NSU-Prozess unterbrochen Richter verschiebt Zschäpe-Aussage

Mit Spannung war die Aussage von Beate Zschäpe am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München erwartet worden. Nun hat der Vorsitzende Richter den NSU-Prozess jedoch bis zum 17. November unterbrochen.

Beate Zschäpe vor dem OLG München: Aussage verschoben, NSU-Prozess unterbrochen
AFP

Beate Zschäpe vor dem OLG München: Aussage verschoben, NSU-Prozess unterbrochen


Die eigentlich für Mittwoch angekündigte Aussage der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe im NSU-Prozess wird verschoben. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl unterbrach den Prozess bis kommenden Dienstag, den 17. November.

Der Entscheidung waren zwei Anträge vorangegangen: Zunächst hatten Zschäpes Altverteidiger beantragt, von ihren Pflichtmandaten entbunden zu werden. Zudem stellten die Anwälte des Mitangeklagten Ralf Wohlleben einen Befangenheitsantrag gegen den gesamten Senat. Darüber muss ein anderer Senat des Münchner Oberlandesgerichts entscheiden.

Götzl machte keine Angaben dazu, ob Zschäpes Erklärung nun am kommenden Dienstag stattfinden soll.

Das Verfahren dauert nun bereits mehr als zwei Jahre. Am Montag war bekannt geworden, dass Zschäpe sich nun umfassend zur Anklage erklären wolle. Mathias Grasel, der erst seit Anfang Juli als vierter Pflichtverteidiger Zschäpes tätig ist, wollte am Mittwoch eine Einlassung vortragen.

In der Verhandlung am Dienstag ergänzte Grasel, dass Zschäpe bereit sei, auch Fragen des Gerichts zu akzeptieren - Fragen der als Nebenkläger auftretenden Opfer des Nationalsozialistischen Untergrund wolle sie aber nicht annehmen. Unklar blieb, ob Zschäpe die Fragen selbst beantworten will oder ihren Verteidiger antworten lassen will.

Die Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm erklärten, sie seien nicht in die Ankündigung der Einlassung eingebunden gewesen. Sie forderten ihre Entlassung, weil eine Verteidigung "im Sinne der Interessen unserer Mandantin" künftig nicht mehr möglich sei. Es sei nun offensichtlich, dass sie nur als "Fassade" für eine ordnungsgemäße Verteidigung herhalten sollen, sagte Verteidiger Heer.

NSU-Prozess

gam/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
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bo73 10.11.2015
1. Na super!
Klingt aber so, als ob an diesem Befangenheitsantrag was dran sein könnte. Sollte das Gericht, in der Hoffnung, das Verfahren schneller mit Geständnis abschließen zu können, tatsächlich die 3 Verteidiger unlauter umschifft haben?
ompo58 10.11.2015
2. Sehr gut!
Der vorsitzende Richter zeigt, dass er nicht nach der Pfeife der Angeklagten tanzt und lässt sie noch mindestens eine Woche zappeln.
danreinhardt 10.11.2015
3. Das elendige Los...
...der viel zu schnellen Berichtserstattung. Wäre erst nach der Aussage ein Artikel entstanden, wäre viel Zeit und unsinniges Furore gespart worden. Aber es muss ja immer schneller als die anderen Magazine/Dienstleister gehen.
femtom1nd 10.11.2015
4. ...
Endlich darf man kommentieren, dort wo sie uns sonst zensieren, Spannung spannte seinen Bogen die Aussage jedoch verschoben.
hubie 10.11.2015
5. Was für ein Theater
Was für ein Theater eine Terroristin mit unserem Rechtsapparat veranstalten kann. Zeugt nicht gerade von dessen Stärke - oder doch? Man sollte sie endlich aburteilen und sich nicht auf Kleinigkeiten versteifen (das ist wahrscheinlich das Problem, jedem Opfer gerecht zu werden). Die gehört hinter Schloss und Riegel, ein Leben lang, und keine Presseauftritte mehr. Soll sie es ihrer Zellenwand erzählen, was sie denkt.
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