Plädoyer im NSU-Prozess Anwältin nennt Wohlleben unschuldig

Der NSU-Prozess sei ein "Politikum", ihr Mandant ohne nachvollziehbare Gründe inhaftiert - die Anwältin von Ralf Wohlleben hat in ihrem Plädoyer das Gericht heftig kritisiert.

Ralf Wohlleben (Archiv)
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Ralf Wohlleben (Archiv)


Im NSU-Prozess hat die Verteidigung des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Die Beweislage reiche für eine Verurteilung nicht aus, sagte die Rechtsanwältin Nicole Schneiders.

Die Anwältin hatte ihr Plädoyer mit Angriffen gegen staatliche Stellen und die Richter des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) begonnen. Schneiders sagte, sie sei überzeugt davon, dass Wohlleben unschuldig und seit sechseinhalb Jahren ohne nachvollziehbare Gründe inhaftiert sei. Nur deshalb, weil der NSU-Prozess ein "Politikum" sei, dauere die U-Haft an. Zeitweise habe sich Wohlleben in Isolationshaft befunden.

Dem OLG-Senat und dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl warf Schneiders vor, reihenweise Beweisanträge abgelehnt zu haben und an der Wahrheit nicht interessiert zu sein. Schon zu Beginn des NSU-Prozesses habe das Urteil gegen Wohlleben "wie in Stein gemeißelt" festgestanden.

Wohlleben ist dafür angeklagt, die Mordwaffe des NSU vom Typ "Ceska" organisiert zu haben. Dafür hat die Bundesanwaltschaft zwölf Jahre Haft für ihn gefordert. Schneiders beantragte nun, ein früheres Mitglied der rechtsextremen und kriminellen Szene in Jena zu vernehmen. Sie sagte, der von ihr beantragte Zeuge werde aussagen, dass er eine typgleiche Waffe besessen und an den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt übergeben habe.

Schneiders gehört, ebenso wie Wohllebens andere Anwälte Olaf Klemke und Wolfram Nahrath, selbst der rechten Szene an. Sie war NPD-Mitglied und steht seit Mitte der Neunzigerjahre im Visier des baden-württembergischen Verfassungsschutzes.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist Beate Zschäpe, die fast 14 Jahre mit Böhnhardt und Uwe Mundlos im Untergrund lebte. Für Zschäpe hat die Bundesanwaltschaft lebenslange Haft beantragt, während ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre für angemessen halten. Dem NSU werden unter anderem neun rassistische Morde an Zuwanderern und die Ermordung einer Polizistin in Heilbronn zur Last gelegt.

bbr/dpa

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