Schwarzarbeit in Nordrhein-Westfalen Zoll nimmt acht Personen bei Razzia fest

Ermittler haben mehrere Personen festgenommen und Waffen, Bargeld sowie Fahrzeuge sichergestellt. Es soll sich um den "bislang größten Schlag" gegen Schwarzarbeit in Nordrhein-Westfalen handeln.

Festnahme im Rahmen der Razzia
DPA

Festnahme im Rahmen der Razzia


Der Zoll hat bei einer landesweiten Razzia gegen organisierte Schwarzarbeit am Bau in Nordrhein-Westfalen ein kriminelles Netzwerk ausgehoben, das einen Schaden von rund 48 Millionen Euro verursacht haben soll. Die Ermittler nahmen acht Personen fest. An der Betrugsmasche sollen 450 Baufirmen beteiligt gewesen sein, teilten Zoll und Polizei mit.

Am Dienstag waren mehr als 1100 Beamte von Zoll und Polizei im Einsatz. Sie durchsuchten demnach 140 Wohnungen und Geschäftsräume. Sechs Männer und zwei Frauen im Alter 31 bis 72 Jahren seien mit Haftbefehl festgenommen worden. Die Fahnder beschlagnahmten Waffen, darunter zwei automatische Armbrüste, Bargeld und mehrere Fahrzeuge. Auch Spezialkommandos der Polizei waren im Einsatz. Laut Armin Rolfink, dem Direktionspräsident der Generalzolldirektion, handelte es sich um den bisher größten Schlag gegen die Schwarzarbeit in Nordrhein-Westfalen.

Nach Angaben der Ermittler haben die Beschuldigten über ihr Firmengeflecht den Bauunternehmen Scheinrechnungen für gar nicht erbrachte Leistungen ausgestellt. Die Firmen hätten die Rechnungen bezahlt und das Geld - nach Abzug einer Provision von bis zu zehn Prozent - in bar zurück erhalten, sagte der Sprecher der Ermittlungskommission, Heinz Michael Horst. Es handele sich um einen Fall von erheblichen Dimensionen. Gegen die 450 Käufer der Scheinrechnungen seien eigene Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Die Scheinrechnungen seien als Betriebsausgaben verbucht worden. Mit dem von den Scheinfirmen zurückgezahlten Geld hätten die Bauunternehmen dann tatsächliche Schwarzarbeit bezahlt. Auf diese Weise hätten die Firmen Steuern und Sozialabgaben hinterzogen. Horst sprach von einem System, "aus Weißgeld Schwarzgeld zu machen". Die Scheinrechnungen hätten sich auf Beträge von bis zu vier Millionen Euro belaufen. Das zeige, dass nicht nur kleine Firmen beteiligt gewesen seien, sagte Horst.

Die Ermittlungen liefen bereits seit 2016. Bisher konnten den Angaben zufolge 14 Scheinfirmen aufgedeckt werden, die von den acht Hauptbeschuldigten über 28 Strohmänner gesteuert wurden. Diese "Servicefirmen" wurden jeweils nach kurzer Zeit abgemeldet, die Strohmänner tauchten regelmäßig unter.

Der bei den Ermittlungen leitende Wuppertaler Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert sagte, er handele sich um "hochprofessionelle Täter". Wenn den Beschuldigten vor Gericht Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall nachgewiesen werde, drohten ihnen je Fall Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Zudem müssten sie mit Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe rechnen.

bbr/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.