NS-Verbrechen Vorermittlungen gegen Zeugen im Fall Demjanjuk

Es wird der letzte große NS-Kriegsverbrecherprozess: Ab Ende November muss sich John Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden von Fällen vor Gericht verantworten. Jetzt wird nach SPIEGEL-Informationen auch gegen einen Zeugen ermittelt.

Ab dem 30. November auf der Anklagebank: mutmaßlicher NS-Verbrecher John Demjanjuk
AP

Ab dem 30. November auf der Anklagebank: mutmaßlicher NS-Verbrecher John Demjanjuk


München - Für den am 30. November beginnenden Prozess gegen den 89-jährigen gebürtigen Ukrainer John Demjanjuk ist ein Zeuge benannt, der eine ähnliche Kriegs-Biografie aufzuweisen hat wie der Angeklagte, sich aber bislang nie vor Gericht verantworten musste. Samuel K., 88, gehörte wie mutmaßlich Demjanjuk auch zu den Trawnikis, einer Gruppe von ausländischen Helfern, die die SS als Gehilfen für den Massenmord im besetzten Osteuropa rekrutierte.

K. bewachte unter anderem Juden im Vernichtungslager Belzec, er besaß einen höheren Dienstgrad als Demjanjuk. Über seine Vergangenheit berichtete der Trawniki-Mann deutschen Ermittlern bei mehreren Gelegenheiten, 1969, 1975 und 1980. Zuletzt vernahmen ihn Beamte des Bayerischen Landeskriminalamtes im Juni dieses Jahres. "Uns war allen klar, dass dort die Juden vernichtet und später dann auch verbrannt wurden", sagte K. über seine Zeit als Wachmann in Belzec.

Gegen Samuel K., der in der Nähe von Bonn lebt, hat die "Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen" in Ludwigsburg ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet, das wie im Fall Demjanjuk in eine Anklage münden könnte. Der Vorwurf: K. sei "dringend verdächtig, Beihilfe zu der grausamen Ermordung von mindestens 434.000 Menschen geleistet zu haben".



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