NRW Gericht verurteilt Auftragsmörder der Mafia

Erst erschoss er eine Rentnerin, dann tötete er einen italienischen Gastwirt: Das Landgericht Hagen schickt den 48-Jährigen dafür nun lebenslang in Haft. Seine zweite Bluttat beging er laut Kammer im Auftrag - und für 800 Euro.


Hagen - Wegen zweifachen Mordes hat das Landgericht Hagen am Freitag einen 48-Jährigen zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der aus Sachsen stammende Mann hatte im Prozess gestanden, im März 1999 in Altena (Märkischer Kreis) eine Rentnerin erschossen sowie im Oktober 2006 den Besitzer einer Kölner Pizzeria getötet zu haben. Bei der zweiten Tat soll es sich um einen Auftragsmord gehandelt haben. Während der Verhandlung hatte der Angeklagte, der zuletzt in Neuenrade wohnte, Hinweise auf die Hintermänner gegeben. Sie sollen aus dem Mafia-Milieu stammen.

Den Mord an der Rentnerin wertete das Gericht als spontane Verdeckungstat. Der Angeklagte habe befürchtet, nach einem Einbruch und Diebstahl von der Frau erkannt zu werden. Er tötete die 79-Jährige mit mehreren Schüssen in ihrer eigenen Wohnung.

Als "klassischen Auftragsmord" indes bezeichnete der Vorsitzende Richter Frank Schreiber die zweite Tat. Der Angeklagte, dem während der Verhandlung "deutliche narzisstische Persönlichkeitsanteile" bescheinigt wurden, hatte ausgesagt, die Hintermänner hätten ihm 10.000 Euro für die Tat versprochen. Er habe den italienischen Restaurantbesitzer töten sollen, damit dieser die Hochzeit seiner Tochter nicht mehr erlebe, so Staatsanwalt Klaus Knierim am Freitag in seinem Plädoyer. Hintergrund seien Geldangelegenheiten gewesen. Der Täter selbst habe später nach eigener Aussage lediglich 800 Euro von seinen Auftraggebern bekommen.

Die Töchter des Kölner Mordopfers nahmen als Nebenkläger an dem Prozess teil. Sie wollten nicht als "Racheengel" auftreten, sagte ihr Anwalt Bernd Neunzig in seinem Schlusswort. Sie wollten lediglich die Hintergründe der Tat erfahren. Jedoch habe er selten "ein solch gefühlloses Auftreten eines Angeklagten erlebt", sagte der Anwalt. "Wie ein Handwerker, der seine Arbeit ausführt."

Das Hagener Schwurgericht wertete in seinem Urteil beide Taten als Mord und verhängte in jedem Fall die lebenslange Haft. Es ordnete auch, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, die nachträgliche Sicherungsverwahrung an. Nicht zuletzt, weil es sich bei dem Angeklagten um einen sogenannten Hang-Täter handele, der immer wieder rücksichtslos von der Waffe Gebrauch gemacht habe. So war der jetzt Verurteilte bereits früher mehrfach in Haft. Unter anderem wegen mehrerer Banküberfälle.

jdl/dapd



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