NSU-Prozess Anwälte beantragen offenbar Freilassung Wohllebens

Ist Ralf Wohlleben bald ein freier Mann? Offenbar haben seine Anwälte beantragt, den NSU-Unterstützer aus der Haft zu entlassen. Das Oberlandesgericht München hatte ihn zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Ralf Wohlleben (Archiv)
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Ralf Wohlleben (Archiv)


NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben kommt möglicherweise bald aus der Haft frei. Nach SPIEGEL-Informationen haben die Anwälte des 43-Jährigen in der vergangenen Woche einen entsprechenden Antrag gestellt. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet.

Bernd Max Behnke, der im NSU-Prozess einen Nebenkläger vertreten hat, schätzt die Erfolgsaussichten als gut ein: "Ich würde davon ausgehen, dass das Gericht dem Antrag stattgibt", sagte er. Der Grund dafür sei das Verstreichen von zwei Dritteln der Haftzeit. Danach kann eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das Oberlandesgericht München hatte Wohlleben am vergangenen Mittwoch wegen Beihilfe zum Mord zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Sechseinhalb Jahre davon hat er bereits in Untersuchungshaft verbüßt.

Olaf Klemke, einer der drei Verteidiger Wohllebens, wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Verfahren äußern.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat unterdessen Revision gegen das Urteil gegen André E. eingelegt. Die Gründe der Entscheidung hingen im Einzelnen von der schriftlichen Urteilsbegründung des Oberlandesgerichts in München ab, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Gegen die Schuldsprüche gegen Beate Zschäpe oder die anderen drei Angeklagten gehe man nicht vor, sagte sie dem SPIEGEL: "Das deckt sich in wesentlichen Dingen mit dem, was wir beantragt haben."

Der Mitangeklagte André E. war zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Die Richter sprachen E. allerdings nicht der Beihilfe zum versuchten Mord schuldig, wie es die Bundesanwaltschaft gefordert hatte. Sie verurteilte den 38-Jährigen, der bei der Tarnung des "Nationalsozialistischen Untergrundes" im Untergrund geholfen haben soll, lediglich wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Die Verteidiger hatten einen Freispruch von sämtlichen Anklagepunkten für ihren Mandanten gefordert. Der Haftbefehl gegen ihn war noch am Mittwoch aufgehoben worden.

bbr/dpa



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