NSU-Prozess Angeklagter Carsten S. fühlt sich mitverantwortlich für Morde

Im Prozess um die rassistisch motivierten Morde des rechtsradikalen NSU hat der Angeklagte Carsten S. sich zu seiner Verantwortung bekannt. Er habe sich schuldig gemacht, indem er dem Terror-Trio die mutmaßliche Tatwaffe übergeben habe.

Angeklagter Carsten S.: "Fühle auf jeden Fall eine Verantwortung"
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Angeklagter Carsten S.: "Fühle auf jeden Fall eine Verantwortung"


München - "Ich fühle auf jeden Fall eine Verantwortung, wie ich mich damals schuldig gemacht habe, die Waffe zu übergeben", sagte der angeklagte Carsten S. auf die Frage eines Nebenklage-Anwalts vor dem Oberlandesgericht München.

Er fühle sich auch deshalb verantwortlich, weil er nach seinem Ausstieg aus der Neonazi-Szene keine Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben habe, fügte S. hinzu.

Der Sozialpädagoge hatte zugegeben, den untergetauchten Neonazis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eine Waffe besorgt zu haben - höchstwahrscheinlich jene Pistole der Marke "Ceska", mit der die Terroristen neun Menschen ermordeten.

Carsten S. stieg laut eigenen Angaben kurz darauf aus der rechten Szene aus, weil er gemerkt habe, dass er dort nicht offen homosexuell leben könne. Der 33-Jährige ist der bislang einzige der fünf Angeklagten im Prozess, der vor Gericht Fragen beantwortet.

ala/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
superglue 19.06.2013
1. Ich warte nur darauf
Zitat von sysopDPAIm Prozess um die rassistisch motivierten Morde des rechtsradikalen NSU hat der Angeklagte Carsten S. sich zu seiner Verantwortung bekannt. Er habe sich schuldig gemacht, indem er dem Terror-Trio die mutmaßliche Tatwaffe übergeben habe. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-carsten-s-fuehlt-sich-mitverantwortlich-fuer-morde-a-906672.html
dass hier gleich wieder einer der Kameraden vom "unglaubwürdigen Zeugen" oder gar von einem angeblich gedungenen "Kronzeugen" anfängt. (Wobei ja selbst die Journalisten der WELT leider noch immer nicht begriffen haben, dass Carsten S. kein Zeuge ist. Weder der Verteidigung noch Kronzeuge der Anklage.) Carsten S. ist bislang der einzige Angeklagte (!), der kooperativ ist, der sich zu seiner Verantwortung bekennt und auch nicht davor zurückschreckt, sich massiv selbst zu belasten. Chapeau! Eine Verurteilung wegen Beihilfe zu Mord - selbst nach Jugendstrafrecht - ist vermutlich kein Kinkerlitzchen.
spiegelneuronen 19.06.2013
2. Interessante Einlassung ...
Einerseits sagt der Angeklagte aus, dass er überzeugt gewesen sei, dass mit der Waffe, die er übergab "schon kein Scheiss gemacht werden würde", andererseits fühle er sich durchaus (mit-?) verantwortlich, da er "keine Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben habe, fügte S. hinzu". Nun, wie hätte denn diese Informationsweitergabe ausgesehen? Habe da eine Waffe illegal in Besitz genommen und war beauftragt die weiterzugeben an per Haftbefehl gesuchte Personen. Aber keine Sorge, ich bin überzeugt, die machen "keinen Scheiss" damit. Wäre das so gelaufen?
schlaumonster 19.06.2013
3. Klartext braucht Klarnamen!
Können mir die p.t. Damen und Herren von den Medien einmal logisch erklären, wieso von den Angeklagten im Münchner 'NSU-Prozeß einige Angeklagte mit vollem Namen genannt werden, andere aber nicht?
reinero59 19.06.2013
4. tja
bestimmt wurden da mit der Staatsanwaltschaft kräftige absprachen getroffen das sich der Hr. plötzlich so reuig zeigt. Aber letztendlich geht es nicht um ihn, wenn er plaudert und sich für die Morde verantwortlich erklärt wird es immer unwahrscheinlicher das das Gericht glauben wird Fr. Zschäpe hätte nichts gewusst. Die Jugendstrafe wird längst nicht so hart ausfallen wi das Urteil für die Fr. Zschäpe.
ambulans 19.06.2013
5. der junge mann scheint
mir durch seinen rechtsanwalt ein wenig arg speziell beraten zu sein, fürchte ich. wenn es sich namlich bei dieser pistole wirklich um die berühmte ceska handeln sollte, die in jedem der mindestens neun tötungsdelikte zweifelsfrei zum einsatz kam, dann hat er 9x mittäterschaft, unterstützung (§ 129a) u.v.m. am hals - und das macht dann wirklich keinen spaß mehr. was soll dann dieses "ich fühle mich (mit-)verantwortlich"-gesäusel? kein richtiges geständnis, aber "irgendwie war das wohl nicht ganz so in ordnung"? entweder geständnis oder schweigen - schließlich ist carsten s. ja angeklagter und hat dieses recht ...
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