Protest auslöste: Mehr als 1,4 Millionen Menschen unterschrieben eine Online-Petition, die zur Gerechtigkeit für Hussein aufrief. Auch die Vereinten Nationen und die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung hatten das Todesurteil scharf kritisiert.

Nun ist das Todesurteil zwar aufgehoben. Aber wie Husseins Anwälte gegenüber CNN sagten, soll die junge Frau nun eine fünfjährige Haftstrafe antreten. Ihre Familie müsse zudem umgerechnet rund 16.000 Euro an die Familie des gestorbenen Mannes zahlen. Husseins Verteidiger kündigten an, gegen die Haft- und Geldstrafe vorgehen zu wollen.

Dass die Verurteilung zum zum Tode nun aufgehoben wurde, liegt CNN zufolge daran, dass das Gericht Husseins Version des Tatgeschehens für glaubwürdig befand. Sie hatte angegeben, die Tatwaffe - ein Messer - unter einem Kopfkissen gefunden zu haben, als ihr Ehemann sie erneut habe vergewaltigen wollen. Die Anklage hingegen hatte Hussein beschuldigt, das Messer aktiv aus der Küche geholt und ins Schlafzimmer gebracht zu haben.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die jüngste Entscheidung des Gerichts. Nun müsse allerdings sichergestellt werden, dass Noura Hussein die letzte Person sei, die so etwas durchmachen müsse, hieß es in einer Mitteilung. Sie sei Opfer einer brutalen Attacke geworden. Dafür, dass sie in Notwehr gehandelt habe, sei eine fünfjährige Haftstrafe eine unangemessen hohe Bestrafung.

Im Sudan dürfen Kinder ab dem Alter von 10 Jahren heiraten beziehungsweise verheiratet werden. Häusliche Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe stehen nach Angaben der Vereinten Nationen im Sudan noch immer nicht unter Strafe.

aar



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