Deckname "Primus": Früherer V-Mann besorgte möglicherweise Mietwagen für NSU-Mörder

Hatten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bei zwei Morden Hilfe von einem ehemaligen V-Mann? Dieser Spur geht nach Informationen des SPIEGEL die Bundesanwaltschaft nach. Ein Mann mit dem früheren Decknamen "Primus" könnte für die Nazi-Terrorzelle NSU Fluchtwagen gemietet haben.

Berlin - Die Bundesanwaltschaft prüft, ob ein ehemaliger V-Mann des Verfassungsschutzes womöglich logistische Hilfe für die Mörder des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) geleistet hat.

Bei der Suche nach Unterstützern des NSU stießen die Ermittler auf den langjährigen Rechtsextremisten Ralf M., der unter dem Decknamen "Primus" bis kurz nach der Jahrtausendwende für den Verfassungsschutz arbeitete.

In Unterlagen einer Zwickauer Autovermietung fanden Beamte Verträge für Fahrzeuganmietungen auf den Namen des V-Mannes, die zeitliche Überschneidungen mit zwei Morden des NSU im Juni und August 2001 in Nürnberg und München aufweisen. Bei beiden Taten fehlten bisher Hinweise zu Fluchtwagen.

Den Abrechnungen zufolge waren die Wagen jeweils für lange Fahrten genutzt worden, die es ermöglicht hätten, von Zwickau zu den Tatorten in Bayern zu kommen.

Bei seiner Vernehmung Mitte Februar gab M. an, zum fraglichen Zeitpunkt eine Baufirma betrieben zu haben, mit den Fahrzeugen seien vermutlich Mitarbeiter transportiert worden. Als Beschuldigter wird M. bislang nicht geführt, weil der Bundesanwaltschaft abgesehen von der auffälligen zeitlichen Überschneidung zusätzliche Indizien fehlen. M., der zeitweilig einen rechten Szeneladen betrieben hatte und später in die Schweiz zog, kennt mehrere mutmaßliche NSU-Unterstützer.

Vor kurzem war bekannt geworden, dass der NSU sich offenbar auf noch mehr Unterstützer verlassen konnte, als bisher bekannt. Die Sicherheitsbehörden haben dem Untersuchungsausschuss im Bundestag eine Liste mit 129 Personen aus der rechtsextremen Szene übergeben, die dem engeren und weiteren Umfeld des Terror-Trios angehören sollen.

Der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche NSU-Unterstützer, darunter André E., beginnt am 17. April vor dem Oberlandesgericht München. Das Gericht steht derzeit in der Kritik, weil bei dem Vergabefahren für die festen Presseplätze alle türkischen Medien leer ausgegangen sind.

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insgesamt 55 Beiträge
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1. In der Überschrift fehlt doch etwas?
ehf 29.03.2013
Nämlich das Wort "mutmasslich". Wieso beteiligt sich SPON an einer solchen Vorverurteilung? Bei allen anderen Schurken und Totschlägern, bei denen der Fall sonneklar ist, wird doch auch immer peinlich darauf geachtet.
2. Das Gericht
achmed1 29.03.2013
Steht bei Ihnen in der Kritik, nicht bei der demokratischen Bevölkerung. Es ist auch nicht vor dem linken konzertierten Shitstorm eingeknickt. Immer der Reihe nach, und nicht wie es den Krawallmachern genügt.
3. Verfassugs s c h u t z ?!
kolibri73 29.03.2013
Sollte sich dieser Verdacht tatsaechlich bestaetigen,dann ist diese Behoerde wegen erwiesener Inkompetenz einzusparen.Sie dient nicht nur nicht dem Zweck der Gefahrenabwehr,sie ist eine Gefahr!
4. Noch mehr Unterstützer ?
G2c 29.03.2013
Zitat von sysopHatten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bei zwei ihrer Morde Hilfe von einem ehemaligen V-Mann? Dieser Spur geht nach Informationen des SPIEGEL die Bundesanwaltschaft nach. Ein Mann mit dem früheren Decknamen "Primus" könnte für die Nazi-Terrorzelle NSU Fluchtwagen gemietet haben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-morde-bundesanwaltschaft-ermittelt-gegen-frueheren-v-mann-primus-a-891568.html
"Vor kurzem war bekannt geworden, dass der NSU sich offenbar auf noch mehr Unterstützer verlassen konnte, als bisher bekannt. Die Sicherheitsbehörden haben dem Untersuchungsausschuss im Bundestag eine Liste mit 129 Personen aus der rechtsextremen Szene übergeben, die dem engeren und weiteren Umfeld des Terror-Trios angehören sollen". Es war wohl das Jahr 2004 als ein Geschäftspartner mich für meine Rückfahrt zum Bahnhof in Erfurt begleitete, der wegen einer bevorstehenden "Nazi-Demo" durch die Polizei abgeriegelt war, deren Aufgabe es war, diese Personen und ihre Demo zu schützen (!). Die Ehefrau meines Geschäftspartners stammt aus einem Mittelmeerland, was ihr auch anzusehen ist. Ein höherrangiger Polizeibeamter erteilte dieser Dame Platzverbot (!!) - offensichtlich auf Weisung eines danebenstehenden Herrn in Zivil - mit der Begründung, dass sie durch ihr Äußeres zur Eskalation beitragen könnte. Alter und das Nichtvorhandensein einer passenden Waffe hielten mich davon ab, einen nicht wiedergutzumachenden Fehler zu begehen ... Soweit zu den sonstigen Unterstützern.
5. ...
arti67 29.03.2013
Und was hat der letzte Absatz mit dem Rest des Artikels zu tun? Muss man immer wieder darauf zurück kommen, weil man dem Gericht unterstellt es sei "stur"? Weil man unterstellt, dass ohne türkische Journalisten das Verfahren nicht rechtsstaatlich abläuft?
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Die Angeklagten im NSU-Prozess
Foto Beate Zsch¿pe
Foto Ralf Wohlleben
Foto Holger G.
Foto Carsten S.
Foto Andr¿ E.

Fotos: BKA/DER SPIEGEL