Verteidiger von André E. im NSU-Prozess "Unser Mandant ist Nationalsozialist"

Im Prozess um die Mordserie des NSU hat ein Anwalt von André E. mit seinem Plädoyer begonnen. Offen räumt er die rechtsextreme Gesinnung seines Mandanten ein - für eine Verurteilung reiche das aber nicht.

Andre E. im OLG München
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Andre E. im OLG München


Im NSU-Prozess hat die Verteidigung des Mitangeklagten André E. seinen Mandanten als bekennenden Rechtsextremisten bezeichnet. "Unser Mandant ist Nationalsozialist, der mit Haut und mit Haaren zu seiner politischen Überzeugung steht", sagte Rechtsanwalt Herbert Hedrich zu Beginn seines Plädoyers vor dem Oberlandesgericht München.

E. ist wie Beate Zschäpe einer von fünf Angeklagten und soll dem "Nationalistischen Untergrund" (NSU) über Jahre hinweg bei der Tarnung geholfen haben. Hedrich sagte, er verteidige nicht die Gesinnung seines Mandanten und versuche auch nicht, die Taten zu rechtfertigen.

Seine Aufgabe sei es aber, E. "gegen die gegen ihn gemachten Vorwürfe zu verteidigen". Für die meisten Prozessbeteiligten scheine dagegen schon die politische Gesinnung "als Tatausweis ausreichend zu sein".

Die Bundesanwaltschaft hat zwölf Jahre Haft für E. beantragt - auch wegen Beihilfe zum Bombenanschlag auf ein Lebensmittelgeschäft in Köln. E. soll damals das Wohnmobil gemietet haben, mit dem die Täter nach Köln fuhren. Im Zuge des Plädoyers der Anklage war E. im September 2017 überraschend in Untersuchungshaft gekommen - wegen Fluchtgefahr. Er hatte noch im April versucht, einen dritten Pflichtverteidiger beiordnen zu lassen.

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Anwälte, Ankläger, Gutachter: Die wichtigsten Personen im NSU-Prozess

André und seine Partnerin Susann E. gelten als engste Vertraute der mutmaßlichen NSU-Rechtsterroristen. (Lesen Sie hier: Beate Zschäpe und Susann E. - Ihre beste Freundin.) E. ist der dritte von insgesamt fünf Angeklagten, dessen Verteidigung plädiert, Susann E. ist nicht angeklagt.

Vor etwa zwei Wochen hatten die beiden Wunschverteidiger Beate Zschäpes ihre Schlussanträge gehalten. Die Bundesanwaltschaft fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mittäterschaft an den NSU-Morden gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin, Zschäpes Wahlverteidiger höchstens zehn Jahre Haft wegen Beihilfe. Die Plädoyers ihrer Pflichtverteidiger stehen noch aus.

apr/dpa

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sober 08.05.2018
1.
„E. ist wie Beate Zschäpe einer von fünf Angeklagten und soll dem "Nationalistischen Untergrund" (NSU) über Jahre hinweg bei der Tarnung geholfen haben.“ Der NSU nennt sich selbst, soweit ich weiß, „Nationalsozialistischster Untergrund“. Ihn nur als „nationalistisch“ zu bezeichnen, ist eine Verharmlosung. Die Personen sehen sich in der Tradition der NSDAP. Ich hoffe auf harte Urteile.
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