Pannen bei NSU-Ermittlungen Polizist half Thüringer Neonazis

Im Umfeld der Neonazi-Mörder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hat nach SPIEGEL-Informationen offenbar mindestens ein Polizist Geheimaktionen der Sicherheitsbehörden verraten. Konnten die untergetauchten Terroristen auch deshalb unentdeckt bleiben?

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Hamburg - Bei den Ermittlungen zur Zwickauer Neonazi-Zelle gibt es neue Erkenntnisse. Akten, die die Thüringer Verfassungsschützer in ihren Panzerschränken fanden, haben es in sich: Ein Beamter namens Sven T. habe an Treffen der Neonazi-Gruppierung Thüringer Heimatschutz teilgenommen und mit den Rechtsextremisten sympathisiert, heißt es in einem geheimen Vermerk des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom 30. Juli 1999, den die Kölner Bundesbehörde an die Landeskollegen in Erfurt geschickt hatte.

Laut einem Quellenbericht habe der Neonazi Enrico K., der wie Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe dem Thüringer Heimatschutz angehörte, von Sven T. wichtige Informationen über geplante Polizeiaktionen erhalten.

Es blieb nicht bei der einen Warnung. Am 17. September 1999 - etwa eineinhalb Jahre nach dem Abtauchen des Neonazi-Trios - meldete sich das Bundesamt ein weiteres Mal. Der Polizist, der aus der Polizeidirektion Saalfeld stamme, sei "national eingestellt" und habe Enrico K. erneut telefonisch über Polizeiaktionen gewarnt. So soll T. den Neonazi aufgefordert haben, vorsichtig zu operieren, um nicht wegen Rädelsführerschaft aufzufallen.

Vom Sympathisant zum V-Mann-Führer

Doch obwohl das Bundesamt die Landesverfassungsschützer in Thüringen auch darüber informierte, geschah offenbar nichts - im Gegenteil: vergangene Woche teilte das Thüringer Innenministerium dem Berliner Untersuchungsausschuss mit, Sven T. sei später sogar zum Verfassungsschutz versetzt worden.

Dort habe er von September 2010 bis Ende 2011 gearbeitet - ausgerechnet "als V-Mann-Führer" in der Szene, wie das Innenministerium einräumt. Erst nach dem Auffliegen der Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" sei er versetzt worden.

Allerdings hätten Untersuchungen "keine bestätigenden Hinweise" auf den Verrat von Dienstgeheimnissen ergeben. Hinweise auf einen zweiten Polizeibeamten in den Reihen der Thüringer Neonazis lieferte zudem ein V-Mann des Militärischen Abschirmdienstes, doch auch in diesem Fall blieben Konsequenzen aus. Der Berliner Untersuchungsausschuss muss nun klären, ob das mutmaßliche Leck bei der Polizei die Flucht des Trios im Untergrund erleichterte.

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Thomas-Melber-Stuttgart 24.08.2012
1. Ach so.
Zitat von sysopIm Umfeld der Neonazi-Mörder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hat nach SPIEGEL-Informationen offenbar mindestens ein Polizist Geheimaktionen der Sicherheitsbehörden verraten. Konnten die untergetauchten Terroristen auch deshalb unentdeckt bleiben? http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,851968,00.html
Ist eigentlich schon eine Schuld festgestellt bzw. sind Täter überführt worden? Die Ermittlungen dauern ja noch an, oder werden diese gar nicht ergebnisoffen geführt? Und soweit mir bekannt konnte die Ceska-Pistole nicht beschossen werden.
fuenfringe 24.08.2012
2. Lmao
Zitat von sysopIm Umfeld der Neonazi-Mörder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hat nach SPIEGEL-Informationen offenbar mindestens ein Polizist Geheimaktionen der Sicherheitsbehörden verraten. Konnten die untergetauchten Terroristen auch deshalb unentdeckt bleiben? http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,851968,00.html
Na, wenn das jetzt nicht reicht, um den V-Schutz vom V-Schutz überwachen zu lassen... was ist das für ein Staat, in dem wir leben?
Alternator 24.08.2012
3. Deifintion:
Diese Praxis heisst "Unterwanderung", und der Verfassungsscutz ist von ihr betroffen. Räumt diesen Laden gründlcih auf, und es ist wieder gut. Bleibt wachsam, duldet keine Nazis, und zwar NIRGENDWO, und es wird gut bleiben.
Michael KaiRo 24.08.2012
4.
Zitat von Thomas-Melber-StuttgartIst eigentlich schon eine Schuld festgestellt bzw. sind Täter überführt worden? Die Ermittlungen dauern ja noch an, oder werden diese gar nicht ergebnisoffen geführt? Und soweit mir bekannt konnte die Ceska-Pistole nicht beschossen werden.
Hätten Sie wg. der Ceska-Pistole ne Quelle. Das wäre ja ein Ding! Mich würde es nicht wundern, wenn die Bundesstaatsanwaltschaft das ganze Verfahren einstellen würde. Da kommt garantiert nix raus. Darüber hinaus war es nicht das erstemal, dass der Verfassungsschutz erst einmal den linken oder rechten "Terrorismus" aktiv geschürt hat - kann jeder bei Wiki selbst nachlesen; Stichworte "Peter Urbach", Celler Loch" etc.. Was für eine Farce wird hier veranstaltet.
burdak 24.08.2012
5. In Thüringen an der Tagesordnung
Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, dass in Eisenach und Nordhausen Dienstgeheimnisse von Polizeibeamten an einen Kriminellen weitergegeben wurden. Anzeigen gegen diese kriminellen Beamten, obwohl die Taten bewiesen werden konnten wurden niedergeschlagen oder laufen ins Leere. Das LKA Erfurt untersucht seit längerem einen Fall und der angezeigte Beamte versieht nach wie vor seinen Dienst. Es ist z.B. unmöglich gegen eine Eisenacher Bank vorzugehen, welche einen mehrfach Vorbestraften beschäftigt hatte, der einen Schaden von über 600.000,-- € anrichtete. Alle Versuche gegen die Verantwortlichen in dieser Bank vorzugehen, blieben erfolglos. Es wären dann ja auch Beamte in diese Angelegenheit hineingezogen worden. Alle Daten sind belegbar und doch nutzlos, weil in Thüringen weder die Polizei, Staatsanwaltschaft und die Ministerien an der Wahrheit interessiert sind.
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