NS-Kriegsverbrechen Polizei sucht Zeugen für Mord an Einstein-Angehörigen

Deutsche Soldaten erschossen im August 1944 in Italien die Frau und die beiden Töchter von Robert Einstein. Der Cousin des Nobelpreisträgers Albert Einstein nahm sich wenig später das Leben. Jetzt sucht die Polizei nach einem Zeugen des Verbrechens.


Stuttgart - Mord verjährt nicht: 66 Jahre nach dem Nazi-Mord an Angehörigen des Nobelpreisträgers Albert Einstein bei Florenz wird noch ein Zeuge gesucht. Ein deutscher Soldat aus dem Mordkommando hatte sich nach dem Stand der Ermittlungen vorher eindeutig von der Tat distanziert und deswegen in einem anderen Gebäudeteil aufgehalten, wie die Staatsanwaltschaft Landau/Pfalz und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg am Freitag gemeinsam mitteilten. Dieser Soldat wird nun als wichtiger Zeuge gesucht.

Am 3. August 1944 drangen bislang unbekannte Soldaten in Rignano sull'Arno bei Florenz in das Haus von Robert Einstein ein. Der Cousin des Physikers Albert Einstein war aufgrund seines Namens als Jude erkannt und gesucht worden. Deshalb hielt er sich in der Nähe seines Hauses versteckt. Die Soldaten beschuldigten seine Frau und die beiden 18 und 27 Jahre alten Töchter der Spionage und erschossen sie. Robert Einstein beging im folgenden Jahr aus Verzweiflung Selbstmord.

Seit 2007 wird in dem Fall wieder ermittelt. Damals war die Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen auf neue Täterhinweise gestoßen. Die Ermittlungsgruppe "Nationalsozialistische Gewaltverbrechen" des LKA hat die Tat inzwischen weitgehend rekonstruiert. Der gesuchte Zeuge soll damals etwa 18 bis 20 Jahre alt gewesen sein. Von ihm erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise über die für das Massaker verantwortliche Einheit und die verantwortlichen Offiziere. Es wurde eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt.

jdl/dpa



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Vanagas 21.10.2009
1. Warum erst jetzt?
Es gibt nach so langer Zeit kann es keine Gerechtigkeit mehr geben. Das ist die Gnade eines langen Leben dieser Drecksäcke!
neonknight_ger 21.10.2009
2.
Zitat von sysopDas Bundesverfassungsgericht hat den Weg für den Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk frei gemacht. Die Karlsruher Richter wiesen zwei Verfassungsbeschwerden ab. Wie soll generell mit alten, mutmaßlichen NS-Tätern umgegangen werden?
Mord verjährt nicht, und es gibt auch keinen Grund, jemand nicht vor ein Gericht zu stellen, nur weil er alt ist. Allenfalls, wenn seine Gesundheit dies nicht mehr zulässt. Der Fall Demjanjuk weist aber eine besondere Note auf: Demjanjuk war kein überzeugter Nazi, sondern kämpfte zunächst in der Roten Armee gegen sie, geriet aber in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Zustände in den Gefangenenlagern beiderseits der Ostfront waren katastrophal: Die Wehrmacht hatte keine Anstalten getroffen, die von der Nazi-Propaganda als Untermenschen hingestellten Gefangenenmassen zu Beginn von Operation Barbarossa zu ernähren; Hunderttausende starben. Demjanjuk kann sich also viel mehr als andere NS-Täter darauf berufen, dass sein Leben in Gefahr gewesen ist. Bei anderen Schurken, vornehmlich solchen deutscher Herkunft, hat die bundesdeutsche Justiz aber noch ganz andere Ausflüchte gelten lassen. Es hat für mich einen äußerst bitteren Beigeschmack, wenn die bundesdeutsche Justiz jetzt ausgerechnet an einem NS-Opfer, das, um die eigene Haut zu retten, zum NS-Täter wurde, die Versäumnisse gegenüber anderen Tätern nachholt.
meinnameistschallundrauch 21.10.2009
3.
Man muss differenzieren. Deutschland war voll von kleinen Nazis. Dagegen konnte man im Nachhinein nichts machen und man musste diese Menschen wieder in unsere Demokratie einbinden. Das ist ein Verdienst von Konrad Adenauer auch wenn das, von einem moralischen Standpunkt aus, falsch erscheint. Wenn es sich allerdings um Massenmörder handelt und danach sieht es bei Demjanjuk ja aus, dann gilt: Ab in den Knast, abschliessen und Schlüssel wegwerfen. Was denn sonst?
ntholeboha 21.10.2009
4. Gerechtigkeit
Zitat von sysopDas Bundesverfassungsgericht hat den Weg für den Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk frei gemacht. Die Karlsruher Richter wiesen zwei Verfassungsbeschwerden ab. Wie soll generell mit alten, mutmaßlichen NS-Tätern umgegangen werden?
Es muss Gerechtigkeit fuer die Opfer und deren Angehoerige geben und dies auch dann, wenn schon so lange Zeit inzwischen vergangen ist. Kannten die Massenmoerder etwa das Wort Gnade? Es ist jeder vor Gericht zu bringen, der auch noch nach Jahrzehnten als mutmasslicher NS-Verbrecher greifbar ist; Alter, Gebrechen und sonstige Ach-und-weh-Rufe sind voellig nebensaechlich.
spiegel-hai 21.10.2009
5.
Zitat von sysopDas Bundesverfassungsgericht hat den Weg für den Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk frei gemacht. Die Karlsruher Richter wiesen zwei Verfassungsbeschwerden ab. Wie soll generell mit alten, mutmaßlichen NS-Tätern umgegangen werden?
"Gnade" kann doch nur aufgrund festgestellter Schuld ergehen, im Zusammenhang möglicher Unschuld wäre das Quatsch. Das gleiche gilt für den Begriff "Gerechtigkeit". Einem Unschuldigen kann man nur die Gerechtigkeit des Freispruchs zukommen lassen. Dem gerichtlich festgestellten Verbrecher könnte man die Gnade eines Verzichts auf die Vollstreckung der Strafe erweisen. Beides setzt aber die gerichtliche Aufarbeitung voraus. Ich bin sehr dafür, sämtliche noch bestehenden Verdachtsfälle gerichtlich aufzuarbeiten. Das ist die Gesellschaft den Opfern, sich selbst, den "Verdächtigen" in welchem Verfahrensstand auch immer und - zu allerletzt - auch den Familien derselben, schuldig.
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